1939 - 1945 1940

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Drei Wochen nach Kriegsbeginn schlug der Erste Seelord Churchill dem britischen Kabinett vor, die norwegische Küste zu verminen und damit Deutschland von der Zufuhr des schwedischen Erzes abzuschneiden. Den Vorwand zu diesem  Unternehmen lieferte den Briten der sowjetische Überfall auf Finnland. Ein Expeditionskorps sollte den Finnen zu Hilfe kommen und bei dieser Gelegenheit Bergen, Narvik und auch die schwedischen Erzgruben besetzen. Hitler hatte den gleichen Plan. Am 8. April lief die Aktion „Weserübung“ an: 200 Schiffe mit Truppen, Waffen, Gerät und Verpflegung verließen mit Nordkurs die deutschen Häfen. Britische Aufklärer sichteten den größten Flottenverband. Die Briten entluden darauf eiligst ihre Kreuzer, die ihre Invasionstruppen bereits an Bord hatten, und fuhren mit voller Kraft den Deutschen hinterher. Zehn deutsche Zerstörer erreichten unbehelligt mit 2.000 Gebirgsjägern Narvik. Auch Dänemark war besetzt worden, doch die Kriegsmarine hatte kaum noch ein heiles Schiff, denn Deutschland war mit nur 13 großen Kriegsschiffen und 27 Langstrecken-U-Booten in den Krieg gegangen. Großbritannien und Frankreich aber hatten 107 große Schiffe, 135 Langstrecken-U-Boote und 7 Flugzeugträger. Deutschland hatte keinen einzigen.


Obwohl um Narvik noch hart gekämpft wurde, meldete der Befehlshaber des Unternehmens seinem Oberbefehlshaber bald: „Besetzung Norwegens und Dänemarks auftragsgemäß durchgeführt.“ Bedenkt man, dass sich der General nach dem Befehlsempfang erst einmal einen Baedeker-Reiseführer hatte kaufen müssen, weil das OKW die erforderlichen Karten nicht hatte, war die Improvisationsleistung beträchtlich.


Um diese Zeit war Frankreich bereits besiegt. Am 15. Mai 1940 hatte Frankreichs Ministerpräsident Reynaud telefonisch dem britischen Premier bekannt: „Wir sind geschlagen.“


In London war das Unterhaus zunehmend enttäuschter von der Kriegführung Chamberlains gewesen. Für das Desaster in Norwegen konnte der Premier gar nichts, dafür war der Erste Seelord verantwortlich. Diesen Winston Churchill wählte das Unterhaus am 10. Mai zum Premierminister Großbritanniens, weil ihm Lord Halifax seine Anwartschaft überlassen hatte. Bereits 1906 war er Regierungsmitglied, als Erster Seelord hatte er die Navy vor dem Ersten Weltkrieg aufgerüstet, war 1915 mit „seinem“

Dardanellenunternehmen gescheitert. Er war als Spross des Herzogs von Marlborough in Blenheim Palace geboren, das sein Urahn, der Kampfgenosse des Prinzen Eugen und Mit-Sieger von Höchstädt, gebaut hatte. Dessen Karriere hatte mit einem noch rechtzeitigen Sprung aus dem Fenster der Mätresse des Königs begonnen.


Im Kielwasser Englands war Frankreich in den Krieg geschlittert. Die Armee war veraltet. Die „schnellen Truppen“ saßen noch zu Pferde, der Großteil der Infanterie ging zu Fuß, und der größte Teil der Artillerie wurde von Pferden gezogen. Die deutsche Kavallerie dagegen war auf Panzer umgestiegen, die deutschen Waffen waren moderner, die Generäle jünger, ihre Streitkräfte beweglicher.


