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Für ihn und seine Streitaxtschwinger waren Sieg und Erfolg der Beweis für die Überlegenheit des rechten Glaubens. Wer gab mehr Sieg-Heil, Odin oder der Christengott, dem sein Weib anhing? Diese Frau war die burgundische Prinzessin Chrotechilde, uns geläufiger als Chlothilde. Sie riet ihrem Gemahl, Christ zu werden. Doch kein germanischer Heerkönig konnte seinen rauhbeinigen Kriegern sagen, dass er in Ausführung der Ratschläge seiner Frau handle. So soll Chlodwig während der Entscheidungsschlacht gegen die Alemannen bei Zülpich dem Christengott für den Sieg seine Taufe versprochen haben. Danach ließ er sich jedenfalls wie einst schon Kaiser Konstantin vom Strahl göttlicher Gnade berühren und mit dreitausend Kriegern in Reims taufen. Dadurch kennen wir auch sein Herkommen. Erzbischof Remigius sprach ihn nämlich nicht als Franke, sondern als Sugambrer an. Diese Germanen siedelten vordem rechts des Mittelrheins zwischen Lippe und Sieg. Kaiser Augustus deportierte 40.000 von ihnen rheinab nach Xanten. Von dort sickerten sie mit anderen verbündeten Stämmen in linksrheinische Gebiete ein. Chlodwig ist schon in Tournai geboren.


Diese Taufe war die Geburtsstunde Europas. Sie beseitigte den Gegensatz zwischen den germanischen Besatzern und den romanischen Einheimischen. Setzte Chlodwigs Schwager, der Ostgotenkönig Theoderich, in Italien auf die Trennung, so Chlodwig auf die Vereinigung beider Volksteile. Schon sein Name ist ein Produkt dieser Verschmelzung. Von seiner lateinischen Form Hludovicus werden einst die französischen Ludwige ihren Namen herleiten.- Sein Reich gewann dadurch auf Jahrhunderte die Vormacht im Abendland, das des Theoderich verging. Denn, so sagt Chlodwigs frommer Chronist Gregor von Tours, “Der König tat, was dem Herrn wohlgefällig war”, und so geriet ihm alles wohl. Als er nämlich Burgunder und Westgoten besiegt hatte, dezimierte er seine eigene Sippe durch Meuchelmord. Die christlich-fromme Denkungsart hatte die Natur dieses verschlagenen Merowingers noch nicht veredelt. Den Schädel des gefangenen Königs Ragnacharis von Cambrai zum Beispiel spaltete er eigenhändig mit seiner Franziska, dem Wurf- und Kampfbeil der Franken, das ihnen ihren Namen gegeben hatte, nachdem er dessen Krieger mit kupfernen Hals- und Schwertgehängen, die er für Gold ausgab, bestochen hatte.

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