1989 - 2009 2005

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Krisen auch im eigenen Hause: Außer der Sexualität sind in unserer Kuschelrepublik alle Themen tabuisiert. Schlimmer war, dass die Entlassungen und Betriebsauslagerungen weitergingen, neue Arbeitsplätze wurden nicht geschaffen. Deshalb wurde in Nordrhein-Westfalen, im bevölkerungsreichsten Land, die SPD nach fast vier Jahrzehnten abgewählt. Es war die berechtigte Quittung für die unterlassene Lösung der dringenden Probleme durch die Bundes-SPD. Noch am gleichen Tag gab der Bundeskanzler bekannt, dass er Neuwahlen anstrebe. Die SPD hatte in Folge elf Wahlen verloren. Der Kanzler wollte seiner Demontage durch die SPD-Linke zuvorkommen. Die Wählermeinung war unentschlossen bis ratlos. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Herbst 2005 siegte deshalb die CDU/CSU nur knapp mit 35,2 %, dicht gefolgt von der SPD mit 34,3 %. Das ergab im Bundestag nur eine Mehrheit von vier Sitzen. Die CDU hatte ihre deutliche Mehrheit selbst heruntergedrückt, der CSU-Vorsitzende sich selbst beschädigt. Aber auch die SPD war durch ihren ehemaligen Vorsitzenden Lafontaine geschwächt worden: Er hatte mit Gregor Gysi den Vorsitz der neuen Linkspartei an sich gebracht, die größtenteils aus der bisherigen postkommunistischen PDS besteht.


Dem Wahlverlierer Gerhard Schröder ist immerhin gutzuschreiben, dass er überfällige Reformen wenigstens eingeleitet hat. Deshalb nahmen die Deutschen den "Fernsehkanzler" auf den fünften Platz ihrer Beliebtheitsskala. Sie wird noch immer von Helmut Schmidt, der von 1974 bis 1982 Kanzler war, mit 28 Prozent angeführt. Auf Platz zwei kam mit 18 Prozent der Wiedervereinigungskanzler und Schröder-Vorgänger Helmut Kohl, der von 1982 bis 1998 regierte, mit 17 Prozent gefolgt von Konrad Adenauer, dem Gründer unserer Republik, der seiner "Kanzlerdemokratie" von 1949 bis 1963 vorstand. Auf den vierten Platz der allgemeinen Wertschätzung kam schließlich mit 15 Prozent Willy Brandt, SPD-Kanzler von 1969 bis 1974.


Da andere Koalitionen kaum möglich waren, näherten sich CDU/CSU und SPD der schon einmal recht erfolgreichen, gleichwohl ungeliebten großen Koalition, die auch ein großer Bevölkerungsanteil für den einzigen Weg hielt, die Misere zu bessern. Diese Misere spiegelte sich schon darin, dass Deutschland pro Werktag 2.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verlor*


Nach den Jahrzehnten der ständigen Aufwärtsentwicklung wächst die Einsicht in die sich verschärfenden wirtschaftlichen Erfordernisse zu langsam. Wenn wir uns nicht beeilen, werden uns die Realitäten überholen. Aber obwohl es im Gebälk unserer Hütte beängstigend kracht, spielen unsere Volksvertreter weiterhin ihr kleinkariertes Intrigenspiel. Mitten in den Koalitionsverhandlungen demontierte der Vorstand der SPD seinen Vorsitzenden. Diese wenig professionelle Aktion nutzte die SPD dann jedoch wenigstens zur Verjüngung ihrer Parteispitze, mit der sie auch ihre stets widerborstige Linke beruhigte.


Obwohl unsere Abgeordneten so tun, als hätten sie von der desolaten Finanzlage, in die sie uns gebracht haben, nichts gewusst, müssen sie jetzt ihre selbst verschuldete "Gefälligkeitsdemokratie" reparieren, so gut es geht. Unsere neue Regierung wird deshalb den wehrlosen Steuerzahler noch stärker schröpfen als bisher. Denn so sparen wie es nötig wäre will weder die Bundesregierung, noch wollen es die Länder und Kommunen, denn das könnte ja Ämterverluste kosten. Erwartungsgemäß blieben daher die Ziele, die sich die neue Regierung setzte, hinter den Erwartungen zurück: Große Koalition - kleine Reformen!


So bleibt uns nichts weiter übrig, als Angela Merkel , der ersten Kanzlerin Deutschlands, zur Bewältigung ihrer Herkulesaufgaben viel Glück zu wünschen. Sie ist die erste  Frau, die machen kann, was bisher bei uns ausschließlich Männersache war, nämlich die Geschicke Deutschlands entscheidend lenken.

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