1870 - 1890 1879

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Gegen den Widerstand des alten Kaisers schloss sein Kanzler 1879 ein schicksalsträchtiges Bündnis mit Österreich-Ungarn, nachdem er Wien vom Angebot Russlands unterrichtet hatte, die Donaumonarchie zwischen Russland und Deutschland aufzuteilen. Das Zusammengehen mit Österreich war vielleicht auch sein Beitrag zur Heilung der Wunde, die er 1866 allen großdeutsch gesinnten Deutschen geschlagen hatte. Damit hatte er eine Verkehrung der Bündnisse vollzogen. 1866 hatte er mit Russlands Duldung Österreich aus Deutschland hinausgeworfen, jetzt zog er Österreich an die Seite Deutschlands. Die Folge war, dass sich das um die Früchte seines türkischen Sieges geprellte Russland dem revanchelüsternen Frankreich zuwandte.


Dieser “Zweibund” war ein Defensivbündnis. Die Partner sollten einander helfen, wenn einer von ihnen von Russland angegriffen würde. Der zweite Artikel verpflichtete die Partner, neutral zu bleiben, wenn einer von ihnen von einer anderen Macht angegriffen würde. Falls Russland den Angreifer unterstützt, sollte Artikel 1 in Kraft treten. Das richtete sich gegen Frankreich. Bismarck wollte keinen Ländererwerb, sondern eine Konstellation, “in welcher alle Mächte außer Frankreich unserer bedürfen und von Koalitionen gegen uns durch ihre Beziehungen zueinander nach Möglichkeit abgehalten werden.” Jeder Partner ist gut, wenn er nur von einem Bündnis mit Frankreich abgehalten wird.


Nach einem nur kurzlebigen “Dreikaiserbündnis” mit Russland zimmerte er 1882 den “Dreibund”: Deutschland und Österreich-Ungarn mit Italien, obwohl Italien der Gegner Österreichs war und blieb, denn für Italien waren Triest und Welschtirol “unerlöste italienische Gebiete.” Bismarck ging es jedoch gar nicht um Österreich als Bündnispartner, sondern nur um den Schutz Deutschlands vor Frankreich. Das Kopfschütteln über das Bündnis mit Italien quittierte er mit der Bemerkung, ein Trommler auf irgendeinem Alpengipfel, der das hinter ihm stehende Italien vortäusche, das Frankreich bedrohen könnte, genüge ihm schon.

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