1948 - 1965 1965

postheadericon 1965

Die „Hallsteindoktrin“ , mit der die Bundesrepublik versucht hatte, sich als einziger deutscher Staat darzustellen und der DDR den Anstrich der Unrechtmäßigkeit zu verpassen, war unwirksam geworden. Als die BRD 1955 in Moskau neben dem DDR-Botschafter auch ihren Botschafter installieren musste, hatte die Bundesregierung erklärt, sie werde die diplomatischen Beziehungen zu allen Staaten abbrechen, die die DDR anerkennen würden. Jetzt wurde offenbar, wie wenig außenpolitischen Spielraum die BRD hatte. Außenminister Schröder relativierte deshalb 1965 die Doktrin: Da kommunistische Staaten mit diplomatischen Beziehungen zur DDR „geboren“ seien, seien sie akzeptabel. Gleichzeitig errichtete er in diesen Staaten Handelsmissionen. Es war ein erster Schritt zur Normalisierung.


Die Wähler sahen 1965 zu Erhard keine Alternative. Deshalb wählten sie ihn wieder. Vor der Wahl hatte er viel versprochen. Danach musste er viel zurücknehmen. Die Wirtschaftslage war labil, der Staatshaushalt vom Bankrott bedroht, es gab eine Kohlekrise und eine Stahlflaute. Die Sozialreform stockte, die Subventionen wucherten weiter, die Koalitionspartner stritten. Sogar in der CDU/CSU herrschte Uneinigkeit. Erhard aber ließ die Dinge treiben. Deshalb wurde die SPD in Nordrhein-Westfalen, im bevölkerungsreichsten Bundesland, erstmals stärkste Partei. Sie zog die FDP auf ihre Seite. Auch im Bundestag wandte sich die FDP gegen den Koalitionspartner. Das Ende der langen CDU/CSU/FDP-Koalition war gekommen, damit auch das eigentliche Ende der Adenauer-Zeit. Ludwig Erhard trat Ende November 1966 zurück.


Dank Adenauer hatte die nun allseits unbestritten demokratische Bundesrepublik Deutschland ihr westlich-europäisches Lebensgefühl mit seiner Kultur wiederfinden und weiterentwickeln können, und sie war auch wieder wer! Im östlichen deutschen Staat, in der Deutschen Demokratischen Republik, der DDR, war fast alles anders. Ihre Menschen lebten in einem anderen Wirtschaftssystem, in einer anderen Zivilisation, sie wurden in einer despotischen Unkultur gefangengehalten. „Der wesentliche Unterschied“, schrieb der Kabarettist Werner Fink, sei: „In der östlichen Demokratie schafft sich der Staat die Menschen, die er braucht, in der westlichen schaffen sich die Menschen den Staat, den sie brauchen.“

zurück