1948 - 1965 1961

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Ulbricht setzt die Ostblockländer mit der Ankündigung unter Druck, dass die DDR die Lieferungen an die Paktstaaten einschränken würde. Ulbricht: „Wir müssen die Fluchtlöcher in West-Berlin verstopfen." Mitte Juni 1961 spricht er zur Korrespondentin der FRANKFURTER RUNDSCHAU erstmals von der „Mauer“. Das soll eine Massenflucht provozieren, die Chruschtschow zur Zustimmung zwingen soll.


Der hatte sich wenige Tage zuvor mit Amerikas neuem Präsidenten Kennedy in Wien getroffen. Er wollte den Neuling das Fürchten lehren: Er werde mit der DDR einen Friedensvertrag abschließen und West-Berlin werde "Freie Stadt". Im übrigen: „Ich wünsche den Frieden. Wenn Sie allerdings einen Atomkrieg wollen, können Sie ihn haben.“ Dem Präsidenten machen seine Berater klar: Chruschtschow brauche einen Prestigeerfolg. Zudem spiele der Wahlkampf in der Bundesrepublik eine wichtige Rolle.


Am 13. August 1961, einem Sonntag, lässt ab 2 Uhr nachts Ulbrichts FDJ-Führer Honecker das berüchtigtste Bauwerk der Zeit errichten: die Berliner Mauer. Auf 46 Kilometer Länge trennt sie die 2,3 Millionen West-Berliner von einer Million Ost-Berlinern. Scharfschützen mit Machinenpistolen und scharfe Hunde bewachen sie. Die Deutschen sind geschockt. Der urlaubende US-Präsident erfährt es auf seiner Jacht, 17 Stunden nachdem Ost-Berlin dicht gemacht worden war. Willy Brandt, der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, ist auf Wahlreise. Die USA fühlen sich nicht betroffen. Am Abend ulkt im Ostberliner Fernsehen ein Kommentator: „Haben Sie gehört, dass Brandt die Alliierten zu Hilfe gerufen hat?“ Antwort: „Ja, ich schon, aber die Alliierten nicht.“


Eine Reporterin bedrängt Kennedy: „Mister President, in Berlin wächst der Verdacht, dass Sie die West-Berliner verkaufen wollen.“* Kennedy schickt den Luftbrückengeneral von 1948, Clay, und auch seinen Vizepräsidenten nach Berlin. Ende Juni im Jahr darauf kommt Kennedy selbst. Es ist der begeistertste Empfang, den er erlebt hat. Dann seine Rede: „Vor 2000 Jahren war der stolzeste Satz, den ein Mensch sagen konnte: Ich bin ein Bürger Roms! Heute ist der stolzeste Satz, den man in der freien Welt sagen kann: Ich bin ein Berliner!“ Ins Manuskript hatte er es sich phonetisch eingetragen: Ish been oin Bear-lee-nar.* Die Menge geriet außer sich.


Rund 2,6 Millionen hatten die DDR zwischen ihrer Gründung 1949 und dem Berliner Mauerbau im August 1961 verlassen.* Ostdeutschland hatte bestens qualifizierte Arbeitskräfte verloren, ein volkswirtschaftliches Desaster. Der sowjetisch-sozialistische Staat war dann fast dreißig Jahre das Gefängnis der Ostdeutschen. Wer daraus entfliehen wollte, wurde niedergeschossen. Es waren mindestens 900, die an der Grenze starben. Ein ZEIT-Leser schrieb später: „Allein den Deutschen blieb es vorbehalten, die Teilung – wenn schon – dann mit deutscher Gründlichkeit zu vollziehen. Aus Landsleuten wurden so ... Ausländer“.


Der Berliner Mauerbau hatte auch den Bundestagswahlkampf von 1961 beeinflusst. Adenauer wurde sein mangelndes Berlin-Engagement verübelt. Deshalb verliert die CDU/CSU die absolute Mehrheit. Es hatte eine Koalitionsaussage der FDP gegeben: mit der CDU, aber ohne Adenauer. Man trifft sich in der Mitte: Der Kanzler kann es noch die halbe Amtszeit bleiben.

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