1892 - 1918 1916

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Am 21. Februar 1916 donnerten 1.251 Geschütze los. Die Kanonade dauerte sieben Stunden. Im Abschnitt einer Division schlug alle eineinhalb Sekunden eine deutsche Granate ein - insgesamt 10.000 Tonnen. Die Telefonverbindungen fielen schnell aus, die Franzosen mussten Stafettenläufer losschicken. Nach dem Trommelfeuer griffen neun deutsche Divisionen - 140.000 Mann – an. So ging es zehn Monate. Anders als geplant, bluteten nicht nur die Franzosen aus. General Pétain wurde dazu bestimmt, die Ehre Frankreichs zu retten. Er ließ eine Rollbahn nach Verdun bauen und die Festungstruppen auf eine halbe Million verstärken. Die Deutschen ließen für die Siegesfeier schon Musikzüge heranschaffen. Doch der entscheidende Angriff brach bei hochsommerlicher Hitze wegen Wassermangels zusammen.


Für die Soldaten war es das Grauen: Zehn Tote pro Quadratmeter, eine Granate pro Quadratzentimeter, neun Dörfer von der Landkarte verschwunden. In manchen Senken wuchs erst sechzig Jahre danach wieder Gras; auf jeder Seite etwa 350.000 Gefallene. Das “Fanal deutschen Heldentums” prägte in vielen Büchern den Militarismus der zwanziger und dreißiger Jahre. Die Franzosen ließen sich im Friedensvertrag zusichern, dass die deutschen Soldatengräber nur schwarze Kreuze tragen durften. “Die düstere Farbe sollte auch für die Gefallenen noch ein Zeichen der Schmach sein ..”* Pétain, der “Löwe von Verdun”, forderte eine “Mauer” gegen Deutschland, die der dort verwundete Feldwebel Maginot als Kriegsminister bauen ließ.


Da er das deutsche Heer bei Ypern und vor Verdun hatte ausbluten lassen, musste Falkenhayn gehen. Zum neuen Generalstabschef und damit zum Oberbefehlshaber der deutschen Streitmacht ernannte der Kaiser den “Helden von Tannenberg”, Generalfeldmarschall von Hindenburg. Mit ihm kam Ludendorff als “Erster Generalquartiermeister”.


Im Juni traten Briten und Franzosen an der Somme zum Großangriff an. Der Materialeinsatz an dem 40 Kilometer breiten Kampfabschnitt war noch größer als vor Verdun. Das Massenmorden hat der Brite Ranke Graves geschildert: „Der Kompanieführer sah auch den Zug zu seiner Linken zu Boden gehen und pfiff erneut zum Angriff. ... Er sprang aus seinem Granattrichter und signalisierte ‘Vorwärts!’ Niemand rührte sich. Er brüllte: ‘Ihr miesen Feiglinge, lasst ihr mich alleine weitergehen?’ Sein Feldwebel, unter Gestöhn über seine zerschossene Schulter: ‘Keine Feiglinge, Sir. Durchaus willig. Sind aber alle fucking tot.’” Tot war auch Hauptmann Nevill. Er hatte für jeden seiner Züge einen Fußball gekauft und einen Preis ausgelobt für den, der seinen Ball zuerst in einen deutschen Graben kicken würde. Der Hauptmann und viele seiner kriegsunerfahrenen Männer blieben jedoch schon vor dem deutschen Drahtverhau liegen. Die 2,5 Millionen Angreifer verloren 700.000 Mann, die 1,5 Millionen Verteidiger 500.000. Nach fünfmonatigem Ringen hatte sich auch dieser Angriff totgelaufen.


Auch die Russen hatten Anfang Juni eine Großoffensive gestartet. Die “Dampfwalze” des Generals Brussilow hatte sich aus Wolhynien in Bewegung gesetzt und die österreichische 4. Armee überwalzt. Nur mit Mühe konnte der Durchbruch nach Lemberg verhindert werden. Brussilow versuchte es im Herbst nochmals. Trotz riesiger Verluste auf beiden Seiten blieben die Brussilow-Offensiven erfolglos.


Ein weiterer Gegner war dazugekommen: Rumänien. Die Entente hatte die “Walachei” mit großen Gebieten Ungarns geködert. Sofort drangen die Rumänen in Siebenbürgen ein. Deutsche Armeen unter Mackensen und Falkenhayn und eine österreichische Armee schlugen sie zurück. Mit der Eroberung des Ölgebietes von Ploesti hatte man wenigstens die Treibstoffversorgung gesichert.


Ludendorff brauchte mehr Soldaten. Infolgedessen wurde im November 1916 ein von Russland getrenntes Königreich Polen geschaffen. Die Folge war, dass das kriegsmüde Russland weiterkämpfte und sich in Polen der Nationalismus verstärkte.


Mitte Dezember 1916 richtete der US-Präsident Wilson eine Aufforderung zu Friedensgesprächen an die Kriegführenden. Er sah in den Monarchien Deutschland und Österreich das Reaktionäre, das Böse. England und Frankreich dagegen setzte er gleich mit Freiheit und Fortschritt, mit Demokratie und Liberalismus. Wilson, "ein schwer neurotischer Fanatiker", der schon 1896 einen ersten und 1906 einen zweiten Schlaganfall erlitten hatte, wollte aus ideologischen Gründen sein Land in diesen Krieg führen. Sigmund Freud sagte dazu einem amerikanischen Freund: "Ihr Präsident war der größte Idiot dieses Jahrhunderts, nein, aller Zeiten, und dazu ein Erzverbrecher, ohne sich allerdings dessen bewusst zu sein!" Wilson fühlte sich als Heilsbringer. Es waren jedoch die Geschäftsinteressen der amerikanischen Rüstungsindustrie, die die Entschlüsse des Präsidenten prägten.

Die USA hatten schon sehr viel Waffen an England und Frankreich geliefert. Amerika hatte sein Geld in den Sieg der beiden investiert, und man wollte es mit Gewinn zurückhaben.

Sein "Kreuzzug für die Demokratie" war aber erst nach dem Zusammenbruch des Zarenregimes möglich, als die Kerenskij-Regierung es abgelöst hatte. Die Folgen seines "Kreuzzuges" hat 1936 Churchill den Landsleuten seiner Mutter verklart: "Wäret ihr nicht in den Krieg eingetreten, hätten die Alliierten mit Deutschland 1917 Frieden geschlossen.

Und hätten wir Frieden geschlossen, hätte es in Russland keinen Zusammenbruch und den Kommunismus gegeben, keinen Faschismus in Italien, und Deutschland hätte den Vertrag von Versailles nicht unterschrieben, der dann den Nationalsozialismus zur Macht brachte - und wenn England im Jahre 1917 Frieden geschlossen hätte, würde man mehr als einer Million Briten, Franzosen, Amerikanern und anderen Männern das Leben gerettet haben."

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