1939 - 1945 1944

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Katastrophen rundum: Anfang Mai 1944 wird die Krim erobert. Der heiß umkämpfte Monte Cassino in Mittelitalien, das Urkloster der Benediktiner und letzter Sperriegel vor Rom, kann nicht gehalten werden. Die 300.000 jugoslawischen Partisanen sind von den 16 deutschen Divisionen nicht zu besiegen. Rumänien und Bulgarien verhandeln mit den Alliierten über ihr Ausscheiden aus dem Krieg.


In Deutschland erwartet man die Invasion der Amerikaner und Briten. Hitler nimmt an, dass die Landung in der Normandie erfolgen wird. Die Militärs erwarten sie auf dem kürzesten Seeweg, von Calais bis zur Seine-Mündung. Aus einem deutschen Funkspruch wissen das auch die Alliierten. Eisenhower gab am 6. Juni 1944 um 3 Uhr 33 Befehl, die in den britischen Häfen liegende Invasionsflotte auslaufen zu lassen. Fünf Divisionen mit 155.000 Soldaten landen westlich der Seine-Mündung, drei Luftlande-Divisionen unterstützen sie.


Rommels Stabschef will Hitler durch Rommel ersetzen. Deshalb hält er zwei Panzer-Divisionen für seine Pläne zurück. Rommel weiß davon nichts. Er und sein Vorgesetzter Rundstedt erstatten Hitler einen ungeschminkten Lagebericht. Rommel spricht Hitler auf die „notwendig werdende Politik“ an, ohne die im Westen „nichts mehr zu retten“ sei. Am 29. Juni wieder eine Besprechung. Rommel will zur politischen Lage sprechen. Hitler weist ihn aus dem Raum. Einige Tage danach bekommt Rundstedt einen Brief Hitlers, in dem er sich um die Gesundheit des Marschalls sorgt. Der bittet um seine Ablösung. Neuer Oberbefehlshaber West wird v. Kluge.


Rommel ist der Ansicht, dass man sofort mit den Westmächten Frieden machen muss, um dann gemeinsam gegen die Sowjets anzutreten. Das war damals eine weitverbreitete Phantasie, denn die Alliierten hatten ja in Casablanca beschlossen, Deutschland bis zur bedingungslosen Kapitulation zu bekämpfen.


Am 20. Juli 1944 explodiert zu Füßen Hitlers eine 975-Gramm-Bombe. Der Bombenleger ist Oberst Graf Stauffenberg, Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres. Warum gerade Stauffenberg, der bis weit in den Russlandfeldzug hinein begeisterter Hitler-Anhänger gewesen war? Erst als die deutschen Greuel ruchbar wurden, fragte er: „Findet sich denn im Führerhauptquartier kein Offizier, der das Schwein mit der Pistole erledigt?“ Nein, es „fand sich unter den Zehntausenden Offizieren und Tausenden Generälen kein anderer, der den Willen und den Mut dazu gehabt hätte.“


Weit erstaunlicher jedoch, wenn es wirklich so war: "Heinrich Himmler wusste monatelang vorher von der Tätigkeit der Verschwörer, - und er schritt nicht gegen sie ein, sicherlich aus Gründen, die auf seiner Linie lagen, ... ."


Stauffenberg fliegt nach Berlin zurück und berichtet seinen Mitverschwörern, er habe gesehen, wie man Hitler hinausgetragen habe. Darauf gehen die Befehle zum Militärputsch hinaus. Aber Hitler lebt. Wem Beteiligung an der Verschwörung nachgewiesen werden kann, wird erschossen oder gehängt. „Und hätten überhaupt viel mehr mitgemacht? Der Eid auf Hitler, an den sich die Mehrzahl der Offiziere gebunden fühlte, aber auch blinde Hingabe an Hitler machten die Verschwörer von vornherein zu absoluten Außenseitern der deutschen Soldaten-Gesellschaft.“* So gingen sie „einsam zur Richtstätte, beschimpft und ausgestoßen aus der ‚Volksgemeinschaft‘“. Denn für die überwiegende Mehrheit der Deutschen hatte dieses Attentat damals den „Ruch des Hoch- und Landesverrates“. Andere waren realistischer: "Wir hassten und verachteten Stauffenberg nicht wegen seiner Tat, sondern wegen seines Misserfolges."*


An der Spitze des „anderen Deutschland“ sollte als Reichskanzler Carl Goerdeler stehen. Auch sein Programm war die Revision des „Versailler Diktats“. Es waren so genannte nationale Ziele; die Verschwörer hatten sie wie Hitler und wie die meisten Deutschen. Die Verschwörer wollten ein absolutistisches System. Es gab dann noch den „Kreisauer Kreis“, „ein Debattierklub höchst gescheiter und sensibler Persönlichkeiten“*, der sich auf dem Gut des Grafen Moltke traf. Gewaltsamen Umsturz aber oder gar Tyrannenmord lehnten die meisten „Kreisauer“ ab. Es charakterisiert diese „Honoratioren-Widerständler", dass einer in sein Tagebuch kalauerte: „Ick will lieber an den Endsieg jlooben, als ohne Kopp rumloofen.“ Die Männer des „Widerstandes“ wiegten sich nicht anders als Hitler in der Illusion, die Westalliierten müssten der Wehrmacht den Rücken freihalten und sie stärken für den „Endkampf“ gegen die Sowjets. Auch sie nahmen einfach nicht zur Kenntnis, dass sich die Alliierten verschworen hatten, mit keiner deutschen Regierung zu reden. Für die Gegner gab es keine „guten“ Deutschen. Vom deutschen „Widerstand“ wollten sie nichts wissen.


