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Heinrich III. , sein Sohn, baute an Dom und Reich weiter. Er ist hoheitsvoll und fromm. Der Handel mit Bistümern und Abteien hört nun auf. Doch als er bei seiner Hochzeit mit Agnes von Poitou sogar die Gaukler und Possenreißer verjagen ließ, stieß das bei Hoch und Niedrig auf Unverständnis. Nur die Tatsache, dass die “öffentliche Meinung” ausschließlich an Herzogspfalzen gemacht wurde, rettete den “schwarzen Heinrich” vor ihr, denn diese ambulanten Unterhalter waren die “Medien” von damals.


Heinrich III. war Idealist. Mit den progressiven Klerikern war er der Meinung, dass die Kirche verlottert sei und ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen könne. Für öffentliche Aufgaben, für die er sie benötigte, war sie unbrauchbar. Zudem bedurfte das Reich der Weihe der Erhabenheit durch Kirche und Papst. Beide drohten in Sünde und Laster zu versinken. Als Oberherr der Kirche musste sich deshalb auch er besudelt fühlen.


Nachdem er im Inneren seine Macht stabilisiert und sie im Osten gefestigt hatte, zog der Kaiser mit einem Heer nach Rom. Dort drängelten sich gleich drei Päpste. Italien war zwar fast pausenlos von Machtkämpfen zwischen Fürsten, Adel und Städten durchbebt, doch solange sie die Interessen des Reiches respektierten, ließ man ihnen den mörderischen Zeitvertreib.


Drei Päpste gleichzeitig - das war selbst den Römern zu viel. Da war Benedikt IX., der wegen lasterhaften Lebenswandels verjagt, aber von Heinrichs Vater als gefügige Kreatur geduldet worden war. Seine Gegner hatten ihn wieder verjagt und den Bischof der Sabina als Silvester III. zum Papst gemacht. Nun hatte Benedikt Silvester vertrieben. Gegen Erstattung der Papstwahlkosten war er zum Rücktritt bereit. Ein Mönch aus dem Kloster Cluny kaufte sich als Gregor VI. in die Geschichte ein. Für die Kirche war das „Simonie“ .

Heinrich III. erließ zunächst in Pavia auf einer Synode ein Verbot der Simonie, denn es hatte deswegen schon Ärger gegeben. In Sutri bei Viterbo wurden alle drei Päpste wegen Simonie abgesetzt. Gregor VI. wurde nach Köln verbannt. Einer seiner Begleiter war ein Mönch Hildebrand, der hier die deutschen Verhältnisse kennenlernte. Vier Tage nach der Absetzung der Päpste war in Rom Neuwahl. Neuer Papst wurde der Sachse Luidger, Bischof von Bamberg, der sich Clemens II. nannte. Das Kaisertum hatte den Gipfel seiner Macht über die Kirche erklommen. Kaiser Heinrich setzte Päpste ab und ein, wie es ihm richtig schien. Für ihn war es Herrscherpflicht, die Kirche zu säubern. Er zeigte damit aller Welt, dass er der Herr der katholischen Kirche war.


Bereits seit Otto dem Großen hatten die Kaiser im ständig gärenden Reichsitalien deutsche Bischöfe eingesetzt, um die Interessen des Reiches zu wahren. Jetzt bürgte ein deutscher Papst für das Wohlverhalten seiner Kirche. Darüberhinaus war ein deutscher Papst, der auch Freund, Diener und Statthalter des Kaisers sein musste, auch sein Propagandist in religiös-politischen Angelegenheiten. Als Fremder in einer ihm feindlichen Umgebung war er ja auf ihn angewiesen. Der in dieser Lage das wegweisende Wort zu sprechen hatte, sprach - ohne gegenwärtig sein zu müssen - in allen entscheidenden Fragen in allen Ländern der Christenheit mit. Die Seelen - auch die der Könige von Frankreich, Ungarn, Polen - waren in seiner Hand. Der Kaiser und sein Reich waren so durch ihren in Rom platzierten “Sachbearbeiter Religion” zu Teilhabern an der Macht in allen katholischen Ländern geworden.


Schon der reale Machtbereich des Reiches war gewaltig. Drei Königreiche: Deutschland, Italien, Burgund, eine Ländermasse von Schleswig bis Unteritalien, von der Oder bis zur Rhone. Der Kaiser war Patricius von Rom  und damit berechtigt, die Papstwahlen zu entscheiden. Ungarn, Böhmen und Polen erkannten ihn als Oberherrn an.


