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Indem er den Vater fallen ließ, rettete der Sohn das Königtum. Er zwang Fürsten und Bischöfe auf seine Seite und nahm Verbindung mit dem Papst auf. Er berief einen Reichstag nach Mainz ein, wo der Thronstreit zwischen Vater und Sohn entschieden werden sollte. Als nun der Vater mit einem Häuflein Getreuer nach Mainz wollte, um sich zu rechtfertigen, zog ihm der Sohn entgegen, nahm ihn gefangen und kerkerte ihn in der Burg Böckelheim über der Nahe ein. Sohn Heinrich erpresste von ihm die Herausgabe der Reichsinsignien, deren Besitz den König machte. Sie wurden von der Burg Hammerstein am Rhein nach Mainz gebracht. In der Pfalz Ingelheim wurde Heinrich IV. der Schauprozess gemacht. Und wie einst Tassilo von Bayern, dankte dort Heinrich IV. “freiwillig” ab. Der Sohn fing an, als Heinrich V. zu regieren.


Der kaiserliche Vater konnte aus Ingelheim, dessen ursprünglicher Name Engelheim bereits zum zweitenmal auf diese Weise herabgewürdigt worden war, entkommen. Er floh über Köln nach Lüttich. Die Entscheidungsschlacht mit seinem Sohn ersparte ihm der Tod. Sterbend sandte er Ring und Schwert an ihn. Seinem Nachfolger, der wie sein Urgroßvater ein Riese war, hinterließ er ein wieder halbwegs intaktes Reich, aber auch den Streit mit dem Papst um die Einsetzung der Bischöfe.


Der Papst hatte Heinrich die Kaiserkrönung versprochen, der König versprach ihm dafür Zugeständnisse in der Investiturfrage: Die Bischöfe sollten sich mit dem Zehnten begnügen, aber alle vom König verliehenen Ländereien und Rechte sollten zurückgegeben werden. Da der König keine Güter mehr an die zukünftigen Bischöfe vergeben sollte, war der Vorwurf der Simonie vom Tisch, der das Investiturproblem hochgebracht hatte. Freilich wussten die Bischöfe nichts von der Armut, die ihnen zugedacht war. Als dann die, die mit dem König in Rom waren, im Petersdom den päpstlichen Willen hörten, ließen sie ihrem Zorn geräuschvoll Lauf. Nein, arm sein wollten sie nicht. Empört waren auch die Fürsten. Sie befürchteten, dass sich des Kaisers Macht vervielfachte, während ihr Besitzstand gleich blieb. Das durfte nicht sein. Der Papst musste seinen Vorschlag zurücknehmen. Nun forderte Heinrich das unbeschränkte Investiturrecht und die Kaiserkrönung. Und als sich der Papst weigerte, wurde er mit sechzehn Kardinälen eingesperrt. Der Anführer dieses Überfallkommandos war Graf Otto von Scheyern, der gerade nordöstlich von Augsburg seine neue Burg Wittelsbach bezogen hatte.


Der mit dem Papst ausgehandelte Vertrag wurde von diesem als erpresst widerrufen, als sich der König wieder in Deutschland mit den Fürsten herumschlagen musste. Wieder Bürgerkrieg, ein neuer Papst, ein Gegenpapst, ein weiterer Papst bannt den Kaiser, Kirchenspaltung, neuer Romzug usw.

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