Ohne zu den Verschwörern zu gehören, brachte das Attentat dem populärsten Soldaten den Tod. Rommel hatte nie im Sinn gehabt, Hitler umzubringen. Aber man hatte ihn belastet. Hitler schickte ihm zwei Generäle mit Gift. Rommel bekam ein Staatsbegräbnis.


Von Osten, Westen und Süden rückten die Gegner weiter auf die deutschen Grenzen zu. Hitler und viele Deutsche glaubten noch immer an ein Wunder. Die neueste „Wunderwaffe“ ist ein Jagdflugzeug mit Raketenantrieb, die Me 163 B. Schon vor dem Krieg war das damals schnellste Flugzeug, der Urahn aller Jets, fertig gewesen; die Heinkel He 178.


Über die schwergeprüften Polen bricht eine weitere Katastrophe herein. Ihre Heimatarmee versucht zwischen August und Oktober 1944 den Aufstand hinter der deutschen Front. Für die Polen ist es selbstverständlich, dass die Sowjets sie befreien. Doch die schauen – nur durch die Weichsel getrennt – zu, wie die SS den Aufstand niederkämpft. Stalin hat damit gleich drei Fliegen geschlagen: Die SS hat die Polen dezimiert, die Polen die SS, und er hat seine Soldaten geschont.
Währenddessen verhängt der „Volksgerichtshof“ in Berlin unter seinem Präsidenten Freisler, der 1917 bolschewistischer Kommissar in der Ukraine gewesen war, gegen die Männer des 20. Juli in Schauprozessen Todesurteile.


Rumänien wechselt im August 1944 die Front. Die Wehrmacht muss deshalb Griechenland, Albanien und große Teile Jugoslawiens überstürzt räumen. Die Alliierten landen zwischen Cannes und Toulon, Hitler lässt Südfrankreich räumen. General v. Choltitz übergibt gegen den Befehl Hitlers Paris kampflos den Alliierten. General de Gaulle, französischer Exil-Regierungschef, kann am 25. September 1944 in die unzerstörte Hauptstadt einziehen.


Roosevelt und Churchill konferieren in Quebec über Deutschland nach dem Krieg. Es ging außerdem um Pläne des US-Finanzministers. Henry Morgenthau Junior hatte sich „einige aparte Rachegedanken einfallen lassen: Er wollte die deutschen Kinder ihren Eltern wegnehmen“ "und die Deutschen einfach zu einer Nation von Kleinbauern machen.“ Er wollte die Kohlengruben, Stahlwerke und Chemiewerke stillegen.* Diesen Plan unterschreiben Roosevelt und auch Churchill, weil er einen Sechs-Milliarden-Dollar-Kredit haben wollte.

Roosevelt nahm seine Zustimmung wieder zurück, weil er seine Wiederwahl gefährdet sah. Die Verwirklichung des Morgenthau-Planes hätte nämlich bedeutet, „zwischen 15 bis 30 Millionen Menschen  auszuhungern.“* Doch im Grundsatz war sich der US-Präsident mit Morgenthau einig: „Wir müssen hart mit Deutschland umgehen, und ich meine die Deutschen, nicht nur die Nazis. Entweder müssen wir das deutsche Volk kastrieren oder ihm so eine Behandlung verpassen, dass es nicht weiter Nachwuchs zeugen kann". Das meinte er durchaus ernst, deshalb plädierte er mehrmals für Massenkastration der Deutschen. Roosevelt und Churchill wollten ursprünglich auch jeden Nazi und jeden "ab Major erschießen lassen, viele Tausende von wirklichen oder angeblichen Kriegsverbrechern sollten sterben."


Angesichts solcher Pläne fand es selbst US-Generalstabschef Marshall verständlich, dass die deutschen Soldaten trotz freundlicher Aufforderung per Lautsprecher, sich zu ergeben, weiterkämpften. Dabei sollte der „Deutsche Volkssturm“ mithelfen – alle waffenfähigen Männer von 16 bis 60. Aber jeder sieht, dass Rheumatiker und Halbwüchsige nichts mehr retten werden, denn Mitte Oktober haben die Amerikaner Aachen eingekesselt und die Sowjets sind in Ostpreußen. Kommissare und Propagandisten, an ihrer Spitze der Sowjet-Dichter Ilja Ehrenburg, hatten ihnen eingehämmert: „Wenn Du an einem Tag keinen Deutschen getötet hast, ist dieser Tag verloren.“ Und: „Wenn Du einen Deutschen getötet hast, töte noch einen – es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen.“*


Im Westen bricht am 3. Dezember die 3. US-Armee bei Saarlouis in den Westwall ein, am 13. wird Rastatt von US-Artillerie beschossen. Drei Tage danach das „Unternehmen Herbstnebel“, die deutsche „Ardennen-Offensive“: Zwischen Monschau und Echternach in Nord-Luxemburg greifen 250.000 Landser mit 970 Panzern an. Hitler hatte befohlen: „Ziel der Operation ist, durch Vernichtung der feindlichen Kräfte nördlich der Linie Antwerpen-Brüssel-Luxemburg eine entscheidende Wendung des Westfeldzuges und damit vielleicht sogar des ganzen Krieges herbeizuführen.“ Der Befehlshaber der US-Truppen in Nordfrankreich, Bradley, wundert sich: „Wo zum Teufel nimmt der Hundesohn (Hitler; H.D.) nur die Soldaten her?“ Nach vier Tagen schwindet der Nebel, der die Offensive verschleiert hatte. Jetzt schießen sie die amerikanischen Flieger zusammen.

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