1892 - 1918 1918

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Es versprach Hoffnung, dass man jetzt die Ressourcen des riesigen Russland in die Hände bekam. Trotzki hatte nämlich die Verhandlungen abgebrochen. Man fing wieder den Krieg an. Der “Eisenbahnvormarsch” der Deutschen brachte in wenigen Tagen weite Gebiete in ihre Hand. Eine russische Front gab es nicht mehr. Deutsche Truppen besetzten Polen, Finnland, Livland, Estland, die Ukraine, das Donezbecken, die Krim und die Halbinsel Cherson. Sie marschierten bis zum Kaukasus und bis Transkaukasien.


Am 2. März erschien die sowjetische Delegation wieder und unterzeichnete den Friedensvertrag. Er wäre wohl nicht ganz so schlimm ausgefallen, wenn die Bolschewisten  den Text erst einmal gelesen hätten. Erst nachher sahen sie, was sie unterschrieben hatten: Russland verzichtete auf Polen, Litauen, das Baltikum, Finnland und die Ukraine, es trat kaukasische Gebiete an die Türkei ab und erkannte Persien an. Von der Weichsel bis zum Don, vom Eismeer bis nach Persien schien ein “Deutsch-Ost” zu entstehen, das nicht in Afrika, sondern gleich vor der deutschen Tür lag. Auch Hitler wird keine afrikanischen Kolonien wollen, vielmehr das, was schon das kaiserliche Deutschland haben wollte. Zur gleichen Zeit entschied man in Berlin, “Österreich-Ungarn wirtschaftlich zu beherrschen wie Polen und Russland.”*


Der Krieg wurde durch die riesigen Raum-Gewinne im Osten nicht entschieden. Er wurde vielleicht im Westen zwischen dem 21. März und dem 30. April 1918 verloren wegen der im Osten gebundenen 50 Divisionen - mehr als eine Million Soldaten.


Für die letzte Großoffensive, das “Unternehmen Michael”, bezog der bigotte Ludendorff seine blinde Zuversicht aus der Losung der Herrnhuter Brüdergemeinde: „Das ist der Tag des auserwählten Volkes!“ Vom späteren Reichskanzler Max von Baden gefragt, was denn werde, wenn sich Deutschlands letztes Aufgebot verblute, antwortete er: „Dann muss Deutschland eben zu Grunde gehen.“ Hitler wird das am Ende des nächsten Krieges fast genauso sagen.


Die Schlacht begann am 21. März mit dem pausenlosen Beschuss der britischen Stellungen zwischen Armentières und La Fère durch 6.608 Geschütze. Fünf Stunden später traten 68 Divisionen mit 800.000 ausgemergelten Soldaten zum Angriff auf 76 Kilometer Breite an. Man wollte die Briten auf ihre Insel zurückwerfen. Frankreich wäre dann wohl aus dem Krieg ausgeschieden.


Mit der Offensive hatte Ludendorff nur eine Vorwölbung der Front gewonnen. Sie hatte 350.000 unersetzliche Soldaten gekostet. Während die deutschen Linien immer dünner wurden, landeten die Amerikaner ab April jeden Monat eine Viertelmillion. Während Deutschland nur noch abgekämpfte, schlecht versorgte Truppen hat, sind dies frische siegessichere Boys. Im Oktober 1918 werden es eineinhalb Millionen sein.


Um Lenin zu stürzen und Russland wieder in den Krieg zu ziehen, landeten im Juni Briten-Truppen in Murmansk, Briten und Japaner in Wladiwostok. Mitte August kommen auch Amerikaner. Seit Mitte Mai kämpfen auch Tschechen, die man in Gefangenenlagern rekrutiert hatte, gegen die Bolschewisten.


Selbst in Vorderasien kämpfte man gegen Briten und Araber, die der legendäre Lawrence den Briten zugetrieben hatte. Die Kolonien waren verloren. Nur in Deutsch-Ostafrika führte General Lettow-Vorbeck die Briten an der Nase herum. Als er nach dem Waffenstillstand kapitulierte, zählte seine Truppe 155 Weiße und 1.200 Eingeborene. Er meinte, er hätte noch Jahre gegen die 120.000 Briten weiterkämpfen können.