Die französische Generalität setzte seit Verdun auf die Maginot-Linie. Im Norden dieses „uneinnehmbaren“ Bollwerks waren die Berge und Wälder der Ardennen, die Maas war ein zusätzliches Hindernis. Die Deutschen würden auch diesmal durch Belgien nach Nordfrankreich einfallen. Nur dort würden die Panzer schnell vorankommen. Der deutsche Plan sah jedoch anders aus. Sein Angriffsschwerpunkt war das „Loch“ in den Ardennen. Starke Panzerverbände sollten durch das französische Zentrum über Sedan hinauf zur Kanalküste stoßen, das Gros der Franzosen von seinen Verbindungen abschneiden und im Rücken fassen. Die Franzosen hätten sich auf den Angriff vorbereiten können, denn sie waren gewarnt worden. Oberst Oster, Leiter der Zentralabteilung der deutschen Spionage-Abwehr des Admirals Canaris, verriet es dem niederländischen Militärattaché Oberst Sas. Der rief in Den Haag an: „Morgen früh, bei Tagesanbruch, findet es statt.“


Als die Deutschen nach 29 Verschiebungen am 10. Mai 1940 von der Nordsee bis zur Südgrenze Luxemburgs angreifen, inspiziert ein General in der Maginot-Linie Truppen. Plötzlich Granateinschläge. „Was ist denn das? Ein Manöver?“ „Nein, Herr General, die deutsche Offensive!“*


Auf den Einmarsch der Deutschen in Holland und Belgien reagiert Generalstabschef Gamelin so, wie die es sich wünschen. Er schickt 30 Infanterie- und 14 motorisierte Divisionen nach Nordosten. Am 12. Mai meldet ein französischer Aufklärer nach einem Flug über die Maas und die Ardennen überall deutsche Panzer auf dem Vormarsch. Seine Meldung wird nicht geglaubt und deshalb nicht weitergegeben.


Den 137 deutschen Divisionen stehen auf französischer, belgischer und holländischer Seite 131 Divisionen und 7 Brigaden, 3.373 Panzer und 2.372 Flugzeuge gegenüber. Deutsche Luftwaffenverbände greifen sofort Feindflugplätze und rückwärtige Ziele an. Drei Bomber verfliegen sich, halten Freiburg für ihr Ausweichziel und klinken ihre Bomben aus: 57 Tote und 101 Verletzte.


Von den französischen Flugzeugen kommen nur noch wenige hoch. Im Hinterland steht eine Menge Maschinen, aber die Piloten sind vorn. Die französischen Panzer sind zwar den deutschen ebenbürtig, aber von den 4 Panzer-Divisionen sind zwei „nicht sofort verwendungsfähig“, die beiden anderen haben keinen Treibstoff und keine Ersatzteile. Sieben deutsche Panzer-Divisionen brechen durch die Ardennen. Auch die Maas hält sie nicht auf, obwohl die Franzosen 43 Brücken sprengen. Zu spät merken sie, dass der Stoß auf  Sedan zielt. Um Sedan liegen zwei französische Divisionen. Die eine hat die doppelte Artillerie, aber nur ein Viertel der Panzerabwehr- und Fliegerabwehrgeschütze. Bei der anderen sind von 17.000 Mann 7.000 krank oder auf Urlaub.


Obwohl die französischen Artillerie-Beobachter Hunderte von Panzern melden, haben die Batterien Befehl, Munition zu sparen. Die Schlacht um Sedan war am 13. Mai gewonnen, als ein französischer Batteriechef meldete, die deutschen Panzer wären bereits auf den beherrschenden Höhen. Seine Falschmeldung löste eine Massenflucht aus. Einige der Fliehenden kamen bis nach Reims, das rund 100 Kilometer entfernt ist.


Das Prunkstück der belgischen Verteidigung, das Fort Eben Emael, hatte sich gleich am ersten Tag ergeben. Für die Belgier war es ein psychologischer K.o. Die Holländer waren überzeugt, dass sie unbehelligt bleiben würden. Aber die deutsche Luftwaffe benötigte Flugplätze gegen England. Fatalerweise erreichte der Rückruf die 57 He 111 nicht mehr, die Rotterdam anflogen. So warfen sie ihre 91 Tonnen Bomben auf die Stadt. Eine fiel in ein Lagerhaus mit Margarine. Das brennende Fett verursachte einen Flächenbrand, den nicht einmal eine Vielzahl – sogar aus Deutschland – zu Hilfe gekommener Feuerwehren löschen konnte.


