1939 - 1945 1943

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Während die Sowjets durch die amerikanischen Hilfslieferungen immer stärker werden, werden die Deutschen immer schwächer. Goebbels schreit im Februar im Berliner Sportpalast vor 15.000 Zuhörern die Frage in den Saal: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Die Masse schreit: „Jaaaaa!“ An diesem Tag kippen in der Münchener Universität die Geschwister Scholl Flugblätter ins Treppenhaus zur „Wiederherstellung der Ehre – Kampf gegen die Partei“. Eine Woche zuvor hatte der Krieg das letzte Aufgebot zu mobilisieren begonnen: Oberschüler über 15 wurden als „Luftwaffenhelfer“ zum Dienst an der Flugabwehrkanone eingezogen, denn amerikanische und britische Bomber greifen fast täglich deutsche Städte an. Auch nach den Mädchen greift der Krieg. Die einen müssen Pulver abwiegen und Granaten füllen, die anderen als „Blitzmädel“ Telefongespräche vermitteln. Der „totale Krieg“ äußert sich auch in Appellen, etwa, Kohle zu sparen.


Am 19. April beginnt im Warschauer Getto ein Aufstand. Von den 360.000 Juden waren bereits 300.000 in das Konzentrationslager Treblinka abtransportiert worden. Soweit die Juden nicht entkommen waren oder sich in Wäldern versteckten, gehen sie ihrer fast vollständigen Vernichtung in den Lagern Maidanek, Treblinka und Auschwitz entgegen. Die Nationalsozialisten hatten 1938 den 32 Mitgliedstaaten der Internationalen Flüchtlingskommission einen Tausch vorgeschlagen: Für 250 Dollar pro Person, sollten die Juden auswandern können. Aber kein Staat, auch nicht die USA Roosevelts, dessen Familie noch mit dem Namen Rosenwald eingewandert war, wollte sie. Als Hitler den Krieg begann, erklärte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, die Juden würden auf alliierter Seite gegen ihn kämpfen.


Seit Sommer 1942 wussten die Alliierten von der Vernichtung der Juden in polnischen KZs. Im Juni  brachte die BBC die schrecklichen Nachrichten. Im Juli kabelte Dr. Rieger, der Vertreter des Jüdischen Weltkongresses in der Schweiz, nach London und Washington, Hitler habe die Vernichtung des europäischen Judentums angeordnet. Warum half niemand? Antwort: „Der wirkliche Grund war der, dass einfach kein Interesse an der Rettung der europäischen Juden bestand.“ „Die meisten Länder hatten Angst, dass man ihnen die Juden auf den Hals schickt. Da war es ihnen lieber, sie wurden umgebracht,“ so Rieger später.* Holland, Belgien und Frankreich lieferten wie selbstverständlich ihre Juden aus. Die Schweiz ließ sie nicht über die Grenze.


Der Warschauer Widerstandschef Feiner trug im November 1942 einem Kurier nach London auf: „Lassen Sie es nicht zu, dass auch nur ein einziger Vertreter der Alliierten sagen darf, er hätte nicht gewusst, dass wir in Polen ermordet werden.“* Die Briten wussten es seit mehr als einem Jahr aus deutschen Funksprüchen. Ihr Informationsministerium schwieg jedoch „wegen der weithin bekannten Vorurteile der Briten gegen Juden.“*


Die deutschen Truppen müssen immer weiter zurück. Dabei hätte Deutschland bereits Frieden mit der UdSSR haben können: Die deutsche Spionage-Abwehr in Stockholm hatte aus sowjetischen Geheimdienstkreisen signalisiert bekommen, die Sowjets wollten über einen Sonderfrieden sprechen. Doch Hitler wollte von Verhandlungen mit den „Bolschewiken“ nichts hören. Damit wurde eine Chance verpasst, die eine völlig andere Entwicklung der Weltpolitik zur Folge gehabt hätte.


