1989 - 2009 2002

postheadericon 2002

Anders als früher ist Deutschland in Vielem Schlusslicht: Es ist im schulischen Bereich hinter andere Länder weit zurückgefallen. Die Studiendauer ist nur bei Griechen und Österreichern länger. Auch mit dem Gesundheitssystem rangiert Deutschland in Europa an vorletzter Stelle. Mit dem Wirtschaftswachstum stehen wir gar an letzter Stelle, unsere Sozialabgaben und Lohnnebenkosten sind zu hoch. Wir haben auch das höchste Staatsdefizit. Die Länder lässt das kalt; sie treiben das Defizit. Berlin hat besonders hohe Schulden. Deshalb wurde dort die CDU/SPD-Koalition von einer SPD/PDS-Regierung abgelöst.


Die CDU war von ihrem eigenen Vorsitzenden schwer beschädigt worden. Sie hatte viele Millionen in die Schweiz und nach Liechtenstein verbracht. Die hessische CDU hatte es mit 18 Millionen ebenso gemacht. Kohl musste zugeben, 2 Millionen illegal angenommen und einen Rechenschaftsbericht manipuliert zu haben. Das alles verstieß gegen das Parteiengesetz. Seine Weigerung, die Namen der Spender zu nennen, offenbarte eine schockierende Missachtung von Recht und Gesetz. Kohl hatte  nicht nur selbst sein Denkmal demoliert, die ganze CDU-Spitze musste erneuert werden. Doch bald hatte auch die SPD ihren Parteispendensumpf, Schwerpunkt Köln. Dort hatte ein Bauunternehmer – offensichtlich für die Genehmigung einer überflüssigen Müllverbrennungsanlage – reichlich gespendet. Mit der Spende durften sich verdiente Genossen die Taschen füllen.


Für ihre Klientel hatte schon früher ein Gesellschaftskritiker festgestellt: "Das deutsche Proletariat und das deutsche Kleinbürgertum lebt heute, 1960, in einem Zustand, der der Idiotie näher ist denn je zuvor." Er zitierte auch die Auskunft eines Demoskopie-Instituts, "dass sich (damals) in 46 von 100 deutschen Haushalten kein einziges Buch befinde, betrifft in erster Linie die deutsche Arbeiterschaft." Die war nun satt und träge, während sie um die vorige Jahrhundertwende den gesellschaftlichen Aufstieg mit dem Programm "Wissen ist Macht" erstrebt hatte. Demgegenüber hatten wir 2002 vier Millionen Analphabeten. Deutschland ist nicht mehr das Land der Dichter und Denker, sondern das der Deppen und Doofen.


Auch andere Skandale, Skurrilitäten und Unglaublichkeiten bringen uns in die Nähe von Absurdistan. So haben wir 2002 tausende Wohnsitzlose und Homo-Ehen, allein in Hamburg über 100 Moscheen, in Frankfurt einen Ausländeranteil von 28 Prozent und in Berlin, der drittgrößten türkischen Stadt, mindestens 200.000 Türken. Und für die unbezahlten Rechnungen von rund 4,2 Billionen Euro, die wir unseren Nachkommen hinterlassen, werden die uns kaum dankbar sein. Da wird es auch nicht viel helfen, wenn die Kommunen für nahezu alles kassieren; beispielsweise für einen auf dem Gehweg abgesetzten Hundehaufen 35 Euro.


Ist das eher erheiternd, so gibt es auch Ernstes: Eltern und Lehrer scheuen sich zu oft, den Kindern Grenzen aufzuzeigen. Deshalb und durch den Einfluss der Medien nimmt ihre Gewalt zu, ebenso nehmen psychische Erkrankungen zu. In diese Sparte gehört zweifellos etwas noch nie Dagewesenes: Kannibalismus! Ein Berliner Ingenieur kam eigens in ein hessisches Dorf, um sich von seinem Mail-Partner schlachten zu lassen. Der hatte ihm angeboten „I will butchering and eating your fine flesh“ – „Ich werde dich schlachten und dein vorzügliches Fleisch essen!“ Der Kannibalismus wurde – höchster Gipfel der Monstrosität – auf Videofilm festgehalten.*


