1989 - 2009 1992

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Hatte es bisher nur einen Links-Terrorismus gegeben, so schleudern jetzt arbeitslose Rechtsradikale Brandsätze gegen Asylantenheime. Ende November 1992 starb in Mölln eine Türkin mit ihren beiden Töchtern. Ihr Begräbnis wurde zu einer Kundgebung gegen Ausländerfeindlichkeit. Die Türkei schickte eine Politikerabordnung, um zu protestieren, der Jüdische Weltkongress erwog, Deutschland zu boykottieren.


Rechte Gruppierungen wurden verboten, die Gerichte verurteilten die Straftaten. Während die Terroristen der „Rote-Armee-Fraktion“ der vergangenen zwanzig Jahre ihre Verbrechen generalstabsmäßig planten, nicht nur geheime Wohnungen hatten, sondern auch bei Gesinnungsgenossen in Italien, Frankreich oder im Jemen untertauchten, die in Palästinenserlagern und in der DDR mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet worden waren, waren diese Verbrecher sofort zu fassen. Sie waren schon äußerlich an ihren kahlen Schädeln, ihren Hakenkreuz- und SS-Runen-Tätowierungen erkennbar. Man konnte sie sofort aus ihren Vereinslokalen holen und Schlagstöcke, Messer und Hitlerbilder gleich mitnehmen.


Um gegen Ausländerfeindlichkeit zu demonstrieren, fanden sich an vielen Abenden in allen größeren Städten Zehntausende zu Lichterketten zusammen. Im Frühsommer 1993 wieder türkische Todesopfer eines Brandanschlages in Solingen. Wiederum heftige Proteste aus allen Bevölkerungskreisen und Sympathiekundgebungen für die hier lebenden Türken. Wiederum schärfste Anschuldigungen seitens der Türken und der türkischen Regierung. Ungeachtet der Tatsache, dass allein am Tag von Solingen die Türken im Vollzug ihrer Unterdrückungspolitik 70 Kurden umbringen, fordert man von Deutschland einen wirksamen Schutz der Türken, ihr Botschafter und unsere FDP fordern die doppelte Staatsbürgerschaft für sie. Das Begräbnis der fünf Frauen gleicht einem Staatsakt.


2000/2001 streben rechte Gewaltakte einem neuen Höhepunkt zu, besonders in Ostdeutschland. Ein Grund ist dort wohl die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die daraus folgende Perspektivlosigkeit. Andere sprechen vom Gefühl mangelnder Geborgenheit. Zweifellos hat unsere Gesellschaft diesbezüglich Handlungsbedarf.- Immer wieder die Anschuldigung des Fremdenhasses aus dem In- und Ausland. Unsere  Beteuerungen, dass es nicht mehr sind als in anderen Ländern auch, dringen da nicht durch. Dabei kann jeder sehen, dass manche Deutsche auch gegen Deutsche gewalttätig sind. Die „Chaos-Tage“ der Punks beispielsweise bringen Hannover 1995 in den Ausnahmezustand: Halbwüchsige in zerfetzten Jeans und Springerstiefeln mit regenbogenfarbigen Haaren oder Irokesenschnitt schleudern Pflastersteine und Molotow-Cocktails, plündern Geschäfte und liefern der Polizei Straßenschlachten mit 400 Verletzten.


Nein, Fremdenhass ist kein deutsches Nationalübel. Aber immer größere Fremden-Massen, die wohl kaum „unsere Renten sichern und unsere Produktivkräfte stärken werden“*, die auch nicht integriert werden können, machen Angst. In Tiergesellschaften werden „Andere“ nicht einmal eingelassen. Diese Ur-Ängste sind auch in menschlichen Gesellschaften gegenwärtig. Man hat geulkt, wenn fünf Fremde zu einem Urwald-Stamm kommen, wird ein Schwein geschlachtet. Wenn fünfzig kommen, wackelt der Häuptling mit dem Kopf, bei fünfhundert wackeln alle mit den Köpfen, spätestens bei fünftausend werden dann die Speere geholt. Unsere Medien und Politiker verheißen uns angesichts der bei uns ausgetragenen Stellvertreterkriege zwischen Türken und Kurden, der Kriminalisierung Deutschlands durch Mafia, Camorra, russischer Mafia, serbischen und polnischen Autodiebesbanden und Chinesen-Gangs die „multikulturelle Gesellschaft“. Doch „wo es sie gibt, funktioniert sie nicht.“* Leider erst vor kurzem hat Alt-Bundeskanzler Schmidt gesagt, was inzwischen viele denken: "Es war ein Fehler, dass wir zu Beginn der 60er Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten."


