1892 - 1918 1908

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Er drohte schon 1908. Die “Jungtürken” hatten vom Sultan die Wiederherstellung der Verfassung erzwungen. Man plante Wahlen für das türkische Parlament. Das brachte Probleme: für Bulgarien, das formal noch Tributärstaat der Türkei, faktisch aber bereits eigenständig war, für Österreich-Ungarn, weil ihm der Berliner Kongress die Besetzung Bosniens und der Herzegowina zugestanden hatte. Der russische Außenminister bot Österreich-Ungarn für die Hilfe zur Öffnung der türkischen Meerengen die Annexion von Bosnien und der Herzegowina an. Österreich stimmte zu, England nicht. Die Türken waren wütend, weil Bulgarien seine Unabhängigkeit proklamierte. Nur mit Mühe konnte Aehrenthal den “Balkanrummel” schlichten. Das gelang nur, weil Deutschland “in Nibelungentreue” hinter Österreich stand, Frankreich mit seiner Rüstung noch nicht fertig und Russland durch den japanischen Krieg geschwächt war. Deshalb musste Serbien seinen Chauvinismus zügeln. In Russland aber sagte man, dass der Weg nach Konstantinopel über Berlin führe.


Dort hatte man andere Sorgen: Im DAILY TELEGRAPH war ein Interview mit dem Kaiser erschienen, das die Briten als Anmaßung werteten. Deutschland war blamiert, “the Kaiser” erlitt einen Nervenzusammenbruch. Spätestens damit hatte er sich den Beinamen "Wilhelm der Unmögliche" verdient. Zu seiner zunehmenden Unsicherheit trug ein Eklat in seiner Umgebung bei. Sie war von Homosexuellen durchsetzt, damals eine Anstößigkeit. Der General und Chef des Militärkabinetts Hülsen war tot umgefallen, als er, als Balletttänzerin verkleidet, dem Kaiser vortanzte.

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