1870 - 1890 1870

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Papst Pius IX. versuchte, das Papsttum wieder zur geistigen Führungsmacht zu erheben. Er tat es zunächst mit dem “Syllabus errorum”, einem Verzeichnis von achtzig Irrlehren, die, wie er es sah, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft vergiftet hatten. Er rief 1870 alle Bischöfe zu einem Konzil nach Rom. Da dies seit dem Konzil von Trient vor 300 Jahren nicht mehr geschehen war, war man gespannt. Die Entspannung entlud sich aber bei den meisten Bischöfen in Erstaunen, ja manchmal auch in Empörung, als der Papst das neue Dogma bekanntgab: Der Papst sei unfehlbar, wenn er als Oberhaupt der Kirche in Glaubensfragen entscheide. Erst nach monatelangen Disputationen konnte sich der Papst durchsetzen:

Das “Vaticanum” beschloss den Primat des Bischofs von Rom und seine Unfehlbarkeit. Manche Katholiken machten das nicht mit. Sie sonderten sich als “Altkatholiken” ab, wählten einen eigenen Bischof, führten den deutschen Gottesdienst ein und schafften das Zölibat ab. Der Vatikan verlangte von der preußischen Regierung die Entlassung der altkatholischen Professoren und Lehrer aus ihren Ämtern. Preußen lehnte ab. Ein “Kanzelparagraph” verbot die politische Agitation in der Predigt. Den kirchlichen Orden wurde die Schulaufsicht entzogen. Dann wurden die dem Protestantismus unheimlichen Jesuiten verboten. Im nächsten Jahr schoss ein Böttchergeselle auf Bismarck. Er war Mitglied eines katholischen Männervereins. Flink lastete man das Attentat dem Zentrum an.

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