In der Nacht des 8. August 1918 brüllt der Donner von 2.684 britischen und französischen Kanonen, knattern 1.008 feindliche Flugzeuge. An der Somme greifen 441.588 Alliierte zwischen Ancre und Avre an, 548 Tanks rollen durch die Trichterlandschaft. Es war der “schwarze Tag” des Westheeres, ganze Truppenteile waren demoralisiert. Nun musste Österreich mit sechs Divisionen die deutsche Westfront stützen.


Weil “die Heimat” hoffnungslos hungerte – die Statthalterei Tirols hatte den Innsbruckern am 10. Juli geraten, Spatzen zu jagen, „da sie für die menschliche Ernährung sehr geeignet“ seien - und die Soldaten an den Fronten immer matter wurden, richtete Österreich am 14. September einen Friedensaufruf an alle kriegführenden Staaten. In Berlin gebärdete man sich, als sei das Verrat.


Am 29. September 1918 forderte die OHL plötzlich Waffenstillstand binnen 48 Stunden. Die Forderung traf die Politiker wie ein Keulenschlag. Die OHL hatte doch immer das Durchhalten unter allen Umständen gefordert. Deshalb trat Kanzler Hertling zurück. Da in keiner Partei ein geeigneter Mann zu finden war, wurde der badische Thronerbe, Prinz Max von Baden , am 3. Oktober zum Reichskanzler ernannt.


Jetzt verschob Ludendorff die Schuld am Zusammenbruch auf die, die gerade die Schadensbegrenzung auf sich nahmen. Seinen Stabsoffizieren erklärte er, dass nun die regieren müssten, „denen wir es … zu verdanken haben, dass wir soweit gekommen sind. … Die sollen nun den Frieden schließen, der jetzt geschlossen werden muss.“ Wilson hatte ja wiederholt erklärt, mit einer demokratischen Regierung in Friedensverhandlungen eintreten zu wollen. Er hatte auch gesagt, die USA führten keinen Krieg gegen das deutsche Volk, sondern gegen sein autokratisches Regime.


Ludendorff dachte in den Kategorien der altpreußischen Offizierskaste. “Die Armee muss gerettet werden - ihre Existenz und ihre Ehre. Um die Existenz der Armee zu retten, musste Waffenstillstand geschlossen werden - schleunigst. ... Um aber die Ehre der Armee zu retten, musste das Waffenstillstandsgesuch von der Regierung ausgehen, nicht von der Obersten Heeresleitung.” Waffenstillstands- und Friedensangebot mussten von der SPD und dem Zentrum ausgehen, die schon immer einen Verständigungsfrieden gewollt hatten. Diese Parteien mussten auch die Regierung bilden. Deshalb die Demokratisierung, die sie schon so lange wollten. Wenn sich diese Regierung unterwerfen sollte, “dann würde es ihre Unterwerfung sein; die Armee jedenfalls wäre gerettet, ... Vielleicht konnte sie es sich dann sogar leisten, ... nach dem Kriege mit ihrer ... unbefleckten Ehre die durch Kapitulation entehrte Parlamentsregierung wieder nach Hause zu schicken.”


Die militärische Niederlage ging in eine Paralyse von Front und Heimat über. Wilson wollte noch keinen Waffenstillstand. Die Deutschen mussten erst noch tiefer in die Knie. Am 26. Oktober bestellte der Kaiser Hindenburg und Ludendorff zu sich. Ludendorff bot seine Entlassung an. Ein paar Tage später setzte er sich maskiert nach Schweden ab. “Sicher ist, dass er zu den großen Deutschen gehört, die Deutschland klein gemacht haben.”*


