1024 - 1250 1056

postheadericon 1056

Als der Papst den Fortgang der Dinge besprechen wollte, traf er den Kaiser auf dem Sterbebett. Heinrich III. konnte ihn nur noch zum Regenten für seinen sechsjährigen Sohn Heinrich machen, den die Fürsten als König Heinrich IV.  bereits in Tribur gewählt hatten.


Das königliche Kind wuchs unter der schwachen Regentschaft seiner Mutter Agnes heran. Leider war sie ein verzagtes, ihrer Aufgabe nicht gewachsenes Weiblein, das auch keinen starken Berater hatte und deshalb von vielen - schlecht - beraten wurde. Die fürstlichen Egoisten schlichen sich nur bei ihr ein, um sie auszuplündern. Vater Heinrich hatte eine große Hausmacht angesammelt. Doch nur wenige Jahre später gehörten ganze Ländereien und Güter, Dörfer und Burgen, ja sogar elf Abteien nicht mehr dem König, sondern einem Herzog, Markgrafen oder Bischof. Mit den Steuern des Königs, dem Zoll-, Markt- und Münzrecht ging es genauso. Dieses legale Raubrittertum der Großen und das von Lug und Trug, Neid und Tücke bestimmte Klima am Hof der Mutter wirkten auf den königlichen Jüngling ungut. Er hatte weder Nestwärme noch ein Leitbild.


Noch unheilvoller war die Personalpolitik der Kaiserwitwe: Zum Herzog von Bayern machte sie den Grafen Otto von Nordheim, der am Südharz und in Westfalen begütert war. Mit ihm wird ihr Sohn lebenslang kämpfen müssen. Herzog von Schwaben wurde Rudolf von Rheinfelden, der als Gegenkönig ihrem Sohn sein Erbe streitig machen wird. Berthold I. von Zähringen, dem ihr Mann Schwaben bereits versprochen hatte, konnte sie nur mit der Markgrafschaft Verona und mit Kärnten besänftigen, das in seinem Lehensbrief als Caerintia bezeichnet war. Danach nannte er sich fortan von “Zähringen”.


Ostern 1062 feierte der Hof auf der Pfalz-Insel Kaiserswerth, heute ein Stadtteil Düsseldorfs. Erzbischof Anno von Köln kam zu Besuch. Man lockte den zwölfjährigen König an Bord einer Barke und entführte ihn. Anno hatte mit ihm auch die Reichsregierung in seine Hand gebracht. Später, bei der Schwertleite des Königs - der adeligen Volljährigkeitserklärung - hätte er deshalb beinahe seinen “Erzieher” niedergehauen.


Anno enrstammte einer armen Familie von “Freien” der schwäbischen Alb. Heinrich III. hatte ihn an seinen Hof geholt. Er wurde Beichtvater des Kaisers. Als Erzbischof von Köln und Erzkanzler saß er nun auf der hierarchischen Treppe ganz oben. Seine Kölner Bürger hätten den Machtmenschen beinahe erschlagen. Auch er fand nichts dabei, seinen Bruder zum Erzbischof von Magdeburg und einen Neffen zum Bischof von Halberstadt zu machen, noch weniger, für seine Bemühungen um König und Reich ein Neuntel der Reichseinnahmen für sein Fürstentum zu liquidieren.


Anno handelte gegen die hilflose Kaiserin, um das bedrohlich weiter wuchernde Chaos zu beenden. Er konnte sich auf ein Reichsgesetz berufen, wonach der Bischof für das Reichswohl in der Person des Königs verantwortlich sei, in dessen Diözese er sich aufhielt. Anno blieb auch bis zu seiner Entlassung, die auf eigenen Wunsch erfolgte, im Königsdienst. Er habe König und Reich aus großen Gefahren gerettet, hat man ihm bescheinigt.


Anno wurde von einem Mann ganz großen Zuschnitts abgelöst, von Erzbischof Adalbert von Bremen. Er war so stolz und fühlte sich so stark, dass er nicht Papst werden wollte. Der Spross der thüringischen Grafen Goseck wollte, sagt man, eine eigene nordische Kirche gründen. Aus dem nordischen Patriarchat, in das er Deutschland eingliedern wollte, wurde nichts. Der Verschwender verarmte bald, der König mit ihm. Der lernte wenigstens, dass arme Herren auch die Macht verloren haben. Von Königen und Fürsten verlangte man eben “milte”: Sie hatten zu erobern und die Beute zu verschenken.


Die Erziehung, die der halbwüchsige König durch Adalbert erhielt, war mehr als emanzipiert. Der Jüngling gefiel sich als Playboy, der seine Konkubinen mit Edelsteinen aus Altarkreuzen bezahlt haben soll. Die Edelsteine sollte man in den Altarkreuzen belassen, doch der Playboy bleibt. Auf einem Fürstentag in Tribur hatte Heinrich seinen Kanzler Adalbert entlassen müssen. Der hatte nach vielen anderen “Erwerbungen” auch die großen Reichsklöster Lorsch und Corvey schlucken wollen.

zurück weiter