1919 - 1933 1926

postheadericon 1926

Dieses Vorgehen Frankreichs bewog Stresemann, auf der Konferenz von Locarno einen Sicherheitspakt anzuregen. Im Hauptvertrag wurden die Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich/Belgien von Großbritannien, Italien, Belgien, Frankreich und Deutschland garantiert. Die entmilitarisierte Zone war in die Garantie eingeschlossen, ebenso das Saarland, falls es an Deutschland zurückfallen sollte. Frankreich, Belgien und Deutschland verpflichteten sich, alle Streitigkeiten einem Schiedsgericht oder dem Völkerbund vorzutragen und keinen Krieg gegeneinander zu führen. Der Vertrag wurde wirksam, als Deutschland im September 1926 in den Völkerbund aufgenommen wurde. In weiteren Verträgen wurde Frankreich zum Garanten der deutsch-polnischen und der deutsch-tschechoslowakischen Verträge eingesetzt.


Für Deutschland bedeutete dies, dass es vor Gewaltakten wie der Ruhrbesetzung und subversiven Aktionen wie der Abtrennung “autonomer” Republiken geschützt war. Für Frankreich brachte “Locarno” den Verzicht Deutschlands auf Elsass-Lothringen. Die Aufnahme in den Völkerbund “hatte wenig reale Bedeutung, denn der Völkerbund taugte nicht.” Stresemann schloss außerdem 1926 einen Freundschafts- und Neutralitätsvertrag mit der UdSSR.


Währenddessen besserte sich das Leben durch die stabile Währung. Die Industriellen und Fabrikanten verdienten. Es gab Zusammenschlüsse, die ganze Branchen vereinten, wie die IG-Farben . Deutsches Unternehmertum, deutsche Gelehrsamkeit und deutscher Erfindergeist feierten wieder Triumphe.


Ebert war gestorben. Seine Feinde hatten ihn verleumdet und verunglimpft. Kein deutsches Staatsoberhaupt hat so viele Strafanträge gestellt wie er - insgesamt 173. Am härtesten aber traf den auf die Würde seines Amtes bedachten, bescheidenen Mann ein Gerichtsurteil, das ihn des Landesverrats im Kriege bezichtigte. Tatsächlich gebührt ihm “das Hauptverdienst daran, dass Deutschland nach dem militärischen Zusammenbruch von 1918 nicht das Opfer staatlichen Zerfalls, lang dauernden Bürgerkrieges oder einer Diktatur wurde, sondern als parlamentarische Demokratie seine neue verfassungsmäßige Ordnung fand.”


Stresemann war von einem US-Politiker gefragt worden: “Wie fest ist in Deutschland die republikanische Regierungsform verankert?” Stresemann musste ihm sagen: “Ich glaube, sie ist ziemlich gesichert; aber sie wird durch die Politik der Alliierten, ihre Truppen am Ostufer des Rheins zu belassen, geschwächt. Das ermöglicht unseren Reaktionären zu sagen: ‘Welchen Sinn hat der Vertrag von Locarno, welchen Sinn hat der Völkerbund? Schaut euch doch die fremden Truppen in unserem Lande an!’ Es ist die dauernde Wiederholung dieser … Tatsachen, die den Bestand unserer demokratischen Regierungsform in Frage stellt.”


Zu Eberts Nachfolger wählten die Deutschen den, der für den verlorenen Krieg die Verantwortung trug: Hindenburg! Für die meisten war er jedoch der “Retter Deutschlands”. Noch einmal sollte er Deutschland schützen vor der “roten Flut”. Der nun 78-Jährige war kein Republikaner, er war Monarchist. Großadmiral Tirpitz, Initiator des kaiserlichen Flottenbauprogramms, hatte ihn zur Kandidatur überredet. Es sei seine “vaterländische Pflicht”.


Der Reichspräsident hatte mehr Macht als der Reichskanzler. Er konnte den Reichstag auflösen, konnte Volksentscheide erzwingen, konnte die Länder mit militärischer Gewalt zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung und zur Einhaltung der Verfassung zwingen. Er konnte sogar wichtige Verfassungsartikel durch Notverordnungen außer Kraft setzen.
Hindenburg hat sich an seine Pflichten und an die Verfassung gehalten. Man konnte jedoch nicht erwarten, dass er, der schon bei der Ausrufung des Bismarck-Reiches dabeigewesen war, die Forderungen der Zeit begriff. Die politische Zentralfigur blieb Stresemann.

zurück weiter