Kleiner als Deutschland wurde bereits jetzt die k.u.k. Monarchie gemacht. Am 16. Oktober hatte Kaiser Karl ein Manifest erlassen, in dem er die Umwandlung der Monarchie in einen Bundesstaat autonomer Nationalitäten verkündete. Es diente jetzt nur noch als Freibrief für die sofortige Zerschlagung Alt-Österreichs. Der letzte k.u.k. Außenminister hatte nur noch das Bündnis mit Deutschland zu kündigen und einen Sonderfrieden anzubieten. Doch auch hier erhöhte der US-Präsident seine Forderungen. Er machte sich zum Sprachrohr des Tschechen Masaryk , dass nicht nur die Autonomie der Völker Österreichs gewährt werden müsse, sondern Tschechen und Südslawen eigene Staaten bekommen müssten. Daher riefen die Tschechen am 28. Oktober den tschechoslowakischen Staat aus. Die Südslawen folgten. Ungarn löste die Union mit Österreich und rief die ungarischen Truppen zurück in die Heimat.


Am 2. November unterzeichnete Österreich den Waffenstillstand. Jetzt “siegten” die Italiener: “Mit motorisierten Verbänden überholten sie die österreichischen Kolonnen, sperrten Brücken und Pässe und nahmen ... Hunderttausende schon wehrlose Soldaten gefangen. Unter dem Namen des Sieges von Vittorio Veneto ging dieses artistische Meisterstück in die Geschichte Italiens ein. Das Heer der Gefangenen musste in den kalten Herbstnächten im Freien lagern, und viele Tausende Männer starben.”


Die seit der Skagerrak-Schlacht 1916 unbeschäftigte Hochseeflotte wollte “diesen Krieg nicht beschließen müssen, ohne dass die in ihr steckende nationale Kraft voll zur schlagenden Wirkung gekommen ist.” Die deutsche Flotte wollte, ohne die Regierung zu verständigen, die sich um den Waffenstillstand mühte, “in Ehren” untergehen. Sogar dem späteren SPD-Reichswehrminister Noske schien diese Groteske begreiflich. Die Matrosen wollten nicht mehr kämpfen. Als der kleine Kreuzer “Straßburg” am 27. Oktober auslaufen sollte, fehlten vierzig Heizer. Am 29. musste der Kapitän des Flottenflaggschiffs zur Kenntnis nehmen, dass die Besatzung einen Vorstoß über Helgoland hinaus verhindern würde. Am 30. verweigerten Meuterer auf der “Thüringen“ und der “Helgoland” das Lichten der Anker. Daher dampften die Linienschiffsgeschwader in ihre Heimathäfen, das III. nach Kiel. Von dort schwappte die Meuterei auf andere Marinegarnisonen über. Die Kieler Matrosen gingen von Bord, einige mit einer roten Fahne. Wohin sie kamen, wurden sie zu Keimen der Revolution. “Matrosen und Soldaten gingen auf die Straße, Arbeiter schlossen sich an, Arbeiter- und Soldatenräte formierten sich, um die Massen zu mobilisieren; dann verbanden sie sich mit der etablierten Linken.”


Die Matrosen kamen nach Hamburg und Hannover, nach Berlin, München, Darmstadt und Köln. Dessen Oberbürgermeister, der spätere Bundeskanzler Adenauer, wollte den Zug vor der Stadt stoppen lassen. Doch die Reichsbahn bestand auf fahrplanmäßiger Ankunft. Die erste Sorge des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates galt “der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Ordnung ..., wie es echten Deutschen auch in einer großen Revolution geziemt.” Adenauer ließ vorsichtshalber 300.000 Liter Schnaps aus einem Depot in den Rhein laufen und aus Heeres-Feldküchen Graupeneintopf an die hungernden Kölner ausgeben. Sie dankten es ihm mit dem Spitznamen “Graupenauer”.


Den Bürgern grauste es vor der Revolution. Nicht weniger den regierenden Sozialdemokraten. Am 6. November stürzte einer von ihnen, Scheidemann , in eine Besprechung seiner Parteifreunde, die besprachen, den Ludendorff-Nachfolger Groener für die Abdankung des Kaisers zu gewinnen. “Kreidebleich und am ganzen Leibe zitternd”, rief er: “Die Revolution marschiert. Eben habe ich die Nachricht erhalten, dass zahlreiche Kieler Matrosen in Hamburg und Hannover die ... öffentliche Gewalt an sich gerissen haben. Das bedeutet die Revolution.”


