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Den geistlichen Fürsten gab er mehr Macht, um die weltlichen im Zaum halten zu können. Von beiden forderte er die vorbehaltlose Anerkennung seiner Autorität. Diese Forderung äußerte sich nicht nur darin, dass er 64 Bischöfe einsetzte, sondern manchmal die Wahl eines Domkapitels brüsk überging und seinen Kandidaten einsetzte.


In Bamberg gründete er auf dem ehemaligen Besitz der Babenberger ein eigenes Bistum zur Slawenmissionierung am oberen Main. Weil er dazu ein größeres Territorium brauchte, das der Bischof von Würzburg und der von Eichstätt beisteuern sollten, musste er sich auf der beschließenden Synode vor acht Erzbischöfen und 27 Bischöfen mehrmals zu Boden werfen. Bisher hatte sich noch kein König derart gedemütigt, aber sein Ziel war es ihm wert.


Auch anderswo wuchsen romanische Dome in den Himmel. Himmelsburgen, in denen die Gemeinde Christi sicher war gegen den Antichrist, der aus der Dunkelheit, “vom Abend”, aus dem Westen, angriff. Man setzte ihm deshalb ein massiges Westwerk, wie die Schildmauer einer Burg, entgegen, mit hohen Türmen und schießschartenartigen Fenstern. Innen spiegelte die Platzordnung das Sozialgefälle: Von den Emporen blickten die Fürsten auf Altar und Geistlichkeit, vor dem Altar stand im Mittelschiff der Adel und in den halbdunklen Seitenschiffen drängte sich das Volk, das auch sonst nur zufällig einen Schein dessen erhaschte, was in den Domschulen und Manufakturen an Kultur geschaffen wurde. Dass in St. Gallen der gelehrte Mönch und Leiter der Klosterschule Notker “der Deutsche” den Psalter  ins Deutsche übersetzte und damit unsere Sprache zur Kultursprache machte, drang nicht zu ihm.


Heinrich, der mit seiner Kunigunde in einer Josefsehe gelebt haben soll, wird deshalb oft als Impotenzling belächelt. Politisch war er es jedenfalls nicht. Er war der erste König, der das ganze Reich von den Alpen bis in die norddeutsche Tiefebene beherrschte. Ein Nachruf sagt: “Bî im stuont wol das rîche.”


Die Kirche hatte Heinrich II. als einzigen mittelalterlichen Kaiser schon bald zum Heiligen erklärt, später auch seine Frau. Es war nicht nur die kinderlose Ehe, die als bewusster Verzicht gewertet wurde und dass er Gott zu seinem Erben erklärt hatte. Wichtiger war die Gründung des Bistums Bamberg und die neuerliche Gründung des Bistums Merseburg, das Missionsstützpunkt und Grenzkastell gegen Polen und Böhmen war und den Saaleübergang zu sichern hatte. Seine Frömmigkeit bewiesen nicht nur seine Missionsbestrebungen gegenüber Slawen und Ungarn, ebenso belegten dies seine Mitgliedschaften in den Domkapiteln von Magdeburg, Bamberg und Straßburg sowie die Gebetsverbrüderungen, in die er von so herausragenden Stätten des abendländischen Mönchstums wie Montecassino und Cluny aufgenommen worden war. Ihnen galt er als "Bruder der Mönche".


Heinrich “der Bayer” war mehr unterwegs als andere Könige des 11. und 12. Jahrhunderts. Auf 188 Reisen hat der oft Kränkelnde sich bemüht, sein Reich zusammenzuhalten. Beispielsweise hat er zwischen September und November 1012 mehr als 1.350 Kilometer hinter sich gebracht: Von Frankfurt über die Harzer Pfalz Grone nach Magdeburg und Merseburg, um zurück über Helmstedt rechtzeitig zu einer Synode nach Koblenz zu kommen.
Nach seinem „Königtum der Konflikte“ kehrte er zum Sterben dorthin zurück, wo die Sachsen-Kaiser vor hundert Jahren ihr Königtum empfangen hatten, wo ihre Güter und Pfalzen lagen, an den Harz. Dort, am Rammelsberg bei Goslar, waren schon unter Otto I. Silberfunde gemacht worden. Heinrich II. hatte diese Quelle in seine Truhen sprudeln lassen. Auch darin kündigt sich eine neue Zeit an: Die klingende Münze, das Bargeld, ist praktischer als Waren oder Materialien. Geld beginnt nun auch in Deutschland die Welt zu regieren.


Vergessen wir aber über der imperialen Politik nicht die Drangsale der Regierten. Sie wird noch jahrhundertelang auf den krummen Rücken der Bauern gemacht werden. Jetzt mühen sie sich darum, von einem Korn Saat wenig mehr als zwei Körner zu ernten. Diese "rustici" werden ihre Landwirtschaft mit besseren Pflügen auf neuen Anbauflächen intensivieren, die Gottes- und Landfriedensbewegungen des 11./12. Jahrhunderts werden ihren Schutz, da man ihnen das Waffentragen verboten hat, den adeligen Berufskriegern übertragen. Die Stände grenzen sich stärker gegen einander ab: in Beter, Krieger und Bauern.

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