1892 - 1918 1915

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Der britische Marineminister Churchill hatte kalkuliert, dass Russland mit seinen Menschenmassen viel mehr für die Alliierten tun könnte. Man musste den Russen nur Kriegsmaterial liefern. Da der Weg durch die Ostsee von den neutralen Skandinaviern gesperrt war, wollte er es durch den Bosporus versuchen. Bei Gallipoli bildeten die Briten einen Landekopf. Die Abwehr zur See organisierte Admiral Souchon, den Landkrieg der preußische General und türkische Marschall Liman von Sanders. Von Februar 1915 bis Sommer 1916 bereiteten sie Churchill eine Niederlage. Er verlor seinen Ministerposten.


Das Kriegsmaterial für die Türkei hatte man auf der Donau transportiert. Jetzt machte der neue König Rumäniens Schwierigkeiten. Also musste der Landweg nach Istanbul freigemacht werden. Dazu musste man Serbien erobern und Bulgarien am Krieg beteiligen. Nicht nur den Österreichern fehlten die Soldaten, noch mehr brauchte Bulgarien die Deutschen. Auf diesem neuen Kriegsschauplatz übernahm ein gegen die Russen erfolgreiches Gespann das Kommando: Mackensen als Armeebefehlshaber und Seeckt als Generalstabschef. Serbien wurde von Donau und Save her angegriffen und besiegt.


Italien hatte im Mai 1915 Österreich-Ungarn den Krieg erklärt. Bereits im April hatte es mit England, Frankreich und Russland einen Geheimvertrag geschlossen. Darin wurde ihm außer der Brennergrenze und Triest, dalmatinischen Inseln und Stützpunkten in Albanien auch noch die Vergrößerung seines nordafrikanischen Kolonialbesitzes zugesagt. Für den Krieg agierte mit französischem Geld Benito Mussolini , der Chefredakteur der Sozialistenzeitung AVANTI, der spätere faschistische “Duce”. Die mit diesem Geld von ihm gegründete Zeitung POPOLO D’ITALIA hetzte Italien ins Feuer. Österreich bot jetzt sogar das Trentino und das Gebiet am unteren Isonzo an. Doch Italien forderte das deutsche Südtirol bis zum Brenner, die südlichen Teile von Kärnten, Triest, Istrien und Teile Dalmatiens, dazu Albanien.


Österreich hatte an der italienischen Grenze nur ein paar Tiroler „Standschützen“ - Knaben und Greise. Zudem war die Front mehrfach länger als die Grenze, denn der Kampf ging um Pässe und Joche, er tobte auf Gletschern, auf Gipfeln und Graten, um den Tonale-Pass und auf dem Ortler, in den Fleimstaler Bergen und in den Eisstollen der Marmolada. Im Hochgebirge kamen zu den Schrecken des Krieges noch die Gefahren der Berge und die Menschenfeindlichkeit des Wetters: Neun Monate Winter und drei Monate kalt. Nur ein Drittel der Kriegsopfer kamen hier durch den Feind um, aber mindestens 60.000 durch Lawinen.


Bevor man Truppen von der russischen Front und vom Balkan an die Italienfront bringen konnte, mühten sich ein paar Männer, dem Feind eine überlegene Streitmacht vorzutäuschen. Rätselhaft bleibt, warum die Italiener die Schwäche der Österreicher nicht nutzten. Bevor die Österreicher ihre Truppen hergeholt hatten, lieh man sich bayerische Einheiten - das “Deutsche Alpenkorps”. Um die Herzstücke der Dolomitenfront - Travenanzes, Lagazui, Col di Lana und Marmolada - versorgen zu können, bauten im Winter 1915/16 3.500 Soldaten, 500 Zivilarbeiter und 6.000 russische Gefangene eine Kleinbahn von Klausen im Eisacktal bis nach Wolkenstein unter Langkofel und Sella.