Am 17. Mai waren die deutschen Truppen in Brüssel und in St. Quentin, am 18. in Antwerpen und in Cambrai, am 24. in St. Omer und Calais. Drei französische Armeen und das britische Expeditionskorps mit 250.000 Soldaten würden ohne Munition und Verpflegung gezwungen sein, sich zu ergeben. Hitler befahl: „Nächstes Ziel ist die Vernichtung der französischen, britischen und belgischen Streitkräfte.  Während dieser Operation ist es Aufgabe der Luftwaffe, allen Widerstand zu brechen und die Flucht der britischen Truppen über den Kanal zu verhindern.“ Am 24. Mai wollte Guderian mit allen Kräften nach Dünkirchen vorstoßen. Von Rundstedt aber kam der Befehl, alle Panzerverbände anzuhalten, „in völliger ... Übereinstimmung mit“ Hitler erlassen. Der hatte drei Tage zuvor wieder seinem Wunschtraum nachgehangen: „Wir suchen Fühlung mit England auf der Basis der Teilung der Welt.“ Die zweitägige Pause ließ das ganze Expeditionskorps – und dies war auch die ganze britische Armee – aus dem „Kessel“ von Dünkirchen entkommen. Mehr als 300.000 gegnerische Soldaten waren von 848 Schiffen und Schiffchen in Dünkirchen abgeholt worden. Der deutschen Luftwaffe gelang es wegen der vielen kleinen Ziele nicht, die Flucht zu vereiteln.


Am 10. Juni 1940 erklärte Italien dem schon besiegten Frankreich den Krieg. Ministerpräsident Reynaud trat zurück. Marschall Pétain wurde mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Churchill wollte von Pétain mindestens die Fortsetzung des Krieges. Frankreich aber wollte ihn möglichst schnell beenden. Zwar lehnte Gamelin-Nachfolger Weygand den Befehl Pétains zur Feuereinstellung ab, aber nur, um den Politikern das Schandmal der Kapitulation aufzudrücken.


Hitler ersparte es Frankreich nicht, den Waffenstillstand im gleichen Salonwagen im Wald von Compiègne zu unterschreiben, in dem dies 1918 die Deutschen hatten tun müssen. Frankreich wurde bis zur Linie westlich und nördlich Genf – Dôle – Tours – Mont de Marsan – spanische Grenze besetzt, es durfte 100.000 Soldaten behalten. Die französische Regierung residierte im unbesetzten Frankreich im Badeort Vichy.


In London gründet ein französischer General das „Nationalkomitee der Freien Franzosen“. Dieser General de Gaulle sorgt auch dafür, dass die französische Flotte den Deutschen nicht in die Hände fällt. Die Schiffe des britischen Vizeadmirals Somerville, der sich danach selbst als der „große Schlächter von Oran“ bezeichnete, schießen am 3. Juli 200.000 Tonnen Granaten auf das französische Geschwader, das im Hafen liegt. 1.200 Exverbündete sterben, die französisch-britischen Beziehungen sinken auf den Gefrierpunkt. Die französische Bevölkerung lebte dagegen mit den deutschen Soldaten bis gegen das Kriegsende friedlich zusammen.


Hitler hatte gehofft, dass jetzt auch England kapitulieren würde. Er richtet am 19. Juli in einer Reichstagsrede einen „letzten Friedensappell“ an England.


Bereits am 21. Juli 1940 erhält der Oberbefehlshaber des Heeres, von Brauchitsch, den Auftrag, einen Plan für einen Russlandfeldzug auszuarbeiten. Dafür wollte sich Hitler durch die Eroberung Englands erst den Rücken freimachen. Zuvor musste die britische Luftwaffe ausgeschaltet werden. Reichsmarschall Göring war siegessicher. Von Nordfrankreich und Belgien flogen 929 Jäger, 875 Bomber und 316 Stukas (Sturzkampfbomber, H.D.) gegen England. Von Norwegen und Dänemark griffen Langstreckenbomber die Insel an. Die „Luftschlacht um England“ ging verloren. Die Luftwaffe hatte Verluste erlitten, von denen sie sich nicht mehr erholte. Der britische Vize-Luftmarschall Johnson schrieb, Göring „habe den Sieg nur um wenige Meter verfehlt.“ Die Deutschen hätten unter 150 Metern anfliegen sollen. Sie hätten dann vom britischen Radar nicht erfasst werden können. Mitte September 1940 sagte Hitler die England-Landung ab.


