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Die  Merowinger verloren die Macht, der Hausmeier-Klan riss sie an sich. Der Hausmeier Karl  Martell schlug das Heer der Sarazenen an der Römerstraße von Poitiers nach Tours, wahrscheinlich bei Moussais. Die Araber waren drauf und dran gewesen, von Spanien aus Südfrankreich zu erobern. Denn sie waren, berichtet Bischof Otto von Freising, "mit Weib und Kind gekommen." Hätten sie damals gesiegt, hätten sie ein Emirat Frangistan gründen können, das vielleicht sogar bis über den Rhein gereicht hätte. Dann würden wir heute zu Allah beten; die westliche Welt wäre heute islamisch. Statt der Bibel hätten wir den Koran. Auch unsere Sitten wären andere: Unsere Frauen wären verschleiert, die Männer beschnitten. Wer es sich leisten könnte, hielte sich einen Harem. Unsere Malerei und Musik hätte sich nicht entwickeln können und auch keine religiöse und bürgerliche Freiheit, denn statt des Corpus Juris hätten wir die Scharia.


Aber selbst noch viel später hatten die Sarazenen einen Brückenkopf sogar auf der Nordseite der Alpen: Pontresina = pons sarracenorum, die Sarazenenbrücke. Und als Kaiser Otto der Große auf seinem ersten Romzug über den Lukmanier  im Kloster Disentis am jungen Rhein rasten wollte, konnte er seine Pferde nur noch in den Ruinen des Klosters einstellen. Die Sarazenen hatten es gerade abgebrannt. Als kulturelle Kompensation könnte man das unwahrscheinlich frühe Auftreten arabischer Ziffern im großen Walsertal deuten. Waren die Sarazenen sogar dort?


Karls Sieg galt seinen Franken als Gottesurteil. Noch hatte sein Heer nur wenige Reiter, denn ein Pferd kostete zwanzig Rinder. Bald saßen die Franken sicherer im Sattel dank der allmählichen Einführung des Steigbügels, aber auch dank dieses und anderer Siege Karls. 730 war bei Cannstatt der letzte alemannische Widerstand zusammengebrochen, Hessen und Thüringen wurden fränkische Protektorate.


Karl wird seither “der Hammer”, Karl Martell, genannt, seine Familie die Karolinger. Sein Sohn Pippin der Jüngere - oder der Kurze  - ritt weiter von Sieg zu Sieg. Auch er fing als Hausmeier an. Aber dann fragte er den Papst, ob “ein König ohne Macht das Amt behalten oder ein Inhaber der Macht König” werden solle. Dem Papst schien es notwendig, den gewitzten Franken auf seiner Seite zu haben. Feierlich erklärte er, dass der Stärkere König sein solle.

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