1939 - 1945 1941

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Im Dezember 1940 ist Italien bereits ein Schwerverwundeter. Die britische Offensive in der italienischen Cyrenaika hat nur 133 Tote gekostet, aber 38.000 Mann in Gefangenschaft gebracht. Anfang 1941 wird Italien wieder 40.000 Gefangene verlieren, und das sind noch lange nicht die letzten. Schleunigst muss das X. deutsche Fliegerkorps nach Sizilien und Süditalien verlegt werden. Italien fleht um schnelle Hilfe durch eine Panzerdivision. Es bittet auch um Unterstützung in Albanien.


Damit die Italiener nicht ihr ganzes Nordafrika verlieren, schickt Hitler General Rommel nach Tripolis. Das „Unternehmen Sonnenblume“ des „Deutschen Afrikakorps“ läuft mit nur zwei Divisionen an. Damit seine Streitmacht größer erscheint, lässt Rommel seine Panzer mehrmals durch die Stadt fahren. Er lässt auch Panzerattrappen aufstellen, die die britische Luftaufklärung täuschen. Seinen Einheiten befiehlt er, bei der Fahrt durch die Wüste möglichst viel Staub zu machen.


Ab Anfang März 1941 rücken deutsche Verbände von Rumänien in Bulgarien ein. Die Briten bringen 58.000 Mann nach Griechenland. In Jugoslawien kommt es zu einem antideutschen Staatsstreich. Infolgedessen ergeht Ende März Hitlers Weisung Nr. 25: Blitzkrieg gegen Jugoslawien und Griechenland. Der Russlandfeldzug wird verschoben. Die Sowjets schließen mit Jugoslawien einen Freundschaftsvertrag. Er wird um einen Tag vordatiert, weil der deutsche Balkan-Feldzug am 6. April 1941 begonnen hat.


Die Truppen des Balkanfeldzuges bestanden aus 7 Infanterie-Divisionen, 4 Panzer- und 4 motorisierten Divisionen gegen Jugoslawien und 2 Panzer-, 4 Infanterie-, 2 Gebirgs-Divisionen und einer motorisierten Division gegen Griechenland mit insgesamt 1.200 Panzern und 780 Flugzeugen. Ungarn macht mit einer, Italien mit drei Armeen mit. Jugoslawien hat 38 Divisionen, Griechenland 21, dazu die drei britischen. Nach drei Tagen ist die 2. Panzer-Division in Saloniki, die 1. Panzer-Gruppe in Nisch. Am nächsten Tag rückt die 14. Panzer-Division in Zagreb ein. Sogleich ruft der spätere „Marschall von Kroatien“, Kvaternik, den „Unabhängigen Staat Kroatien“ aus. Die Rache der Kroaten an den Serben, deren Chauvinismus sie seit 1918 ausgeliefert waren, ist blutig. Am 17. April kapitulieren die Jugoslawen, nach weiteren vier Tagen ergeben sich die Griechen.


Doch trotz deutscher Blitzkrieg-Siege war der Krieg fürHitler und Deutschland bereits am 11. März 1941 so gut wie verloren: Die USA verkündeten ihr Leih- und Pachtgesetz. Es gab Roosevelt, der schon zuvor die Vergabe großer Kredite an England ermöglicht hatte, damit es verstärkt aufrüsten konnte, bisher unvorstellbare Vollmachten: „Jeder Nation, deren Verteidigung er für die der Vereinigten Staaten lebenswichtig hält, kann der Präsident verkaufen, überführen, tauschen, mieten, leihen oder schenken – auf welche Art auch immer – jedes zur Verteidigung dienende Instrument, das ihm angemessen erscheint.“ „Wenn ich recht verstehe“, sinnierte ein texanischer Senator, „gestattet dieses Gesetz, den Panzerkreuzer Texas der Sowjetunion zur Verfügung zu stellen.“ Er hatte recht verstanden. England war gerettet, alle Städte des Empire flaggten mit amerikanischen Fahnen. Churchill führte im Morgenrock vor seinem Besucher de Gaulle einen Freudentanz auf. Und auch Stalins Sieg war infolge der zukünftigen Materialströme aus den USA so gut wie sicher. Die USA waren damit in den „undeclared war“, den nicht erklärten Krieg, gegen Deutschland eingetreten.


