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In der Rheinebene gegenüber von Oppenheim “war das Mark von Deutschland hier gedrängt”, sagt Uhland. Gewählt wurde ein Urenkel des Schwiegersohnes Ottos I. Die Familie Konrads II.  hatte um Speyer, in Rheinhessen und an der Nahe ihr Machtzentrum. In Worms hatte sie eine Stadtburg. Sie besaß auch eine Burg in Waiblingen im württembergischen Remstal, die namengebend werden wird für die kaiserliche Partei, „die Waiblinger“, die Ghibellinen. Die Dynastiebezeichnung „Salier“ leitet sich wohl vom Salischen Recht  ab, das die Franken des Teilstammes Chlodwigs verband. Die Kaiser dieser Familie sind groß, schlank, dunkel und hochfahrend, alle begabt. Das Jahrhundert ihrer Herrschaft bringt das Reich auf den Höhepunkt, aber danach an den Abgrund.


Konrad II. war zwar aus bester Familie, aber er war kein Stammesherzog. Die Einheitsbezeichnung „Stamm“ täuscht allerdings. Keines der sieben Herzogtümer war einsprachig: So lebten im Osten Sachsens, Frankens und Bayerns sowie in Kärnten Slawen. Bayern beheimatete Romanen und am Lech Alemannen. Alemannien hatte in Churrätien Romanen. In Burgund und in Lothringen lebten auch Alemannen. Die Mehrheit in Lothringen bildeten die zweisprachig gewordenen Franken, neben ihnen gab es Romanen und Friesen. Und im Raum Trier wird bis ins Hochmittelalter überwiegend romanisch und nicht fränkisch gesprochen. Dieses Regnum Teutonicum, das Deutsche Reich, ist noch immer zu guten Teilen ein karolingisches. Doch während sich vor kaum sechs Generationen ihre Ahnen noch als Franken, Langobarden oder Westgoten gefühlt hatten, empfinden sich um 1.000 die bedeutenderen Menschen bereits als Deutsche, Italiener und Franzosen.


Konrad war nüchtern, tüchtig, aber persönlich wenig anziehend. Edelmütiges Gehabe konnte er sich noch nicht leisten. Gründer müssen erst das Fundament bauen, müssen dabei kräftig zupacken. Wenn die Söhne und Enkel in der Sonne sitzen, ist der Schweiß der Väter und Großväter verdampft, und auch von fragwürdigen Fundamentierungsmethoden spricht keiner mehr.


Konrad schaffte sich einen starken Anhang, indem er die Lehen der Ritter erblich machte. Ohne einen Schwerthieb war damit die fürstliche Opposition geschwächt. Dieser niedere Adel, der den Kern der kaiserlichen Heere stellte, dankte es ihm und seinen Nachfolgern. Wenn der Kaiser rief, war er da, egal, wohin die “Reise” ging.
Gegenüber Papst und Bischöfen war Konrad höchst eindeutig. Rom war für ihn nicht die Stadt des Papstes, sondern die des “Römischen Königs”. Die Päpste hatten sich nach ihm zu richten. Widersetzliche Bischöfe setzte er ab, verbannte sie, sperrte sie ein. Freie Bistümer und Abteien vergab er – „gebührenpflichtig“ – an Männer seines Vertrauens. Der Kaiser schuf sich mit der Ämtervergabe geneigte, sogar dankbare Kirchenfürsten. Das stärkte seine Stellung gegenüber dem Papsttum. Missbräuche in der Kirche und regelwidriges Klosterleben bekämpfte er, Reformen förderte er. Doch selbst die Spitzenkleriker wussten noch nicht, welche Richtung ihrer Religiosität die richtige sei. So stritten sich in Hersfeld die Vertreter dreier Reformkreise darüber und in Montecassino, dem Urkloster des Mönchstums, waren die Mönche außerstande, einen Abt zu wählen. Sie baten das Kaiserpaar, ihnen einen vorzuschlagen.


