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Der große Schlag kam 834. Ein Dänenheer überfiel Friesland und brannte die Handelsstadt und Münzstätte Durrstede nieder. Das kam, weil Ludwigs ältester Sohn Lothar gegen seinen Vater die Normannen zu Hilfe gerufen hatte. Maastricht, Lüttich, Aachen, Köln, Bonn, Andernach wurden ihre Beute. Das noch sehr ansehnliche Trier war nach dreitägiger Plünderung nur noch ein rauchender Trümmerhaufen. Ungehindert fuhren sie rheinauf bis Mainz und Worms. Und 845 brannten Paris und Hammaburg / Hamburg, das mit seinen wohl etwa 300 Einwohnern den Elbübergang nach Haithabu und weiter nach Norden beherrschte. Haithabu war eine bedeutende Handelsstadt der Wikinger gegenüber dem heutigen Schleswig. Dort verkauften sie ihre wertvollste Beute: Sklaven. Für sie war ein Sklave so viel wert wie ein Pferd. Selbst der Bremer Bischof ließ sich von ihnen beliefern. Die Sklavenjäger fuhren auch auf der Elbe landein. Magdeburg wird gebrandschatzt. Sogar bis Meißen kamen sie. Rauchende Ruinen sind ihre Hinterlassenschaft. Die Hilflosigkeit des Frankenreiches war selbst verschuldet. Den Dänen trat immer nur einer der Könige entgegen, oft nur ein Graf oder Bischof. Die Plünderer konnten die Schwäche des Reiches und die Bruderzwiste ausnutzen.


Als nämlich der von seinen Söhnen abgesetzte, dadurch seiner sakralen Unverletzlichkeit beraubte Kaiser im Tierpark seiner Lieblingspfalz Ingelheim am Rhein  starb, bekämpften sich die Söhne gegenseitig. Karl und Ludwig wollen mit Lothar das Reich nicht teilen. Früher war bei so wichtigen Entscheidungen nach germanischem Brauch auch das Volk beteiligt gewesen; jetzt war es nur noch Kulisse. Man trifft sich auf einer Ill -Insel, jeder bringt eine Abordnung seines Heeres mit. Doch man versteht sich nicht mehr, denn die Kaiser-Söhne herrschen nicht mehr nur über zwei Reichsteile, sondern in diesen Teilreichen haben sich zwei Völker mit eigenen Sprachen entwickelt.


Daher tritt der “deutsche” Ludwig  zum Schwur vor die Mannen seines Bruders und spricht, damit sie es verstehen, in ihrem Altfranzösisch: “Pro deo amur et pro christian poblo et nostro commun salvament, d’ist in avant ... ab Ludher (Lothar) nul plaid numquam prindrai ...” Das ist noch halbes Latein. Dann sagt es der “französische” Karl vor den ersten Deutschen auf Althochdeutsch: “In godes minna ind in thes christianes folches ind unsér bédhero gehaltnissi, von thesemo dage framordes ... mit Ludheren in nohheiniu thing ne gegango ...”


So also hörte sich das Urdeutsch von 842 an, das eigentlich das Altostfränkische war. Ludwig und Karl hatten in diesen “Straßburger Eiden”, die erstmals die “diutiske”, die deutsche Sprache dokumentieren, einander gelobt “aus Liebe zu Gott und des christlichen Volkes wie unser beider Wohl werde ich von diesem Tage an ... mit Lothar in keiner Sache mehr zusammengehen ...” Auch die beiden Heere schwuren, dass ihr Versprechen nur so lange gelten solle, wie ihr Herrscher sein Versprechen gegenüber seinem Bruder halte.

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