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Heinrich setzte jetzt seinen Papst auf den Thron Gregors. Der neue Papst krönte Heinrich und seine Berta zum Kaiser und zur Kaiserin. Gregor hatte sich in die Engelsburg geflüchtet. Eines Maientages schien Hilfe für ihn zu kommen. Sein normannischer Vasall Robert, Herzog von Apulien, mit dem Beinamen Guiscard -  Schlaukopf - rückte mit 6.000 Berittenen und 30.000 Fußsoldaten an. Er hatte erst kürzlich den oströmischen Kaiser in Griechenland besiegt, sein Griff nach der byzantinischen Kaiserkrone war nur noch eine Frage von Tagen. Da meldete ein Bote, sein Lehensherr Gregor sei in Bedrängnis, der deutsche König zöge mit einem Heer nach Rom. Der Schlaukopf war gezwungen, die byzantinische Kaiserkrone fahren zu lassen und sich sofort einzuschiffen, wenn er nicht sein Unteritalien an den vorstoßenden deutschen Kaiser verlieren wollte. Die Normannen verfolgten den wieder abziehenden Kaiser nicht. Sie entschädigten sich vielmehr für die lange “Reise”, indem sie Rom brandschatzten. Männer, die kräftig genug waren, um einige Jahre Sklavenarbeit zu überstehen, und Frauen, die an Bordelle verkauft werden konnten, wurden mitgeschleppt. Und auch Gregor musste mit diesen Räubern ziehen, die nicht einmal alle Christen waren. Ein Jahr später starb er in normannischer Schutzhaft in Guiscards Hauptstadt Salerno. Der hatte die Stadt des Papstes anzünden lassen. Ein Zeitzeuge klagte: „Roma fuit!“ – Rom ist gewesen.


Der Anschlag Guiscards brachte Venedig hoch. Der von den Türken bedrängte Herrscher Ostroms hatte sich mit der Seemacht verbündet, deren Interessensphäre durch den maritimen Vorstoß des Normannen ebenfalls bedroht war. Venedig versprach Byzanz Flottendeckung. Dafür musste es ihm in den Häfen des östlichen Mittelmeeres Handelserleichterungen zugestehen. Dadurch wuchs der venezianische Levantehandel, und nach den Kreuzzügen wird er noch weiter wachsen.


Kaiser Heinrichs IV. unerbittlichster Gegner war tot, sein Sohn Konrad wurde zum König gekrönt, sein Gegenkönig Hermann von Salm starb. Selbst in Sachsen gab es Frieden, nur Herzog Welf IV. von Bayern blieb Gegner. Der Angriff der Fürsten auf das Königtum war zusammengebrochen. Heinrich verpflichtete sich den Böhmenherzog, indem er ihn für seine Person zum König machte. Und er nahm sich eine junge Frau, Praxedis, ukrainische Fürstentochter. Das Volk hing an ihm, denn er hatte wieder einen Gottesfrieden verkündet. Für den kleinen Mann bedeutete das weniger Bedrohung und Not, doch der Adel fühlte sich in seinen Rechten eingeschränkt.


In Rom saß zwar noch immer der vom Kaiser eingesetzte Papst, daneben gab es aber noch einen, der für die Kirche der rechtmäßige war: Urban II. , französischer Aristokrat, zuvor Prior von Cluny. Er hatte die gleichen Ziele wie Gregor VII. Urban verkuppelte den siebzehnjährigen Sohn des welfischen Bayernherzogs mit der nun schon 43-jährigen Mathilde von der Toskana. Damit war aller Reichsbesitz in Italien gefährdet. Als der Kaiser nach Italien zog, um zu retten, was noch zu retten war, verlor er die Entscheidungsschlacht. Er verlor auch seinen Sohn Konrad. Der Papst hatte ihn mit der italienischen Krone geködert. Die Lombardei ging mit ihm zum Papst über. Den Rest gab dem Kaiser seine Frau. Da sie ihren Stiefsohn verführen wollte, hatte Heinrich sie einsperren lassen. Sie entwischte. Auf der päpstlichen Fastensynode in Piacenza packte sie dann gegen ihren Mann aus. Der moralische Kredit des Kaisers war futsch. Er war von Deutschland abgeschnitten, er beherrschte nur noch ein Stück Land um Verona.

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