1948 - 1965 1950

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Adenauer trieb deshalb den Anschluss der Bundesrepublik an die westliche Staatenwelt energisch voran: Am 15. Juni 1950 beschloss der Bundestag den Beitritt der Bundesrepublik zum Europarat. Dieses Bündnis soll zehn westeuropäische Staaten zusammenschließen. Deutschland gegenüber waren solche Erklärungen kaum mehr als schöne Worte. Sicher wäre das noch lange so geblieben, wären nicht zehn Tage später die kommunistischen Nordkoreaner, Chinesen und 70.000 sowjetische Luftwaffensoldaten in chinesischen Uniformen* in Südkorea eingefallen. Dieser Korea-Krieg machte West-Deutschland schlagartig „vom zögernd geduldeten Mitläufer zum unentbehrlichen Partner der westlichen Welt“.


Churchill, jetzt britischer Oppositionsführer, regte im August 1950 eine europäische Armee mit deutscher Beteiligung an. Adenauer fordert deutsche Verteidigungstruppen als Gegengewicht zur sowjetzonalen „Kasernierten Volkspolizei“. Der US-Hochkommissar McCloy antwortet, die Selbstverteidigung könne den Deutschen nicht verwehrt werden. So beschließen die Außenminister Acheson, Bevin und Schuman im September 1950 die Aufstellung europäischer Streitkräfte mit deutscher Beteiligung. Gleichzeitig wird eine neue Politik gegenüber der Bundesrepublik angekündigt.


Adenauer hatte ein Memorandum zur „Sicherheitspolitik“, richtiger: zur Wiederbewaffnung, den Hohen Kommissaren überreicht, ohne sein Kabinett auch nur zu informieren. Innenminister Heinemann trat zurück. Wie er, protestierten Hunderttausende gegen die Wiederbewaffnungspläne mit der Parole „Ohne mich“. Viele sagten es sogar wie Götz von Berlichingen.


Im Mai 1950 hatte Adenauer – noch heimlich – im Kanzleramt einen „Berater des Bundeskanzlers in Sicherheitsfragen“ installiert. Im Spätjahr wurde im Eifelkloster Himmerod das Konzept für die Bundeswehr erarbeitet: 12 Divisionen sollten in die Streitkräfte des Westens integriert werden. Während die Gewerkschaften und die SPD gegen die Wiederbewaffnung Front machten, eskalierte der Korea-Krieg fast zum dritten Weltkrieg. Gleichzeitig begann die DDR ihre Volkspolizei in Militär umzuwandeln. Das wiederum ist Wasser auf die Mühlen der Befürworter der westdeutschen Wiederbewaffnung. Doch DIE ZEIT warnte: „Wenn wir aber den Kopf hinhalten, dann nur, wenn wir vorher genau wissen, wofür. Die ... Verteidigung Europas wird erst durch den deutschen Beitrag ermöglicht, da der der anderen Mächte ... unzureichend ist. Somit fällt Deutschland die Verantwortung zu, die Größe und Art seines Beitrags so zu bestimmen, dass Deutschland mit verteidigt werden kann.“ Da die Grundgesetz-Macher dekretiert hatten, dass „niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden darf“, war jetzt für die, die nicht schießen wollten, ein Gesetz zur Kriegsdienstverweigerung erforderlich.

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