Neben Irreführungen wie „multikulturell“ – was mit dem europäischen Begriff von Kultur nichts mehr zu tun hat - haben sich viele Begriffe und Bedeutungen gewandelt: „Mitte“ und „Moderne“, „sozial“, „liberal“ und „konservativ“, „reich“ und „arm“ müssen neu definiert werden. Das ist auch nicht verwunderlich, denn sie stammen aus längst vergangenen Zeiten. Trotz zweier verlorener Weltkriege und ihrer Folgen, trotz Vermögensverlusten und Enteignungen, Wirtschaftsdepressionen, Inflationen und marxistisch-sozialistischer Misswirtschaft brachte uns das vergangene Jahrhundert mit seinem Fortschritt einen nicht einmal träumbaren Wohlstand. „Verglichen mit dem Stand von heute … war 1900 die Steinzeit.“*


Doch nochmals zurück zu "Kultur", weil sie in ihrer besten Bedeutung für unsere Zukunft so überragend wichtig ist. Zu ihrer heutigen landläufigen Bewertung passt das Ergebnis einer ZDF-Wahl im November 2007: Der beste deutsche Musiker aller Zeiten war für 200 000 Deutsche Herbert Grönemeyer. Für Mozart reichte es nur zum dritten Platz hinter Udo Jürgens. Ihm folgte Peter Maffay vor Nena, Beethoven, Roy Black und Sarah Conner. Richard Wagner landete auf dem 21. und Johann Sebastian Bach auf dem 34. von 50 Plätzen. Noch aufschlussreicher ist die Erklärung des Erfolges eines von seinem Massenpublikum bejubelten Comedian, also eines Komikers, der "bis zur Hüfte in der Kanalisation" steht. "Die zwanglose Mischung aus anal und fäkal trägt entscheidend zum Wohlbefinden seines Publikums bei."*


In aller Bescheidenheit dürfen wir jedoch anmerken, dass uns selbst das Stockholmer Nobelkomitee für auszeichnungswürdig erachtet: Es vergab den Literatur-Nobelpreis nicht nur an den von sich überaus überzeugten Günter Grass, sondern schon bald danach auch an Herta Müller, eine noch immer von den Pressionen der rumänischen Geheimpolizei verschüchterte Rumäniendeutsche. Sie hatte die Verfolgungen und Nachstellungen des stalinistisch-sozialistischen Regimes des Nicolae Ceausescu erleben müssen, der sich von seinen Speichelleckern als "geliebtester Sohn des rumänischen Volkes" und als "Erlöser der Erde"* hatte schmeicheln lassen.


Zu lange hatte man die Renten als sicher schöngeredet. Jetzt aber ist die Sanierung des Rentensystems unumgänglich. Immer stärker werden wir zur Einsicht gedrängt, dass unser Wohlstand nur hochgehalten werden kann, wenn der zunehmende Fachkräftemangel durch qualifizierte Einwanderer ausgeglichen wird. Das neue Zuwanderungsgesetz, um das vier Jahre  gestritten wurde, soll dies ermöglichen, auch die Abschiebung von Hasspredigern und Kriminellen.


Auch Deutschlands Wehr wird reformiert. Sie wird  auf „Peace-Keeping“-Einsätze und sogar auf Kriegseinsätze getrimmt. Unsere Soldatinnen, die das Bundesverfassungsgericht gleichberechtigt hat, und unsere Fallschirmjäger sollen weltweit gegen Banditen und Terroristen kämpfen. Nachdem wir die größte Katastrophe in unserer jüngeren Geschichte durchlitten hatten, begnügten wir uns lange mit der Eroberung von Märkten und Traumstränden. Jetzt aber haben wir „kein Dauerabonnement mehr für die Zuschauerplätze in der Weltpolitik.“ Es ist wieder so weit: „The Germans to the front!“

zurück weiter