1966 - 1988 1983

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1983 demonstrieren 1,3 Millionen der Friedensbewegung gegen die Nachrüstung. Doch der Bundestag billigt die Stationierung amerikanischer Pershing-II-Raketen in der BRD. Darauf kündigt die UdSSR die Aufstellung neuer Kurzstreckenraketen in der DDR und der Tschechoslowakei an.


Nun waren auch „Die Grünen“ im Bundesparlament. Sie sind eine bunte Truppe aus Spontis, ehemaligen Mitgliedern kommunistischer Splittergruppen, Umweltschützern und Anti-Atom-Aktivisten. Sofort starten sie den Frontalangriff gegen die ganze Gesellschaft. Mit ungebührlichem Auftreten verletzten sie die „Würde des Hauses“, des Bundestages, oft und gern. Schon äußerlich wollen sie anders sein. Rollkragenpullover oder offenes Hemd ohne Krawatte ist Weltanschauung. Ihr Programm fordert den „Umbau der Industriegesellschaft zur Überwindung der Erwerbslosigkeit, Armut und Umweltzerstörung“. Sie wollen die Vergesellschaftung wichtiger Produktionsbereiche, Umverteilung der Arbeit, Aufbau ökologischer Industrien, Ausstieg aus der Kernenergie, keine Rüstung. Sie wollen landwirtschaftliche Kleinbetriebe, außerdem eine Grundrente zum Schutz gegen Altersarmut. Die Mehrheit der Wähler hielt sie wegen ihrer ständigen Streitereien für nicht politikfähig. Ihre aggressive Realitätsferne schüchterte jedoch nicht selten ein oder färbte auf bisher normal Urteilende ab. So erzielte Mainz 2004 einen bundesweiten Lacherfolg, als es zwölf Feldhamster für 2,7 Mio Euro umsiedeln ließ; für fast 159.000 Euro pro Tier.


Die erste rot-grüne Koalition gab es 1983 in Hessen. „Joschka“ Fischer wurde erster "grüner" Minister im Kabinett Börner, „Dachlatten-Börner“ genannt, weil der frühere Maurer mit Blick auf die Grünen gesagt hatte, „Ich bedaure, dass mir mein hohes Staatsamt verbietet, den Kerlen selbst eins in die Fresse zu hauen. Auf dem Bau hat man solche Dinge mit Dachlatten erledigt!“* "Joschka", der es noch zum Bundesaußenminister und Vizekanzler bringen wird, brachte es auch zeitweise zum beliebtesten deutschen Politiker. Das kam zum guten Teil vom Stil seines Politik-Machens. So etwa, als sein Zwischenruf dem Bundestagspräsidenten vor dem Plenum verkündete: "Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch, Herr Präsident!"


Was er um diese Zeit sonst noch sagte, offenbarte nicht nur seinen eigenen "sündenstolzen deutschen Selbsthass", sondern den der 68er und der nachfolgenden Apo. Ein Journalist erklärt es: "Die ganze Wahrheit ist, dass es dieser so genannten Protestgeneration gar nicht um die Sühne für die Nazi-Verbrechen ging, sondern um Sozialismus, um Umsturz der Verhältnisse, um Herrschaftsfreiheit und Rock 'n' Roll - nachweisbar spielte der Holocaust für die Generation Dutschkes, das lässt sich nachlesen, eine völlig untergeordnete Rolle. Und dann hatte man kapiert, dass die Kollektivschuld der Väter eine unglaublich wirksame Waffe in der politischen Auseinandersetzung war, und man ... hielt diese moralische Keule fest im Griff, ..., denn sie war nützlich."


Nun kann man entschuldigen, dass der Autodidakt und Straßenkämpfer, der in Frankfurt die den Staat verteidigenden Polizisten geprügelt hatte und deshalb als Grundstein unserer Demokratie Auschwitz ansah, es nicht besser wusste. Aber schämen müssen auch wir Deutsche uns, dass wir uns solche Politiker gewählt hatten. Noch bis vor kurzem war unsere Polit-Szene "vollgestellt mit federnden Ich-schäme-mich-für Deutschland-Aktivisten." Dazu ist leider auch ein Bundespräsident zu zählen, der, gefragt, ob er Deutschland liebe, sein Land verleugnete, das er mit Patriotismus hätte repräsentieren müssen. Statt dessen flüchtete er sich in eine gar nicht gefragte Antwort: "Ich liebe meine Frau." Solchen Patriotismus-Pigmäen kann man nur das Statement entgegenhalten, das der genannte Journalist selbst in den schäbigsten Schulen Harlems immer wieder gehört hatte: "I am proud to be American."


Doch wenden wir uns besser anderem zu, das die Welt für eine kurze Zeit auf eine bessere Zukunft hoffen ließ:

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