Einige der noch vor kurzem hitlertreuen Generäle von Stalingrad gründeten in der Gefangenschaft mit emigrierten Altkommunisten das „Nationalkomitee Freies Deutschland“. Dieses Propaganda-Instrument zur Zersetzung der Wehrmacht hatte aber keinen Erfolg.


Im Mai 1943 ist der Krieg in Nordafrika zu Ende. Die Wehrmacht verliert 130.000 Soldaten. Sie und 120.000 Italiener gehen dem Kriegsende in einer fast gemütlichen Gefangenschaft entgegen. Für das OKW ist es „ein an Größe nur von Stalingrad übertroffenes Unglück“. Für Hitler ist es auch ein politisches: Italien droht umzukippen.


Im Juli landen die Alliierten mit zwei Armeen an der Südküste Siziliens. Dank der „Ehrenwerten Gesellschaft“ ist deren Stammland schnell eingenommen. Die vaterländischen Dienste der Unterwelt dürften zwei Armeen ersetzt haben: Auf Ersuchen des in Sizilien geborenen amerikanischen Mafia-Chefs Lucky Luciano führten der sizilianische Mafia-Chef „Don Caló“ und sein Stellvertreter Russo die 7. US-Armee auf zwei Routen durch das zentrale Bergland. So kam die Patton-Armee in nur sieben Tagen an die Nordküste. Eine der Folgen war, dass die Hälfte der sizilianischen Städte Bürgermeister bekamen, die vom bewaffneten Raub bis zum mehrfachen Mord alles auf dem Kerbholz hatten.*


Der „Große Faschistische Rat“ lässt Mussolini fallen, der italienische König lässt ihn verhaften und ernennt General Badoglio zum Regierungschef. Badoglio verspricht den Deutschen, mit ihnen den Krieg fortzusetzen. Die Deutschen hören aber aus einem Ferngespräch zwischen Roosevelt und Churchill, dass der Waffenstillstand mit Italien bevorsteht. Bejubelt von der Bevölkerung, marschieren deshalb deutsche Truppen in Südtirol ein.


Aus den Räumen Orel und Belgorod sollen zwei Heeresgruppen mit 2.000 Panzern und 1.800 Flugzeugen den sowjetischen Frontbogen um Kursk in einen „Kessel“ verwandeln. Aber die Sowjets kennen den Angriffsplan der Deutschen. Eine Woche später treten sie zur Gegenoffensive an.


Ein Luftangriff zerstörte auch die Versuchsanstalt Peenemünde auf Usedom, wo die „Wunderwaffen“ V1 und V2 entwickelt wurden. Die Riesenraketen, die mit 650 Stundenkilometern nach London fliegen, um die Londoner zu demoralisieren, sollten den Krieg doch noch gewinnen.


Die Briten unterhalten eine Militärmission bei Tito, dessen Partisanen durch die Waffen der kapitulierenden 2. italienische Armee nicht mehr zu schlagen sind. Im September hat Italien kapituliert, am 13. Oktober erklärt es Deutschland den Krieg.


Ende November 1943 dann die Konferenz von Teheran. Man einigt sich im Prinzip über die Aufteilung Deutschlands. Polen soll nach Westen verschoben werden. Seine Ostgrenze soll die ehemalige Curzon-Linie  sein. Churchill schlägt die Oder-Linie als Westgrenze vor. Stalin will mindestens 50.000 deutsche Offiziere erschießen, 4 Millionen Männer für unbestimmte Zeit als Zwangsarbeiter für Russland und die Entindustrialisierung Deutschlands. Er kann von Roosevelt fast alles haben: „Wenn ich Stalin alles gebe, was ich ihm geben kann und von ihm nichts verlange, dann  glaube ich, dass er  mit mir für eine Welt der Demokratie und des Friedens arbeiten wird.“ Für den führenden Politiker der stärksten Weltmacht eine bestürzend schwachsinnige Ansicht.


Während deutsche Truppen Ungarn besetzen, übergibt der „große, alte Herr“ v. Rundstedt Hitler eine Loyalitätserklärung aller Feldmarschälle – wie vor Wallensteins Tod.

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