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postheadericon Franken, Sachsen, Slawen, Ungarn

oder: Mehrere Väter, eine schmerzliche Geburt und viele Feinde


Die Völkerwanderung hatte Gallien, die reichste Provinz des Römerreiches, zu einem Tummelplatz germanischer Landräuber gemacht. Die Statthalter behalfen sich, indem sie die Räuber zu hospes ernannten, zu Gästen.


Die Römer, bis dahin herrschende Oberschicht, mussten in Fesseln tanzen zwischen Goten, Burgundern und den immer noch zahlreichen Kelten, die bis zu ihrer letzten Niederlage durch Cäsar  das Land beherrscht hatten.


Jetzt kamen auch noch die Franken. Sie waren nicht wie Goten und Burgunder von der römischen Zivilisation angekränkelt, sondern jugendfrisch, laut und ungehobelt und schon gar nicht von irgendeiner Moral behindert, flugs Anderen den Schädel zu spalten.


Als keine Post mehr aus Rom kam, war klar, dass sich das Imperium aufgelöst hatte. Die Garnisonen hielten sich zwar noch in den Städten, doch wie lange würde das noch gut gehen? Zum Glück gab es noch eine zweite Macht in Gallien, die katholische Kirche. Die Bischöfe in den Städten spielten den Franken die Macht zu, denn die waren die Stärksten im Lande. Wichtig sind zunächst stabile Verhältnisse, sagte sich die Kirche - und dafür sorgten diese Un-Holde, indem sie einfach jeden niederhieben, der ihnen den Weg vertrat.


Das Zusammenleben zwischen Gallo-Römern und Franken brachte beiden Seiten Vorteile. Den im Lande gebliebenen Römern gewährte es Schutz, ihre römisch-katholische Kirche bewahrte es vor religiöser Rivalität. Die fränkischen Totmacher waren nämlich nicht Arianer , wie die meisten Germanen, sondern noch schlichte Heiden. Aus ihnen würde man noch rechte Christen machen und sich damit nicht nur vor schonungsloser Verfolgung sichern, sondern auch noch gottgefällig wirken können. Die Kirche strebte deshalb die Kooperation mit den Barbaren an, denen ganz offensichtlich die Zukunft gehörte. Auch den Franken gefiel die Perspektive. Obwohl sie die Römer verachteten, erlebten sie täglich die Überlegenheit der römischen Kirche, die ihre Repräsentanten so stark machte, dass das Volk auf sie hörte.

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