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Der Begründer der Merowinger-Dynastie hinterließ seinen Söhnen ein Großreich, das von der Garonne bis weit über den Rhein reichte. In ihm beherrschten höchstens 200.000 Franken die 6 bis 7 Millionen Gallo-Römer. Nach Germanensitte teilten die Söhne das Reich. Zum Glück überlebte die kluge Chlothilde ihren Mann, vollauf damit beschäftigt, jedem wilden Merowingerspross sein eigenes Königreich zu schaffen, falls er nicht durch Brudermord nach Walhall  verabschiedet worden war. Denn wie man zu seinem Vorteil und Sieg kam, spielte für die Franken offensichtlich keine Rolle. Und so hatte die Kirche ihren Grundsatz anerkennen müssen, dass Gott nur dem den Sieg schenkt, der im Recht ist.


Die Merowinger-Könige fühlten sich als Nachkommen eines sagenhaften Königs Merowech. Sie galten daher als heilig. Doch nicht nur um sich seinem Volk zu zeigen und um Recht zu sprechen musste der König ständig von Königshof zu Königshof, von Bistum zu Bistum, von Abtei zu Abtei unterwegs sein. Vielmehr war er gezwungen, sich und seine Gefolgschaft im Umherziehen zu ernähren, denn die Getreideernten gediehen nur auf das Doppelte bis höchstens das Fünffache der Aussaatmenge. Damals, hat man gesagt, war es das Privileg des Adels, sich satt essen zu können. Erst mit dem Aufkommen des Geldes wird ein Machthaber seinen Anhang bezahlen können. Er selbst braucht dann nicht mehr umherzuziehen, er wird sich einen ständigen Wohnsitz, eine Residenz, leisten können.


Da der König riesigen Landbesitz erobert hatte,  konnte er ihn verschenken und sich so seinen Anhang sichern. Schon sein unmittelbares Gefolge bestand aus einer Vielzahl von Stammeshäuptlingen, Leibwächtern, Knechten und einigen Klerikern. Während das weibliche Gefolge je nach allerhöchster Gunst als Königinnen, Kebsen oder als Mägde dienstbar war und künftige Könige, Prinzen oder Bastarde gebar, entwickelte sich aus der Trinkrunde der Männer der Feudaladel, der, mit Königsgütern für geleistete Waffenhilfe belohnt, auf diesen Gütern seinerseits das Leben der Könige lebte. Die Gefolgsleute, die Gefallen am Umherziehen mit dem König fanden, teilten sich in die einflussreichen Hofämter. Der Vorsteher der Hofgesellschaft, der die Amtsgewalt im Reich ausübte, das Heer befehligte und die Vermögensverwaltung innehatte, war der Hausmeier. Doch die Verdeutschung untertreibt, denn der durchaus richtig zu Meier etymologisiierte major domus war der tatsächliche Regent des Frankenreiches, der mächtigste der Majores, der Mächtigen, verdeutscht: der Über-Meier.


Einhart, der erste Biograph Karls des Großen, hat die letzten Merowinger als „Faulenzerkönige“ lächerlich gemacht. Sie sollten auf Ochsenkarren, von bäuerlichen Knechten geführt, über Land gezogen sein. In Wahrheit war es vor allem die ständige Minderjährigkeit der Thronfolger, die zum Verfall der merowingischen Königsmacht geführt hatte. Im Kampf um Besitz und Macht der rivalisierenden Großen waren sie deren Spielbälle geworden.

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