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Der strahlende Sieg macht den Sieger in den Augen seiner Mannen schon jetzt zum Imperator, zum Kaiser. Doch gekrönt wird in Rom. Dort herrschte der Adel der Stadt und ihrer Umgebung. Die Päpste waren in seinen Händen und in den Netzen von Kurtisanen. König von Italien war noch immer Berengar II., der Rom bedrohte. Der Papst schrie um Hilfe. Otto kam sofort. Die Kaiserkrönung war die abschließende Parallele zu seinem Vorbild Karl. Sie war zwar eine glanzvolle Erhöhung, sie barg aber auch eine drückende Verpflichtung.


Diese Krone, die der Papst Otto, den die Deutschen nun schon “den Großen” nannten, aufgesetzt haben soll, die aber wohl erst später entstanden ist, wurde die Krone für alle künftigen Kaiser. Sie ist heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg zu bewundern. Sie ist nicht nur ein mit Steinen geschmückter runder Hochreif wie die anderen Kronen der Potentaten und auch der Kaiser, von denen bei weniger festlichen Anlässen jeder seine eigene trug. Diese wahrscheinlich auf der Reichenau angefertigte Krone ist ein Oktogon aus je vier größeren und kleineren Platten, die wie die Mauern, die ein Heiligtum umgeben, die Stirn des Kaisers umgaben. Auch hier Symbolik: Acht ist die Zahl der Vollkommenheit und des Unendlichen, die Kaiserzahl. Diese Krone wird überspannt von einem später hinzugefügten hohen Bügel, der von vorn nach hinten läuft und damit den Spitzen der darunter montierten Mitra  Platz ließ. Als Hoherpriester ist der mit ihr gekrönte Kaiser Vertreter des Priester-Königs Christus. “Durch mich herrschen die Könige”, steht auf einer Platte unter dem Bild Salomons, als dessen Nachfolger sich schon der große Karl betrachtet hatte. Die Stirnplatte dieser Krone ist mit je zwölf Edelsteinen besetzt, die die zwölf Stämme Israels versinnbildlichen. In ihrer Mitte strahlte damals noch ein selten großer Edelstein, der einzigartig war. Im 14. Jahrhundert verschwand der “Waise”, das einzigartige Kleinod.


Der Kaiser konnte seine Erhöhung kaum genießen. Die Römer mochten die blonden Barbaren aus dem Norden nicht. Ottos Heer lagerte nach Brauch und Forderung vor der Stadt. Ihm schien es ratsam, seinem Schwertträger zu befehlen, sich während der Zeremonie dicht hinter ihm zu halten. Auch danach war es nötig, in Italien mit dem Schwert zu rasseln. Otto wurde dort über Jahre festgehalten. Diese Verstrickung in die italienischen Wirren zeigte die Gefahr der Rom-Politik der Kaiser. Aber was half’s: Da die Großen einschließlich der kaiserlichen Prinzen allesamt Hyänen waren, die schon bei der Witterung einer Beute unberechenbar wurden, hatte Otto die Verwaltung des Reiches auf die Kirchen-Hierarchie gebaut. Er setzte damit die “Reichskirchen-Politik”, die Tradition hatte, fort. Der königliche Analphabet Heinrich hatte sich eine Kanzlei unter dem Erzbischof von Mainz, dem Primas von Deutschland, geschaffen. In dieser Eigenschaft als Kanzlei-Vorsteher wurde er Kanzler von Deutschland. Da der Klerus pflichtbewusst und verläßlich war, schien diese Verwaltung effektiv, solange der Kaiser den Klerus hinter sich hatte. Doch der Klerus hatte den Papst über sich. Das System funktionierte deshalb nur, solange die Ziele des Kaisers auch die des Papstes waren. Daher musste der Kaiser den Papst beherrschen, um durch seinen Klerus sein Reich beherrschen zu können.


Damals war das noch möglich. Otto ließ sich sofort seine Herrschaft über Rom verbriefen, auch das alte Kaiser-Recht, dass jeder neue Papst dem Kaiser Treue zu schwören habe. Und von den Römern ließ er sich schwören, nie einen Papst zu wählen, der dem Kaiser oder dessen Sohn nicht genehm sei.


Wo bis vor kurzem die Grenze gegen den ostdeutschen Staat war, war damals die Grenze gegen die Slawen. Otto sah ihre Christianisierung als seine Lebensaufgabe an. Er wollte den Slawen das “Heil” bringen. Immerhin war eine vornehme Slawin die Mutter seines vorehelichen Sohnes Wilhelm.

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