Außenpolitisch verfuhr er ebenfalls pragmatisch: In Süditalien respektierte er den byzantinischen Besitz, an Knut den Großen von Dänemark und England, mit dem er sich sogar befreundete, trat er die Mark Schleswig ab. Gegen die Slawen hatte er  einige Erfolge, die allerdings nicht dauerhaft waren. Als dann dem polnischen Haudegen Boleslaw Chrobry das Schwert aus der Hand fiel, griff er sofort nach der Lausitz. Und als der letzte König von Burgund, der seinen Vorgänger Heinrich zum Erben bestimmt hatte, die Augen schloss, ließ er sich 1033 in Peterlingen - Payerne - zum König von Burgund krönen. Fortan waren die Kaiser dreifache Könige: von Deutschland, von Italien und von Burgund.


Die dritte Krone brachte die heutige Westschweiz, die Freigrafschaft Burgund, Savoyen, die spätere Dauphiné und die Provence. Größeren Wert hatte Burgund aber als Passland. Von Deutschland konnte man nun auf zusätzlichen Wegen nach Italien kommen. Damit war der Besitz Italiens besser gesichert. Für den Handel waren die “guten” Straßen über den großen St. Bernhard, den Mont Cenis und den Mont Genèvre von noch größerer Bedeutung.


In Oberitalien hatte Konrad Schwierigkeiten, weil er die Bedeutung der werdenden Städte nicht erkannte. Gegen die Ungarn kam es gar zur Katastrophe. Die Annalen des Klosters Niederalteich berichten darüber: „Kaiser Konrad    kam aber von Ungarn zurück ohne Heer und ohne etwas ausgerichtet zu haben, weil das Heer von Hunger bedroht und bei Wien (Man muss ergänzen: großenteils; H. D.) von den Ungarn gefangen genommen wurde.“


Konrad hatte nach seiner Wahl das Kloster Limburg an der Haardt am Ort der Stammburg seiner Familie gestiftet, wo schon Kelten, Römer und Franken gehaust hatten. Dorthin ließ er die Reichskleinodien bringen: Eine “guldene königliche Kron, ein gulden Scepter”, Kelche, Leuchter, Gewänder, Elfenbeingerät und “ein Psalterbüchel, so des Kaisers Caroli Magni gewesen”, dazu vierunddreißig Pfund “unverwerktes Golds”. Nach heutigem Wert sind das nur etwa 200.000 Euro. Doch wer hatte sonst so einen Schatz in Europa? Nur der byzantinische Kaiser. Kloster Limburg war das Fort Knox des Reiches.


“Weil auch Kaiser Conrad viel und oft zu Speyr im Königlichen Palatio gewohnt, hat man ihne Cunradum den Speyrer genannt.” Wohl deshalb ließ Konrad den karolingischen Dom seines Hausbistums abreißen und an seiner Stelle den mit 133 Meter Länge riesigen Dom erbauen. Der bisher auf der Westseite vor dem Dom liegende Hof der Laien, für sie schon das “Paradies”, wird erstmals in den Dom einbezogen. Das Volk durfte, wenn auch ganz hinten, mit Geistlichkeit und Adel unter einem Dach der heiligen Handlung beiwohnen. Der in seiner unerhörten Größe auch die Größe des Kaisertums darstellende Dom wird Grabstätte der Salier. Er wurde die Kaisergruft schlechthin. Noch der Gründer der Habsburger-Dynastie wird sich mehr als ein Vierteljahrtausend später aufmachen zu seinen “Ahnen” nach Speyer.


Europas Mitte blühte auf, „nie mehr vor dem Barock wurde hier so viel gebaut wie am Beginn des 11. Jahrhunderts.“ Seine Zeit „war von einem Optimismus erfüllt, der den Generationen vor wie nach Konrad II. fremd war.“ Für den Hildesheimer Annalisten war er gar „das Haupt und die Kraft fast der ganzen Welt.“

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