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Doch selbst in Deutschland hat Heinrich V. niemals die volle Königsgewalt ausüben können. Wie sein Vater, scheiterte er vor allem an Sachsen. Mit der Herzogswürde hatte er einst den jetzigen Amtsinhaber bestochen, als er gegen seinen Vater putschte. Jetzt hatte sich dieser Lothar die Marken Meißen und Lausitz angeeignet. Doch vor dem neuen Kampf starb Heinrich V. neununddreißigjährig, krebskrank, unbeliebt und kinderlos. Seine Witwe, eine Normannenprinzessin mit Anspruch auf Englands Thron, ging nach Hause. Dort heiratete sie ihren gerade fünfzehnjährigen Nachbarn Gottfried Plantagenet  von Anjou. Ihr Sohn Heinrich II. wurde neben dem römisch-deutschen Kaiser der mächtigste Herrscher Europas. Einschließlich der Besitzungen seiner Frau Alienor – Eleonore – von Aquitanien herrschte er von Schottland bis zu den Pyrenäen.


Den großen Schnitt hatten die Fürsten gemacht. Sie waren immer größer geworden und hatten das Königtum immer mehr eingeengt. Von der auf den Kaiser ausgerichteten Zentralisation Karls des Großen war nichts übriggeblieben. Das Reich war zu einer Ehe- und Erbengemeinschaft ohne Haftung degeneriert, in der die Machtpositionen ständig wechselten. Das Stillhalten der Fürsten beim Zustandekommen des Wormser Konkordats musste ihnen der Kaiser mit der Anerkennung ihrer keineswegs immer legalen Besitzerweiterungen bezahlen. Da die Stammesherzogtümer dem Zentralismus gefährlich geworden waren, waren sie durch Teilung geschwächt worden. Doch da sich diese Entwicklung fortgesetzt hatte, sah sich der Kaiser nun einer vervielfachten Fürstenmacht gegenüber. Dagegen war nicht mehr anzukommen. Er konnte nur noch Außenpolitik betreiben. Aber auch das konnte er nur, wenn er selbst mächtig war, wenn er eine “Hausmacht” hatte. Dieser Drang nach großem zusammenhängendem Landbesitz kennzeichnet die Zukunft. Die Stammesherzöge hatten früher nach germanischem Brauch Personen, „Volk“, befehligt. Jetzt kämpften die Fürsten um Land und Rechte. Städte und Burgen wurden gegründet, um diese Ländereien und die damit verbundenen Rechte zu sichern. Dieser Umbruch zu vielen Flächenstaaten ist es, der dem salischen Kaisertum so zu schaffen machte, nicht nur der Kampf mit den Päpsten.


Die Fehden mit Herzögen und Verwandten, die Kriegszüge nach Italien und Burgund führten jetzt Waffenknechte aus. Der Krieg war der Beruf dieser meist unfreien Leute. Aber auch Freie und Adelige waren dabei, nachgeborene und außereheliche Söhne. Ein bunter Haufe also, denen der Krieg Aufstieg und Beute und die Aussicht auf Versorgung versprach, einigen sogar Gewinn von Land, anderen die Ehre des Hofdienstes bei einem Größeren. Diese Ritter waren arme Ritter, Glücksritter. Dem Tatkräftigen bot die neue Gesellschaft jedoch große Möglichkeiten.


Als Heinrich V. starb, hatte er seinem Neffen, dem Schwabenherzog Friedrich von Büren, die Obhut über die Kaiserin und die Reichskleinodien anvertraut. Er war der nächste Verwandte. Deshalb war er auch möglicher Nachfolger im Königtum. Doch Erzbischof Adalbert von Mainz, der zur Wahl schon eingeladen hatte, als die Leiche des Kaisers noch warm war, wollte den Schwaben niederhalten. In Vertretung des Kaisers hatte Friedrich nämlich linksrheinisch den Königsbesitz weit nach Norden erweitert. Er zog „am Schwanz seines Pferdes stets eine Burg hinter sich her”. Das heisst, dass er diese für den Kaiser durchgeführten Eroberungen sicherte. Er besetzte Burg und Kloster Limburg, die Stadt Worms und Burgen des Speyrer Bistums. Neue Burgen sperrten die Täler, die den Zugang zum Reichsbesitz um Kaiserslautern und Saarbrücken kontrollierten. Rechtsrheinisch tat Bruder Konrad das gleiche. Das untere Elsass, der Worms- und der Speyergau waren wieder im kaiserlichen Griff. Die Stauferbrüder waren damit den Expansionsbestrebungen des Mainzer Erzbischofs zuvorgekommen.


Auch die Fürsten wollten Friedrich nicht. Sie wollten ihr Wahlrecht, nicht das bisherige Erbrecht. Ihr Kandidat war der Sachsenherzog Lothar von Supplinburg. Für sie hatte er mehrere Vorzüge: Er war schon über fünfzig - damals schon ein Greis -, er war zwar reich - er hatte die Erbin Ottos von Nordheim, des Gegners Heinrichs IV. geheiratet -, hatte aber keinen Anhang. Auch er hatte keine Söhne, nur eine Tochter.

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