1933 - 1939 1934

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Am 30. Juni 1934 warteten die obersten SA-Führer in der Pension Hanselbauer auf Hitler. Der Erwartete kam mit Männern seiner „SS-Leibstandarte Adolf Hitler“. Er warf ihnen ihre Putschabsicht vor und hieß sie Verräter. Bevor sie sich fassen können, werden sie auf bereitstehende Lastwagen gedrängt, die sie ins Gefängnis Stadelheim zur sofortigen Erschießung bringen. Andere SA-Führer verhaftet man bei der Anreise und in Berlin. Dort rechnet man auf gleiche Weise mit Regimegegnern ab. Opfer werden auch Schleicher und seine Frau, sein Geheimdienstchef, Gregor Strasser, Papens Pressechef und Hitlers Gegenspieler von 1923, von Kahr.


Die Mordaktion hatte 83 Tote gekostet. Dazu Hitler im Reichstag: „In dieser Stunde war ich des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr.“ Der Reichspräsident schickte ein Glückwunschtelegramm. Generalmajor von Witzleben, der zehn Jahre später Hitlers Opfer werden wird, bedauerte, dass er nicht mitmachen konnte, und der spätere Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg freute sich, dass der Führer endlich „die Eiterbeulen ausgestochen“ habe. Die Regierung beschloss ein Gesetz, das nur aus einem Satz bestand: „Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni und am 1. und 2. Juli vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens.“ Hitler hatte die innerparteiliche Opposition und einige „Staatsfeinde“ liquidiert, die SS konnte konkurrenzlos weiterwachsen und auch die Reichswehr brauchte die SA nicht mehr zu fürchten.


Hindenburg war schon krank und - wie sein Arzt überlieferte, schon "nicht mehr in der Lage zu verstehen, was wirklich geschah." Am Tag vor seinem Tode hatte die Regierung das "Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches" beschlossen, demzufolge nach Hindenburgs Tod das Amt des Reichspräsidenten auf Hitler übergehen sollte. Deshalb befahl Reichswehrminister Blomberg die Vereidigung der Wehrmacht auf den "Führer des Deutschen Reiches und Volkes".


In der kurzen Zeit seiner bisherigen Kanzlerschaft hatte Hitler die gesamte Staatsführung in die Hand bekommen und das öffentliche Leben in Deutschland vollständig umgewandelt.


In Österreich ist im Juli 1934 das „Dollfuß-Regime“ durch Mord zu Ende gegangen. Regiert hatte Dollfuß mit den Heimwehren, die aus Freikorps und Frontsoldateneinheiten hervorgegangen waren. Einer seiner Führer hatte erklärt: „Wir bekennen uns zu den Grundsätzen des Faschismus.“ Das Parlament hatte sich 1933 selbst ausgeschaltet. Dollfuß  orientierte sich am faschistischen Italien und dessen Führer Mussolini, der einen Ständestaat schaffen wollte, während Hitler die klassenlose „Volksgemeinschaft“ wollte.


Dollfuß kam aus seinem römischen Osterurlaub mit dem Versprechen Mussolinis zurück, dass Italien die Selbständigkeit Österreichs verteidigen werde. So gestärkt, verbot Dollfuß die Kommunisten und ihren Schutzbund und erklärte den deutschen Minister Dr. Frank, der das Alpenland geschmäht hatte, zum unerwünschten Ausländer. Hitler antwortete mit der „Tausendmarksperre“; jeder Deutsche, der nach Österreich wollte, musste 1.000 Mark bezahlen. Das schädigte Österreich, leitete den deutschen Tourismus in eigene Gästebetten und sparte Devisen. Ein Bombenanschlag führte dann zum Verbot der NSDAP in Österreich. Mitte Februar 1934 putschte die österreichische Linke. Es gab rund 350 Tote. Die Sozialdemokratische Partei wurde verboten. Die in München residierende „Österreichische Gauleitung“ aber bildete aus geflüchteten Nazis eine „Österreichische Legion“. Am 25. Juli 1934 drang SS in österreichischen Uniformen in das Bundeskanzleramt ein und Dollfuß wurde tödlich verwundet.


Das „vaterländische“ Österreich war getroffen. Es reklamierte nun das Deutschtum gegen die Ansprüche von NS-Deutschland: „Österreich ist das letzte Bollwerk des deutschen Geistes! Österreich war ein großes deutsches Land, als die Preußen noch kein Wort Deutsch sprachen und Pferdeblut den Heidengöttern opferten! Als in Wien Walther von der Vogelweide sang, war Potsdam ein kleiner slawischer Weiler!“


Der päpstliche Nuntius sprach Hitler die Hochachtung des Heiligen Vaters aus und lobte seine „hingebende Sorge für das Wohl des deutschen Volkes.“ Die Blutspritzer der Schleicher, Kahr, Röhm und Dollfuß waren damit von Hitlers Leumund gewischt.

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