1919 - 1933 1927-1928

postheadericon 1927-1928

Vom einstigen k.u.k.-Reich war nur ein Zehntel übriggeblieben. Obwohl der “Anschluss” für manchen Österreicher wegen der bürgerkriegsartigen Zustände in Deutschland, der Politikermorde und der Volksverhetzung der sich bekämpfenden Parteien an Attraktivität verloren hatte, war die Frage ungeklärt. Doch mit Frankreich war darüber nicht zu verhandeln. Mit der Abrüstung war es ähnlich. Bereits 1927 hatte die alliierte Abrüstungskommission Deutschland die Erfüllung aller Abrüstungsverpflichtungen bescheinigt. Die Alliierten selbst aber und ihre Trabanten Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Jugoslawien hielten starke Heere unter modernsten Waffen. Die Politik der Völkerverständigung, die Stresemann betrieben hatte, hatte ihm und Briand den Friedensnobelpreis, Deutschland aber nichts gebracht.


Nicht nur der Frühling der Völkerverständigung trog, auch die Wirtschaftskonjunktur geriet in die Flaute. Da ausländisches Kapital kaum noch kam, nahmen die Arbeitslosen zu und die Steuereinnahmen ab. Es gab Lohnkämpfe und Aussperrungen. Ein staatlicher Schiedsspruch beruhigte die Konfrontation nicht. Die Schlotbarone sahen in diesen “politischen Löhnen”

eine Maßnahme des “Systems”, das sie dafür umso mehr ablehnten. Die soziale Lage der Arbeiter war schlecht. Vom Einkommen eines Haushaltes wurden zwischen 1925 und 1930 durchschnittlich 45 % für Lebensmittel, 17,5 % für Wohnung und Heizung und 12,7 % für Kleidung gebraucht. Für Anderes blieb kaum etwas übrig. Auch den kleinen Angestellten ging es kaum besser.


Nach dem Scheitern des Dawes-Plans entwarf der amerikanische Industrielle Young einen Plan zur Zahlung der Reparationen. Obwohl der Plan eine Verminderung der Belastung bedeutete, sprach und schrieb man von der “Zinsknechtschaft”, in die Deutschland gebracht werden solle, man forderte ein Volksbegehren “gegen Kriegsschuldlüge und Youngplan”, sowie ein Gesetz “gegen die Versklavung des deutschen Volkes”. Alle, die bei der Annahme des Planes mitwirken würden, sollten als Landesverräter bestraft werden.

zurück weiter