1870 - 1890

postheadericon Die Bismarck-Zeit

oder: Setzen wir Deutschland in den Sattel


Jetzt ist die Reihe an Frankreich”, sagte Bismarck zum einstigen Revoluzionär Carl Schurz  “Ja, wir werden Krieg bekommen und der Kaiser der Franzosen wird ihn selbst anfangen ... Wir siegen und das Ergebnis wird gerade das Gegenteil von dem sein, was Napoleon anstrebt. Deutschland wird seine Einigung vollziehen, außerhalb Österreichs, und er selbst wird am Boden liegen.”

Nach dem 66er Krieg schrien die Franzosen immer lauter: “Revanche pour Sadowa” - Rache für Königgrätz. Ihre Sucht nach gloire und grandeur ertrug Preußens unerwarteten Sieg nicht, der ihre Vormachtstellung in Frage stellte. Sie fühlten sich um die “Kompensation” geprellt, die, so meinten sie, Bismark für ihr Stillhalten schuldig geblieben war.

Napoleon III. wollte nun dem König der Niederlande Luxemburg abkaufen, aber die Großmächte machten Luxemburg zum selbständigen Großherzogtum. Frankreich fühlte sich von Preußen gedemütigt.


Für seinen Krieg brauchte Napoleon “die Hände voller Bündnisse”. Der Unterstützung Italiens und Österreichs glaubte er sich sicher zu sein. Italiens Forderungen waren aber zu unverschämt. Es wollte Rom, das die Franzosen “zum Schutz des Kirchenstaates” besetzt hielten, es wollte das Tessin und es wollte Südtirol von Österreich. Bei den Österreichern vermutete er starke Rachegelüste. Er übersah, dass er mit seinem “Unternehmen Mexiko” nicht nur die Gefühle Österreichs verletzt hatte. Er hatte den Bruder des Kaisers zum Kaiser von Mexiko gemacht. Als die US-Nordstaaten gesiegt hatten, zwangen die neu entstandenen Vereinigten Staaten von Amerika Napoleon, aus Mexiko abzuziehen. Der alleingelassene Kaiser Maximilian wurde standrechtlich erschossen.


In Spanien suchte man einen König. Die Cortes  boten die Krone Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen an. Nicht zufällig waren die Spanier auf ihn gekommen. Bismarck hatte seinen Vertrauten Lothar Bucher nach Madrid geschickt, aber nicht einmal sein König wusste das. Bismarck wollte den Prinzen als “spanische Fliege im Nacken Napoleons”

installieren, der Preußen im Krieg gegen Frankreich zwei Armeekorps einsparen könne. Seinem friedlichen König machte er das Projekt anders schmackhaft: Das dadurch gestiegene “Ansehen der Dynastie der Hohenzollern“ würde das “deutsche Ansehen im Auslande” heben und zu einer “Kräftigung des Nationalgefühls” führen. Als die Thronkandidatur in Frankreich bekannt wurde, erklärte der Außenminister in der Gesetzgebenden Kammer, Frankreich könne die Erhebung eines Hohenzollern auf den Thron Karls V. nicht dulden. Das Gleichgewicht Europas würde gestört und die Ehre Frankreichs verletzt.

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