Bei diesem Gespräch hatte die SPD dem General versichert, dass man die Monarchie nicht abschaffen wolle. Kaisersohn Oskar könne sie weiterführen. Die Arbeiter würden jedoch dem radikalen Spartakisten  Liebknecht nachrennen, falls sich der Kaiser weiter an seinen Thron klammere.


Dass Kaiser Wilhelm sich nicht würde halten können, zeigten die nächsten Tage: Zuerst verschwand das Königshaus dort, wo es am stärksten im Volk verwurzelt schien, in Bayern. Der ehemalige VORWÄRTS-Redakteur und USPD -Vorsitzende Eisner verkündete am 8. November im Namen des Arbeiter- und Soldatenrates das Ende der 738 Jahre alten Wittelsbacher-Herrschaft und die Gründung des “Bayerischen Volksstaates”.


Jetzt drohten die Mehrheitssozialisten mit dem Austritt aus der Reichsregierung, wenn der Kaiser nicht zurücktrete. Der wollte an der Spitze seiner Truppen in die Heimat und dort “Ordnung schaffen”. Er musste aber von 23 der 39 am 9. November eiligst ins Hauptquartier befohlenen Generäle und Regimentskommandeure hören, dass die Armee eine möglichst schnelle Waffenruhe erwarte. Währenddessen kamen aus Berlin Nachrichten über Unruhen und den Aufruf zum Generalstreik sowie die Forderung des Reichskanzlers, der Kaiser müsse abdanken. Da es nun nicht mehr anders ging, gab Wilhelm bekannt, er wolle als Kaiser zurücktreten, aber König von Preußen bleiben.


Reichskanzler Max von Baden hatte händeringend auf das Rücktrittstelegramm aus dem kaiserlichen Hauptquartier in Spa gewartet. Als er glaubte, dass die Abdankung des Kaisers jeden Moment eintreffen müsse, verkündete er am 9. November mittags die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen, seinen eigenen Rücktritt und die Ernennung des sozialdemokratischen Parteivorsitzenden Friedrich Ebert zum Reichskanzler.


Der 9. November 1918 fegte nicht nur das preußische Königtum, sondern auch die Fürsten aller Mittel- und Kleinstaaten weg. Mit diesen 20 Dynastien, die ein Jahrtausend und mehr ihre Untertanen beherrscht hatten, wurden die letzten Symbole des Mittelalters in die Anonymität gedrängt. Ihr Verzicht erfolgte überraschend undramatisch. Der Fürst von Waldeck schrieb ohne Zögern unter die vorbereitete Abdankungsurkunde: “Kenntnis genommen, Friedrich”. Der Herzog von Braunschweig unterschrieb den fünfzeiligen Thronverzicht, den ihm der “Arbeiter- und Soldatenrat Braunschweig” vorhielt, nach halbstündiger Bedenkzeit. Der sächsische König Friedrich August ließ sich telefonisch absetzen: “Da habb’ch wohl nu nischt weiter zu sag’n?” Nein, alle Befugnisse habe nun der Arbeiter- und Soldatenrat. Darauf Friedrich August: “So, so, na, da macht euern Dreck alleene!” Als er aus Dresden abfuhr, jubelte die Menge dem Ex-Monarchen zu. Lächelnd-tadelnd soll er aus dem Zugfenster gerufen haben: “Ihr seid mir scheene Rebubliganer!”


War das der “Dolchstoß”, der nach Behauptungen nationalistischer Kreise das Heer “von hinten” heimtückisch niedergestoßen und damit dessen Zusammenbruch, die Revolution, das Friedensdiktat und alle daraus folgende Not verschuldet hatte? Das ominöse Wort gab die Meinung vieler wieder: “Linke Kräfte”, der “Internationalismus”, “der erschreckende Mangel an vaterländischer Gesinnung” hätten “die Heimat” “zersetzt” und die Widerstandskraft von Heer und Heimat zerbrochen. Diese Ansicht wurde sogar dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der die ehemalige OHL Hindenburg/Ludendorff über die Gründe des Zusammenbruchs befragte, vorgetragen. Aber General Neill Malcolm hat Ludendorff, als dieser Regierung und Zivilbevölkerung heftig angriff, lediglich zweifelnd gefragt: “Do you mean, that you were stabbed in the back?”


