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Erst fünfzig Jahre nach dem Beginn des Investiturstreites wird auf einer Wiese am Rhein das Wormser Konkordat verkündet: Die Bischöfe und Äbte werden nicht mehr vom König eingesetzt, sondern von ihren Klerikern gewählt. Der Gewählte leistet dem König den Diensteid, darauf wird er mit dem Zepter, dem Zeichen weltlicher Macht, ausgestattet und mit den Königsgütern belehnt. Erst danach erfolgt die kirchliche Investitur mit Ring und Stab. Von einer Mitsprache des Kaisers bei der Papstwahl ist keine Rede mehr.


Mit diesem Vertrag wurde der alte Streit um den Vorrang von geistlicher und weltlicher Gewalt durch einen Kompromiss gelöst: Die beiden Sphären wurden voneinander getrennt, jede Sphäre hat ihren eigenen Rechtsbereich. Die die westliche Zivilisation kennzeichnende Trennung von Kirche und Staat hat hier ihren Ursprung.


Der Kaiser ist in Deutschland Herr seiner Reichskirche geblieben. In Italien und Burgund erfolgt zuerst die kirchliche Weihe und erst dann die weltliche Einsetzung. Die Demonstration der Reichshoheit wurde dort zur Zweitrangigkeit herabgestuft. Das war der Anfang vom Ende der Reichs-Dreiheit Deutschland-Italien-Burgund. Das Kaisertum ist im wesentlichen auf den deutschen Sprachraum zurückgedrängt. Auch im Osten war die deutsche Vormacht geschwunden.

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