Zunächst aber wird Russland eingeladen, dem deutsch-italienisch-japanischen Dreimächte-Pakt beizutreten, der durch Japans Beteiligung zu einer Spitze gegen die USA geworden ist. Die Sowjetunion will den kleinen und den großen Belt, Finnland, den Balkan, obendrein die Dardanellen. Diese Forderungen lassen die Beziehungen umschlagen. Beide Seiten wissen: Man geht auf den Krieg gegeneinander zu.


Die Slowakei und Rumänien waren dem Pakt beigetreten. So hat man Aufmarschgebiete gegen die UdSSR und die Kontrolle über das rumänische Öl. Hitler plant auch, über Rumänien und Bulgarien den Italienern zu Hilfe zu kommen, die in Griechenland eingefallen sind. Währenddessen geht der Bombenkrieg auf deutsche und englische Städte weiter. Bis Ende Oktober gibt es 783 Luftangriffe auf England und 601 britische Angriffe auf Aachen, Essen, Dortmund und Hamburg.


In der Nacht zum 15. November 1940 bombardierten deutsche Flugzeuge Coventry. Es war das Zentrum der britischen Luftwaffenrüstung. Da die 21 Fabriken über die Stadt verteilt waren, wurden auch die Kathedrale und Wohnblocks getroffen. Von den 200.000 Einwohnern sterben 554. "Bomber-Harris", der Vernichter unserer Städte, hat in einem Bericht an Churchill den Zerstörungsgrad mit 5,2 Prozent angegeben. Churchill hatte von dem Angriff gewusst. Coventry wurde dem Angriff jedoch preisgegeben, um die Deutschen nicht merken zu lassen, dass ihr Chiffriersystem „Enigma“ geknackt war.* Seit April 1940 konnten die Briten deshalb im Klartext lesen, was deutsche Kommandostellen befahlen, sie hatten Einblick in deutsche Armeestrukturen und Angriffspläne. Wenn deutsche Flugzeuge den Kanal überflogen, waren britische Abfangjäger schon in der Luft und die Flak-Batterien feuerbereit. Görings Flieger flogen in den fast sicheren Tod. Die Entschlüsselung sparte nach britischer Einschätzung allein in der „Atlantik-Schlacht“ von 1940 bis 1943 „mindestens den Einsatz von 50 U-Booten“. Auch den Nordafrikakrieg gewinnt Montgomery schneller als dies sonst möglich gewesen wäre.


Schon 1940 wissen beide Kontrahenten, dass Deutschland einen totalen Sieg braucht, wenn es den Krieg noch gewinnen will. Stalin hatte sich die baltischen Staaten genommen und drückte auf Rumänien und Bulgarien. Wenn Russland die rumänischen Ölquellen in seine Hand bekäme, hätte es zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Für Deutschland wäre schon dann der Krieg verloren gewesen. Am 29. November 1940 findet deshalb das erste „Planspiel“ des OKH, des Oberkommandos des Heeres, statt. Das „Unternehmen Barbarossa“ hat „Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen“, befielt Hitler. Der Feldzug muss siegreich beendet sein, bevor sich England erholt hat.


Weil Hitler der französischen Vichy-Regierung nicht so wie erwartet entgegenkommt, schwindet deren „Collaboration“. Spanien lehnt einen Kriegseintritt ab. Roosevelt , der zum zweitenmal Präsident der USA geworden war, lässt bereits am 29. Januar 1941 die erste amerikanisch-britische Generalstabsbesprechung in Washington stattfinden.

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