Nicht nur der Sozialdemokrat Noske, auch ganz anders geartete Persönlichkeiten wie etwa Rathenau glaubten, dass Deutschland der Krieg aufgezwungen worden war und dass sich die Deutschen hätten verteidigen müssen. Die heimkehrenden Krieger fühlten sich keineswegs geschlagen, vielmehr „im Felde unbesiegt“, doch von „Novemberverbrechern“ verraten.


Sollten alle Opfer umsonst gewesen sein? Allein Deutschland hatte 2 Millionen „Gefallene“. Russland hatte 1,8 Millionen Tote, Frankreich 1,4, Österreich 1,1 Millionen junge Männer verloren.


In ihrer Dolchstoß-Meinung sahen sich die “nationalen” Deutschen bestätigt, als nach zweitägiger Kanzlerschaft Eberts der linke Zentrumsabgeordnete und Minister Erzberger  auf den Rat Hindenburgs am 11. November 1918 in einem Eisenbahnwagen im Wald von Compiègne den Waffenstillstand unterzeichnete. Hätte Erzberger nicht unterschrieben, wären die Alliierten in Deutschland einmarschiert, ein damals nicht vorstellbarer Gedanke.


Deutschland musste der Annullierung der Friedensverträge mit Russland und mit Rumänien zustimmen, aber auch der Fortsetzung der Blockade. Die Feinde hungerten Deutschland weiterhin aus und ließen keine Rohstoffe herein. Frankreich einschließlich Elsass-Lothringens, Luxemburg und Belgien waren binnen 15 Tagen zu räumen, auch noch das linke Rheinufer binnen 25 Tagen. Mainz, Koblenz und Köln wurden von alliiertem Militär besetzt. Rechtsrheinisch wurde eine 35 Kiloneter breite entmilitarisierte Zone vorgeschrieben. Deutschland musste seine schweren Waffen, 1.700 Flugzeuge und 25.000 Maschinengewehre abgeben, dazu 150.000 Eisenbahnwagen, 5.000 Lokomotiven, LKWs und alle U-Boote. Die Hochseeflotte wurde in alliierten Häfen überwacht. Ein erfolgversprechender Widerstand war nicht mehr möglich.


Am 12. November 1918 war die “Republik Deutschösterreich” ausgerufen worden. Alle Adelsprädikate werden abgeschafft. Ein Graf Sternberg ließ sich daraufhin neue Visitenkarten drucken: "Adalbert/ aus dem Hause Sternberg/ geadelt von Karl dem Großen/ entadelt von Karl Renner", dem damaligen sozialdemokratischen Kanzler. Und anders als in Deutschland wurde das Vermögen des Kaiserhauses enteignet. Es könnte heute auf 20 Milliarden Euro hochgerechnet werden. Die sozialdemokratische Regierung verjagte auch alle Verwandten, die keine “Verzichterklärung” unterschrieben und ihre “Mitgliedschaft zum Hause Habsburg-Lothringen” nicht aufgaben. Kaiser Karl verzichtete auf die Regierung, nicht aber auf seine Rechte. Er ging mit seiner Familie in die Schweiz, später nach Portugal. Dort brachte er sich um.


Vom Schock dieses Novembers haben wir uns - meinte der Publizist Haffner - nie mehr ganz erholt. Seitdem “sind die Deutschen ein politisch gemütskrankes Volk.”
Umso schlimmer muss uns die Einsicht treffen, "dass am Ausbruch und Ausgang des Ersten Weltkriegs sich nichts Wesentliches geändert hätte, wenn das Attentat von Sarajewo verhindert, wenn die Marneschlacht gewonnen worden wäre oder die Lusitania Liverpool erreicht hätte." Die Hauptschuld an der Katastrophe tragen die verfilzten Bündnissysteme der Mächte und nicht zuletzt der damalige "Zeitgeist": der von den gegenseitigen Medien geschürte Neid und Hass und der Leichtsinn und dumme Stolz der Regierenden.

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