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Inzwischen war der fränkische König römischer Kaiser geworden. Der neue Papst Leo III. hatte Feinde, die ihn eines unheiligen Lebenswandels bezichtigten, ihn während einer Prozession vom Pferd rissen und windelweich droschen. Karl lud ihn zum Rapport - wenn auch in feierlicher Form - nach Paderborn. Am 23. Dezember 800 musste sich der Papst durch einen Eid „reinigen“. Karl kam dazu nach Rom. Als er sich  während der Weihnachtsmesse vom Gebet erhob, setzte ihm Leo die Krone auf. Damit war Karl Carolus Augustus, der von Gott gekrönte große und friedfertige Kaiser der Römer, wie das Volk von Rom rief.


Die Aufgabenverteilung zwischen sich und dem Papst hatte ihm Karl bereits in seiner Gratulation zur Wahl unmissverständlich mitgeteilt: Der Papst habe zu beten und alles andere, auch die Mission in eroberten Gebieten, dem Kaiser zu überlassen. Mehr noch: Karl hatte klar gemacht, dass er auch Herr der Reichskirche und Roms sein und bleiben wollte. Dieses Machtverhältnis hatte der Papst damals hinnehmen müssen. Aber ein Mosaik, das dieser Papst im Lateren hatte anbringen lassen, zeigte ebenso unmissvertändlich seinen Anspruch auf Gleichrangigkeit. Tatsächlich bewies die Zukunft, dass Rom hierbei den längeren Atem hatte.
Der Zeitpunkt der Kaiserkrönung war gut gewählt gewesen: In Byzanz, der Hauptstadt des Römischen Reiches, das noch immer als Einheit empfunden wurde, hatte es Thronstreitigkeiten gegeben, das Kaisertum war vakant gewesen. Der Papst, der formal noch immer ein Vasall des oströmischen Kaisers in Byzanz war, konnte daher die Krönung Karls fast als staatserhaltend darstellen. Mit dieser Krönung hatte er seine Stellung unbezweifelbar erhöht.


Karls Herrschaft über das Abendland wurde von niemandem mehr bestritten. Sie wurde gestützt von etwa 500 Grafen, 1.000 vom König Belehnten, 100 Bischöfen und 200 Äbten. Diese “Potentes” befehligten auch das Heer. Ein Heer von 10.000 bis 15.000 Mann galt schon als groß.
Die islamische Macht hatte sich gespalten, Harun al Raschid hatte in Bagdad ein mächtiges Kalifat  errichtet. Er war der Gegner der Omajaden, die Spanien beherrschten und gegen die Karl gekämpft hatte. In Byzanz  hatte man zwar Italien und die anderen westlichen Gebiete nie aufgegeben, war aber außerstande, diesen Besitz zu verteidigen. Zur Entspannung und zur Annäherung des weströmischen an das oströmische Kaisertum war die Verheiratung des byzantinischen Kaisers Konstantin mit Karls Tochter Rotrud geplant.


Karl hatte ein Reich gebaut, das damals auch Europa war. Die tragenden Elemente überdauerten ein Jahrtausend. Sie halten, bis das alte Reich zerstört wird durch Napoleon, der sich als sein Nachfolger gefiel. Die letzten Säulen brechen sogar erst 1918.


Im Jahr 800 hatte der Dänenkönig Skandinavien unterjocht. Schon setzten seine Nordmänner - oder Normannen - zu Raubzügen an. Karl kämpfte gegen sie, doch bleibt das Köpfeabschlagen bei dieser Hydra wirkungslos, zu viele wachsen nach. 805 eskalieren auch noch die ständigen Scharmützel mit den Slawen zum Krieg.


Die Religion des eben gekrönten Kaisers war nicht die des kleinen Mannes. Karl und seine Paladine, auch die Bischöfe und Äbte seiner Reichskirche, die alle den herrschenden Familien angehörten, verstanden Christus nicht als leidende Kreatur, sondern als König und Herrscher. Ihr Evangelium ist eine “Schwertlehre”. Selbstverständlich wird von Gott erwartet, dass er ihrer Sache, die natürlich die gute Sache ist, den Sieg schenkt. Noch mehr als tausend Jahre später werden die Herrschenden und ihre Untertanen ihre Kanonen segnen lassen, um den Bruder in Christo zu zerfetzen, der zufälligerweise für die Gegenseite kämpfen muss, der aber vom gleichen Christus auch für seine Sache und für seine Waffen den Sieg erfleht.

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