Aus leider noch immer aktuellem Anlass schrieb 2006 die FAZ. "Es gibt Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus, so, wie es Deutschenfeindlichkeit und Linksextremismus gibt. Es gibt Fremdenfeindlichkeit Deutscher gegen Fremde, aber auch die Fremdenfeindlichkeit Fremder gegen Deutsche. ... Es wäre an der Zeit, ernstlich zu prüfen, ob wir eine besorgniserregende Wirklichkeit ... nicht eigentlich konstruieren ... obwohl es sich eigentlich nach wie vor um Randgruppenphänomene und nicht um eine durchgreifende gesellschaftliche Wirklichkeit handelt."


Europa sei bereits zu einer "weitgehend islamisierten Provinz Anatoliens verkommen", warnte eine prominente Italienerin. Und Deutschland wirke "mit seinen 2.000 Moscheen und seinen 3 Millionen muslimischen Türken wie ein Ableger des vergangenen Osmanischen Reiches." Nichts "werde das Feuer des Islam ersticken - es gehe für alle, die nicht Allah huldigen wollten, 'ums Überleben'".* Tatsächlich hat unsere naive Fremdenfreundlichkeit Deutschland zum sicheren Hafen von Terroristen und Hasspredigern aus aller Welt gemacht, die nicht nur nicht integrierbar sind - "es keine Einigung mit den Ungläubigen und seinem Regime gibt"* - sondern auch Mord in ihrem Programm haben: "Es bestehen keine Bedenken, auf die Ungläubigen zu schießen ... wird Allah auch die Heiden ... niedermachen lassen."* Diese Gefahr wächst tatsächlich rasant: Gab es 2005 3,3 Millionen Muslime in Deutschland, werden es 2030 bereits 7 Millionen sein. Sie werden dann einen Bevpölkerungsanteil von etwa 10 Prozent haben.* 2009 beherbergt Deutschland 16 Millionen mit fremden Wurzeln. Jeder fünfte Einwohner hat "Migrationshintergrund", d.h. er hat fremdländische Vorfahren. Die rasante Zunahme hat zwei Gründe: Die Zahl der Deutschen ohne ausländische Wurzeln geht zurück, die Zahl derer mit fremden Wurzeln nimmt zu: Es ziehen Ausländer neu zu und Migranten bekommen mehr Kinder. Schon haben mehr als die Hälfte - 8,5 Millionen -einen deutschen Pass und viele sitzen schon an den Schalthebeln der Macht, wie etwa der Vorsitzende der Grünen in Hessen, Tarek Mohammed Al-Wazir und der "anatolische Schwabe", der Grünen-Parteichef Cem Özdemir. Der "Migranten"-Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt schon mehr als 18,4 Prozent* und er steigt schnell weiter. Die wirkliche Zahl der Zuwanderer ist jedoch höher, denn schätzungsweise beherbergen wir außerdem 500 000 bis 1,5 Millionen Illegale.


Besondere Sorge beansprucht dabei die weder integrationswillige noch integrationsfähige türkische "Parallelgesellschaft". Dieses stets tabuisierte Problem wird erst 2009 eiternd aufbrechen: Das Vorstands-Mitglied der Deutschen Bundesbank Sarrazin hatte in einem Interview gesagt, "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert." Er sagte über diese Türken auch, sie eroberten Deutschland "wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."* Die Reaktionen hier lebender Türken reichten von empört bis bejahend, die deutscher Zeitungen von "unsäglich" bis "widerlich". Die "freiheitliche Grundordnung der deutschen Gesellschaft" lässt solche Feststellungen der sozialen Realität, die man in jeder Stadt und gehäuft in der Bundeshauptstadt mit tränenden Augen sehen muss, eben nicht zu. Im Gegensatz dazu wird der türkische Ministerpräsident Erdogan in einer wütenden Rede im Februar 2008 in der Köln-Arena seine nicht-integrationswilligen Landsleute bestärken dürfen: Assimilation sei "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." Wir müssen uns eingestehen: Wir sitzen hilflos in der selbst gestellten "Integrationsfalle".


In jedem Fall drängt sich die Frage auf, was aus Deutschland werden wird in einer Welt, auf der noch vor hundert Jahren nur 1,7 Milliarden Menschen lebten, die jetzt aber schon über 6 Milliarden ernähren muss. An jedem Tag entsteht eine Großstadt von 250.000 Einwohnern. 2050 werden 9,2 Milliarden auf unserem Planeten leben. Jeder Dritte wird dann älter als 65 Jahre sein. Nur die gemäßigten Klimazonen werden diese sich ungebremst vermehrenden Esser ernähren können. Die bisherige Zuwanderung ist also nur ein Vortrupp von der, die erst noch kommt.

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