Vor-Wort

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Wer sich aber wundern sollte, dass nach so vielen Geschichtsschreibern auch mir die Abfassung einer solchen Schrift in den Sinn kommen konnte, der lese zuvor alle Schriften jener anderen, mache sich darauf an die meinige, und erst dann wundere er sich.

Flavius Arrianus (95-180)

 

Den Stoff zu diesem Buche habe ich alten Schriften entnommen, die unter den Namen verschiedener Gewährsmänner auf uns gekommen sind. Sollte ich also Falsches behauptet haben in meinem Bericht: Ich selbst irrte nicht, sondern diejenigen, denen ich mit allzuwenig Vorsicht gefolgt bin.

Roswitha von Gandersheim (um 935-975)

 

Die Männer der (politischen) Praxis kennen die Welt nicht, sie kennen nicht einmal die Realität ihres eigenen Werks, . (Könnten sie auferstehen, würden sie) staunend erfahren, was sie taten, ohne es zu wissen, und in den Werken ihrer Vergangenheit lesen, wie in einem Hieroglyphenbuch, zu dem man ihnen endlich den Schlüssel gegeben hätte.

Benedetto Croce (1866-1952)

 

Die Tatsache besteht, dass die deutsche Selbstkritik bösartiger, radikaler, gehässiger ist als die jedes anderen Volkes. .. eine zügellose Herabsetzung des eigenen Landes nebst inbrünstiger Verehrung anderer.

Thomas Mann (1875-1955)

 

Immer doch schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge.

Bert Brecht (1898-1956)

 

Wer, der diese große deutsche Vergangenheit betrachtet, käme nicht angesichts der Deutschen der letzten hundert Jahre auf den Gedanken, ein rätselhaftes kosmisches Ereignis habe sozusagen über Nacht ein großes Volk im Herzen Europas durch ein gänzlich andersartiges, fremdes, ungleich viel minderwertiges ersetzt?

Gregor v. Rezzori (1914-1999)

 

Man kann trotz aller Brüche die Vielgestaltigkeit und Offenheit unserer Geschichte bejahen. Sie ist nicht nur beunruhigend, nicht nur Anlass zur Sorge. Man kann aus ihr auch Mut und Kraft schöpfen.

Arnulf Baring (1932 - )