Die Herrschaft über das Abendland konnte ein Kaiser nicht im Sitzen ausüben. Er konnte sich nach seiner Wahl nicht nur durch einen “Umritt” in den Herzogtümern vorstellen, er musste stets dort sein, wo seine Anwesenheit erforderlich war. Das bedeutete: Er musste aus dem Sattel regieren. Und wenn er nicht mehr aufs Pferd steigen konnte, erkannten ihn die Herzöge und Grafen nicht mehr an. Heinrich III. feierte beispielsweise am 30. März 1046 in Utrecht das Osterfest. Am 16. April beschäftigte ihn in Nimwegen die Teilung Lothringens. Am 4. Mai war er bei der Einweihung der Klosterkirche St. Gertrud in Nivelle. Am 18. Mai feierte er in Aachen Pfingsten. Am 24. Juni war er in Merseburg, am 23. August in Speyer, am 7. September in Augsburg, am 24. Oktober in Pavia, am 10. November in Parma. Am Weihnachtstag wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt. In den achtzehn Jahren seiner Herrschaft wird Heinrich fast 50.000 Kilometer zurückgelegt haben, meist zu Pferd, gelegentlich mit dem Schiff auf dem Rhein und anderen Flüssen. Pro Jahr war er mindestens 180 Tage unterwegs, pro Tag 15 bis 20 Kilometer, wenn es eilte auch mehr als 30 Kilometer. Das war harte Notwendigkeit. Herrschaft ausüben war ein ambulantes Gewerbe, das selbst robuste Naturen verschliss.


Sein Papst Clemens II., von dem sich Heinrich die nötigen Reformen erhoffte, starb schon nach neun Monaten. Er liegt in Bamberg begraben. Sein Nachfolger wurde Bischof Poppo von Brixen; Damasus II. Bereits nach drei Wochen war er tot. Man munkelte von Gift, aber es war wohl wieder einmal die Malaria, der die Deutschen nicht die Resistenz der Italiener entgegenzusetzen hatten. Die Hauptstadt der Christenheit war ein Fiebernest, das vom umliegenden Sumpfland wirksamer geschützt war als eine Burg durch ihren Graben.


Der dritte deutsche Papst war ein Vetter des Kaisers aus der elsässischen Grafenfamilie von Egisheim, im Kriege bewährt, dabei sehr gebildet, mürrisch, fromm, lauter. Bevor er Leo IX. wurde, war er Bischof von Toul gewesen. Er hatte für seinen Bischofssitz nicht nach damaliger Sitte bezahlt, und zum Papsttum wurde er vom Kaiser fast genötigt. Er ging die erforderlichen Reformen mit Gründlichkeit an. Er wollte dem Kaiser nicht nehmen, was des Kaisers war, aber er wollte auch die Autorität der Kirche wiederherstellen. So kämpfte er gegen Ämterkauf und Priesterehe, war ständig in Italien und Burgund, in Frankreich und Deutschland unterwegs. In den knapp sechs Pontifikatjahren verbrachte er nur knapp sechs Monate in Rom. Der wahre Papst war sein Kardinal-Staatssekretär Humbert. Das damals geschaffene Amt ist bis heute Schaltstelle und Entscheidungszentrum der Kurie. Die Arbeitsteilung zwischen Papst Leo, dem Reisenden in Sachen Religion und Moral, und dem Regenten Humbert prägte die Kirche mehr nach Humberts Sinn. Der vornehm denkende, rechtschaffene, aber auf seine Art “tumbe Deutsche” schien nicht gemerkt zu haben, welche Einflüsse die Kirche bewegten, während er sich im Kampf gegen priesterliche Korruption und Weiberwirtschaft verschliss.


Die Normannen waren in Unteritalien aus kleinsten Anfängen binnen kurzem so erfolgreich, dass sie nun auch das Fürstentum Benevent einsteckten. Es wäre Sache des Kaisers gewesen, diese jetzt schon romanisierten Wikinger zurückzutreiben. Da aber Heinrich in Deutschland war, schickte Humbert den Papst gegen die Wildlinge. Sein kümmerlicher Kriegshaufen wurde auseinandergetrieben, er selbst gefangen. Man hat ihm wohl gesagt, dass er wieder nach Hause gehen könne, dass man aber ein Bündnis mit ihm gegen den Kaiser wünsche. Das scheint ihn trübsinnig gemacht zu haben. Im Lehnstuhl, neben seinem Sarg, erwartete er im Petersdom den Tod. Nicht nur in Außenpolitik und Krieg, auch im Kampf gegen die Simonie und für das Zölibat war er gescheitert. Während der Pöbel schon seine Gemächer im Lateran plünderte, wurde jedoch merkbar, dass Leo ein Beispiel gegeben hatte. Von nun an arbeitete die Zeit für den Heiligen Stuhl.


Nach Leos Tod erschien sein Vertrauter, Subdiakon Hildebrand, mit einer Gesandtschaft beim Kaiser und bat um einen neuen Papst. Heinrich bestimmte dazu seinen Reichskanzler, den Bischof von Eichstätt. Dem blies in Rom der Wind voll ins Gesicht. Da das Kardinalskollegium den Deutschen nicht zum Papst machen wollte, mussten es deutsche Schwerter tun. Viktor II. schaffte auch zum guten Teil die Abschaffung der Simonie. Doch diese Großtat ließ den Hass der Betroffenen nur umso höher gegen den Kaiser und dessen vermeintlichen Handlanger lodern.

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