1919 - 1933 1929

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Stresemann starb 1929. Er war die Klammer zwischen den schwarz-weiß-roten und den schwarz-rot-goldenen Deutschen gewesen. Die Regierung des SPD-Kanzlers Müller stritt sich über die Arbeitslosenversicherung. Ihre Kassen waren leer, ihre Schulden wuchsen, zugleich wuchs die Zahl der Arbeitslosen. Die Arbeitgeber empfahlen die Herabsetzung der Unterstützung, die Deutschnationalen forderten gar die Abschaffung der Sozialversicherung. In letzter Minute kam es zum Kompromiss; der Beitragssatz - drei Prozent des Lohnes, der zur Hälfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber zu zahlen war - wurde um 0,5 Prozent erhöht. Jeder wusste, dass das nicht reichte.


Die Arbeitslosigkeit war auch durch die Währungsschwierigkeiten verursacht. Am 25. Oktober hatte die New Yorker Börse ihren “Schwarzen Freitag”, die Kurse fielen in den Keller. Die Arbeitslosenzahlen stiegen und stiegen.


Während der Youngplan dann doch angenommen wurde, wurde die Beitragserhöhung zur Arbeitslosenversicherung zum Grab der Regierung. Der zurückgetretene Finanzminister konnte es nicht fassen: “Um dreißig Pfennig lassen sie die deutsche Republik zum Teufel gehen!” “Sie” waren die Gewerkschaften. Die SPD-Fraktion hatte sich mitziehen lassen.


Viele Deutsche, die seit 1919 schon sechzehn Regierungen hatten stürzen sehen, waren jetzt für andere Methoden des Regierens. Das Land bedürfe fester Autorität.  Man brauchte nur noch einen Kanzler, der so handelte.


Diesen Kanzler offerierte dem Reichspräsidenten Generalmajor von Schleicher, der Chef des Ministeramtes der Reichswehr. Er schlug Hindenburg den Vorsitzenden der Zentrumsfraktion, Dr. Heinrich Brüning , als Kanzler vor. Die Geisteshaltung des streng katholischen Bürgersohnes war die aller konservativen Deutschen. Für den fleißigen, stillen, fast farblosen christlichen Gewerkschafter sprach auch, dass er sich beim passiven Widerstand im Ruhrkampf verdient gemacht hatte. Er war die Vaterlandsliebe, die Selbstzucht, die Tugend in Person.


Schleicher machte ihm klar: Die Lage sei zu ernst für Parteienstreit. Nötig sei ein Präsidial-Kabinett, das mit Artikel-48-Vollmacht notfalls den Reichstag nach Hause schicken könne. Nicht nur Schleicher dachte so. Der württembergische Staatspräsident Bolz vom Zentrum hatte beispielsweise geschrieben: “Die Parteien sind gar nicht imstande, die großen innerparteilichen Fragen zu meistern.” Und: “Jeder fühlt die Schwäche und Ohnmacht unseres Regierungssystems: Wenn ein Diktator für 10 Jahre möglich wäre - ich würde es wünschen.”

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