1966 - 1988 1969-1970

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Als 1969 der Bundespräsident in Berlin gewählt werden sollte, sperrte die DDR die Durchreise für die Wahlmänner. Brandt wollte aber mit den DDR-Oberen ins Gespräch kommen. Mit DDR-Ministerpräsident Willi Stoph traf er sich im März 1970 in Erfurt. Als Brandt ankam, hatte sich eine große Menschenmenge versammelt. Die Menge blieb, nachdem die beiden das Hotel betreten hatten und rief nach Brandt. So trat er auf den Balkon, und die Begeisterungsrufe steigerten sich zum Tumult. Das DDR-Regime konnte eine derartige Beifallskundgebung für den Kanzler des verhassten Bruderstaates nicht zulassen. Man setzte daher Volkspolizei ein, um die Massen zu zerstreuen. Dann stellte man eine Mädchengruppe vor das Hotel, die schrie: „Forderung an Willy Brandt! Die DDR wird anerkannt!“ Der musste sich sagen lassen, die BRD sei die Nachfolgerin des Hitler-Staates, sie plane Angriffe auf die DDR. Ihre wirtschaftlichen Sanktionen hätten die DDR um 10 Milliarden beraubt. Die Stoph-Rede brachte die DDR-Presse ungekürzt, während die Brandt-Rede gar nicht erwähnt wurde. Auch das zweite Treffen im Mai verlief ergebnislos. Die Opposition griff deshalb die Ostpolitik Brandts schwer an. Sie hatte einen großen Teil der Westdeutschen hinter sich.

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