Währenddessen gehen die Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung weiter. Auch der Handelskrieg auf den Weltmeeren fordert den nassen Tod vieler Seeleute. Von deutscher Seite sieht das ausschnittsweise so aus: Vom 1. bis 7. Mai 1941 werfen 625 deutsche Flugzeuge in fünf Nachtangriffen – tagsüber sind die Verluste zu hoch – 805 Tonnen Spreng- und 100 Tonnen Brandbomben auf Liverpool-Birkenhead. Im Hafen wurden 18 Handelsschiffe mit 35.606 Bruttoregistertonnen (BRT) versenkt, 25 weitere schwer beschädigt. Die Umschlagskapazität des Hafens sinkt dadurch für einige Zeit auf ein Viertel. Am 3./4. Mai werfen 204 deutsche Flugzeuge 237 Tonnen Sprengbomben und 2.667 Brandschüttkästen auf Belfast. Am 5./6. bombardieren 386 Flieger mit 351 Tonnen Sprengbomben und 1.300 Brandschüttkästen Glasgow-Clydeside. 232 Flugzeuge tun es in der Nacht zum 7. Mai nochmals. Bisher sind 5.520 Briten durch deutsche Luftangriffe getötet, 5.207 verletzt worden. Am 9. Mai starten 359 Bomber zum bisher stärksten Angriff der Royal Air Force gegen Hamburg und Bremen. Um die britische Insel auszuhungern und die Zufuhr von Kriegsmaterial zu unterbinden, versenken deutsche U-Boote im Mai im Atlantik 63 alliierte Handelsschiffe mit 349.620 BRT.


Am 10. Mai 1941 springt der „Stellvertreter des Führers“, Rudolf Heß, mit dem Fallschirm bei Glasgow ab, um eine „Friedensmission“ an die Churchill-Regierung heranzubringen. Die deutsche Regierung erklärt ihn für geistesgestört. Am gleichen Tag ein weiteres Menetekel: Der jugoslawische Oberst Mihajlovic erkennt die Kapitulation seiner Staatsführung nicht an. In Südwestserbien beginnt er den Partisanenkrieg, der ganze deutsche Divisionen vernichten wird.


Zehn Tage später bahnt sich eine weitere Katastrophe an. Das Schlachtschiff „Bismarck“ und der schwere Kreuzer „Prinz Eugen“ werden im Kattegatt von den Briten gesichtet. Die britische Admiralität befiehlt die Treibjagd auf das Schlachtschiff. 5 Schlachtschiffe, 2 Flugzeugträger, 13 Kreuzer, 37 Zerstörer und 8 U-Boote werden zur Verfolgung angesetzt. Der Torpedo eines Torpedoflugzeuges zerstört die Ruderanlage. Das gewaltigste aller damaligen Schiffe ist nur noch Zielscheibe. Von seinen 2.221 Seeleuten retten die Briten nur 115 und Oskar, den Bordkater. An diesem Tag haben deutsche Fallschirmjäger die Insel Kreta so gut wie erobert. Die deutschen Verluste waren hoch: 4.000 Tote und 151 Transportflugzeuge.


Am 22. Juni 1941 um 3 Uhr 15 beginnt schließlich der Angriff auf die UdSSR. Von der Ostsee bis zu den Karpathen stürmen 152 Divisionen, 3,4 Millionen Soldaten, Richtung Ost. Das sind 75 Prozent des deutschen Feldheeres.


Stalin war 84mal gewarnt worden.* Auch Churchill nannte ihm das Datum. Er wusste es vom deutschen Geheimdienstchef Canaris, der Verbindung mit dem britischen Geheimdienst hielt. Auch der deutsche Botschafter in Moskau, Graf von der Schulenburg, verriet Stalin auf Umwegen den Angriffstermin.* Als der Angriff losbricht, stehen 17 Millionen Sowjetsoldaten bereit. Gleich in den ersten sechs Wochen machen die Angreifer drei Millionen Gefangene. Bereits am ersten Tag hat die Luftwaffe 1.200 sowjetische Flugzeuge abgeschossen oder zerstört. Am 5. Tag sind Teile der sowjetischen West-Front (sowjetisch "Front" entsprict einer deutschen Heeresgruppe; H.D.) westlich von Minsk „eingekesselt“, andere Truppen werden östlich von Bialystok eingeschlossen.


Stalin hat sich in seine Datscha geflüchtet. Erst eine Woche nach Angriffsbeginn erklärt das Zentralkomitee der KPdSU die Abwehr der deutschen Invasion zum „Vaterländischen Krieg“. „Hitlers Überfall“, schrieb dazu ein Journalist, „gab Stalin die Möglichkeit, den Krieg als Krieg der Verteidigung Russlands, als großen vaterländischen Krieg darzustellen.“ Tatsache ist, dass „im Sommer 1941 der eine Aggressor, Hitler, die letzte Gelegenheit hatte, dem anderen Aggressor ,Stalin, zuvorzukommen.“


Die Sowjetzeitschrift KOMMUNIST WOJORUSCHENNYICH SIL hatte 1990 berichtet, dass „am 15. Mai 1941, dem Tag, an dem der sowjetische Spion Richard Sorge aus Tokio zum zweitenmal meldete, dass die Deutschen in fünf Wochen in die Sowjetunion einfallen würden“, die Generäle Schukow und Timoschenko Stalin ihren Angriffsplan gegen Deutschland vorlegten. Sein Ziel war, die deutschen Truppen „von Warschau und Lublin bis Krakau und Kattowitz zu zerschlagen, Ostpreußen sowie Polen zu besetzen und binnen 30 Tagen bis Oppeln in Schlesien und Olmütz in Mähren vorzudringen, notfalls auch nach Rumänien.“ Stalin hat es Churchill bestätigt: „Ich hätte noch ein halbes Jahr Zeit gebraucht.“*


