1948 - 1965 1963

postheadericon 1963

Das fünfte Adenauer-Kabinett hatte Risse. Die Bürger empfanden es als Entspannung, als Adenauer nach 14 Regierungsjahren das Kanzleramt verließ. Ludwig Erhard, das personifizierte Wirtschaftswunder, wurde Kanzler. Doch obwohl sich Viele über Adenauers autoritären Führungsstil beschwert hatten, vermissten sie beim neuen Kanzler bald den klaren Regierungsstil. Hatte man Adenauer als „Gaullisten“ etikettiert, war für Erhard die USA das Vorbild, er war „Atlantiker“. So geriet er mit seiner Politik in die wachsenden Spannungen zwischen Frankreich und die USA.


Anfang 1963 hatten Adenauer und de Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag geschlossen. Er begräbt die rund tausendjährige „Erbfeindschaft“. Er löst jedoch nicht überall Freude aus, denn de Gaulle ist anti-britisch und anti-amerikanisch. Er lehnt den Beitritt Englands zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ab und er stellt sich auch gegen die Führung Europas durch die USA. Sein „Europa der Vaterländer“ beansprucht freie Hand für seine Führung.


Erhards erste Auslandsreise geht nach Amerika. Der neue US-Präsident Johnson – Kennedy war einen Monat zuvor ermordet worden – macht ihm klar, dass ein zu enges Bündnis zwischen Bonn und Paris nicht vernünftig sei. Washington will die NATO gestärkt sehen, de Gaulle ist gegen sie und gegen Washingtons Militärkonzept. Den Deutschen in Ost und West hätte es egal sein können, ob sie durch wenige Atombomben oder durch große Panzermassen und infernalischen Artilleriebeschuss ausgelöscht worden wären.


Diese Gegensätze spalten auch die CDU/CSU in US-Anhänger und Frankreich-Befürworter. Kanzler Erhard konnte seine Partei nicht einigen. Auch innenpolitisch blieb er glücklos. Der deutsche Bauernverband rechnete ihm Einkommensverluste von 1,1 Milliarden DM vor, so dass Erhard alle Einkommensverluste zu ersetzen versprach. Dieses Hick-Hack strapazierte die deutsch-französischen Beziehungen, und es führte zum Prestigeverlust Erhards. Er warb ständig um Harmonie und forderte zum „Maßhalten“ auf. Das langweilte die Bundesbürger. Der Erhard, der ihnen das  Wirtschaftswunder in ihre Nachkriegs-Trümmerwelt gezaubert hatte, erfüllt die Erwartungen, die sie in ihn als Kanzler setzen, nicht. Sie wollen nicht „maßhalten“, sie erwarten immer mehr Wohlstand.


Obwohl der Krieg nun schon fast zwanzig Jahre zu Ende ist, wirkt die Vergangenheit weiter. Seit 1964 läuft in Frankfurt am Main der Auschwitz-Prozess. Vor der Weltöffentlichkeit werden die Verbrechen in den Konzentrationslagern verhandelt. Israel nutzt die Stimmung. Die Bundesrepublik muss Waffen an Israel im Wert von 200 Millionen Mark liefern. Das Abkommen war auf amerikanischen Druck zustandegekommen. Es war so geheim, dass „der Alte“ es selbst dem Parlament verheimlicht hatte. Das Waffengeschenk war wohl die Bedingung für das Zustandekommen diplomatischer Beziehungen mit Israel. Am Tag, an dem die Beziehungen aufgenommen wurden, brachen der Irak, Ägypten, Algerien, Syrien, Saudiarabien, Kuweit, der Jemen und Jordanien ihre Beziehungen zur BRD ab. Das bis dahin gute Verhältnis zur arabischen Welt hat sich nie mehr völlig wiederhergestellt.


Ost-Deutschland nutzte diese Situation. Auf Einladung des ägyptischen Präsidenten kam Ulbricht und bot Wirtschaftshilfe an. Der feindliche Bruder kam überall dort hinein, wo die BRD hinausgeflogen war. Konsequent steigert sich die DDR in die Rolle des Helfers der Armen in der „Dritten Welt“, in den Entwicklungsländern.

zurück weiter