Erbittert gekämpft wurde am Isonzo. In den Karstfels konnte man keine Schützengräben hineinbringen, Brustwehren aus Sandsäcken waren oft einziger Schutz. Die Wirkung der Granateinschläge vervielfachte sich durch die Steinsplitter. Wasser gab es kaum, doch sengende Hitze und giftige Vipern. Die Italiener, die zeitweise mit bis zu 48 Divisionen angriffen, kamen nur bis Görz. In elf Isonzo-Schlachten verloren sie über eine Million Mann, Österreich über 550.000. Um den Gegner aus dem Weg zu räumen, sprengte man ihn an exponierten Punkten in die Luft. So jagten in den Dolomiten fünf Tonnen Dynamit 10.000 Tonnen Fels des Col- di-Lana-Gipfels mit den verteidigenden Tiroler Kaiserjägern Mitte April 1916 in die Luft. Ein Jahr später sprengten die Österreicher den Kleinen Lagazuoi und noch ein Jahr später den Monte Pasubio südlich von Trient mit 55 Tonnen Dynamit, dreieinhalb Stunden bevor die Italiener sprengen wollten.


Um Deutschlands Lage zu bessern, schickte man den Legationssekretär von Hentig auf eine abenteuerliche Dienstreise. Er sollte Afghanistan gegen England in den Krieg bringen. Als Wanderzirkus getarnt, kam er mit seinen Männern durch den Balkan. Auf selbstgebauten Booten schipperten sie den Euphrat hinunter. In sechzig Nachtmärschen quälten sie sich durch die persische Salzwüste. Unter ständiger Feindbedrohung erreichte die verwegene Truppe tatsächlich Kabul, doch der Plan war undurchführbar. Zum weiteren Dienst fürs Vaterland retirierte Hentig allein über das Hochland von Pamir, China und die USA. Der schwedische Asienforscher Sven Hedin attestierte dem „deutschen Lawrence“, es sei die „schwierigste Reise um die Welt“ gewesen.


Im Osten gab es noch einmal große Siege. Hindenburg und Ludendorff hatten in der Winterschlacht in Masuren im Februar 1915 ihre bisherigen Erfolge noch übertroffen. Eine Armeegruppe stieß nach Kurland vor, östlich von Krakau führte die Armee Mackensen mit der österreichisch-ungarischen Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand den Hauptstoß. Lemberg war wieder österreichisch. Die Ostfront verlief jetzt von Czernowitz in der Bukowina gerade nach Norden bis vor Dünaburg und vor Riga.


Um diese Zeit, meinte ein Banker, "wäre dieser Krieg schon nach 6 Monaten beendet gewesen," "wenn die kriegführenden Länder ... den Goldstandard nicht ... aufgegeben hätten." "Wenn der 1. Weltkrieg nur 6 Monate gedauert hätte, wären die Währungen nicht zerstört worden. Es hätte keinen Versailler Vertrag und keine deutsche Hyperinflation gegeben. ... Ohne die falsche Geldpolitik hätte es nie einen Hitler gegeben. ... Und es hätte nie einen 2. Weltkrieg gegeben."


Da alle Offensiven den Krieg nicht entschieden hatten, plante Falkenhayn einen Angriff auf Verdun, die stärkste Festung der Welt. Für das nationale Frankreich galt es als Geburtsort Frankreichs. Deshalb würden die Franzosen den mythischen Ort um jeden Preis verteidigen. Falkenhayn war daher sicher, dass sich Frankreichs Armee für Verdun „ausbluten“ würde. Schon die Vorbereitungen waren gigantisch: Zehn neue Eisenbahnlinien wurden gebaut. Auf einen Abschnitt von nur 13 Kilometer Breite wurden 542 schwere Geschütze, darunter 13 42-Zentimeter-Mörser des Typs „Dicke Berta“, drei 38-Zentimeter-Langrohrgeschütze und elf von den Österreichern geborgte 30,5-Zentimeter-Mörser in Stellung gebracht.

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