Da es dazu nicht kam, konnte sich Stalin als Opfer darstellen. „Stalin hat m. E. den Rat seiner Militärexperten, in den deutschen Aufmarsch hineinzustoßen, ausgeschlagen, weil er das Odium des Angreifers vermeiden wollte. Wenn der Krieg schon unvermeidlich war, sollte er von der UdSSR als Verteidigungskrieg deklariert werden können, um den Patriotismus der russischen Massen effektvoll mobilisieren zu können. Trotz enormer Rückschläge hat sich dieses Kalkül als richtig erwiesen.“*


Bereits wenige Tage nach Angriffsbeginn schicken viele Staaten ungebeten Soldaten zum „Kampf gegen den Bolschewismus". Die Vichy-Regierung macht den Anfang mit einem französischen Freiwilligen-Regiment, das zur SS-Freiwilligen-Division „Charlemagne“ anwächst. Nicht nur die in Nordafrika dauernd fliehenden Italiener drängen unter Hitlers Fahnen nach Osten, sondern auch die spanische „Blaue Division“, flämische SS-Freiwillige, Rumänen, Ungarn, Slowaken und Kroaten, dazu mazedonische Muslime, kenntlich an der SS-Uniform mit rotem Fez. Ja sogar die Kosaken der russischen Steppen werden unter dem deutschen General von Pannwitz in Divisionsstärke für Hitler kämpfen. Hitlers „fremde Heere“ werden bald rund eine Million stark sein.* Sogar 800.000 hilfswillige Russen bitten um Gewehre.


In den meisten Kriegen kommen hinter den kämpfenden Truppen schlimmere Elemente. Damals SS-Einsatzgruppen, die Missliebige drangsalierten und die  Ausrottung der Juden einleiteten. Den „Landsern“, wie die Frontsoldaten jetzt genannt werden, wird dieses Russland mit seiner unvorstellbar armen Bevölkerung unheimlich. Der damalige Gefreite und spätere Nobelpreisträger Heinrich Böll, der sich freiwillig in den Krieg gemeldet hatte, schrieb: „Das Erlebnis der Sowjet-Union, egal ob als Nazi oder nicht, war kein gutes Beispiel für den Sozialismus oder Kommunismus.“


Am 3. Juli 1941 schrieb Generalstabschef Halder in sein Tagebuch, der Feind sei bis auf „ganz geringfügige Trümmer erledigt." Doch bereits am 11. August musste er sich korrigieren: „In der gesamten Lage hebt sich immer deutlicher ab, dass der Koloss Russland  von uns unterschätzt worden ist. Wir haben bei Kriegsbeginn mit 200 feindlichen Divisionen gerechnet. Jetzt zählen wir bereits 360.“ Stalin hatte die Wehrmacht-Führung durch seinen Winterkrieg 1939/40 gegen das schwache Finnland, in dem sich die Rote Armee nur mit Mühe zu behaupten schien, getäuscht, denn er hielt einen Krieg mit Deutschland für unvermeidlich. Die deutschen Verluste waren schon jetzt groß: 11,4 Prozent, das waren 83.500 Tote, 287.000 Verwundete, 19.300 Vermisste.


Am 2. Oktober trat die Heeresgruppe Mitte bei strahlendem Herbstwetter zum Großangriff auf Moskau an. Nach Hitlers Weisung sei er „bis zum Einbruch des Winters siegreich abzuschließen“, um „den gesamten Feldzug zu beenden.“ Doch wie stets machte der Herbstregen Russland zu einer Schlammwüste, in der nichts mehr ging. Dann froren LKWs, Geschütze und Panzer fest.


Weil Hitler ihm verbietet, seine Heeresgruppe Süd zurückzunehmen, tritt Generalfeldmarschall (GFM) von Rundstedt zurück. Am 6. Dezember nimmt der Oberbefehlshaber des Heeres, GFM v. Brauchitsch, seinen Abschied. Am 17. Dezember folgt GFM v. Bock, dessen Heeresgruppe Mitte bis auf 30 Kilometer an Moskau herankam. Am 25. Dezember zieht Guderian seine Panzergruppe zurück. Er wird entlassen. Am 29. Dezember zieht ein General seine Division von der Halbinsel Kertsch ab, er wird gefeuert. Das gleiche geschieht Generaloberst Hoepner, der den bedrohten Südflügel der Heeresgruppe Mitte zurückgezogen hat. Am 15. Januar 1942 schließlich lässt sich GFM v. Leeb, Befehlshaber der Heeresgruppe Nord, ablösen; Hitler hat die Absetzbewegung von den Waldai-Höhen nicht gebilligt.

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